Johannes Link hat seinen Beruf aufgegeben, um Sohn Nathan zu pflegen. Damit die Familie zu all ihren Nöten nicht auch noch unter finanziellen Schwierigkeiten leiden muss, hat „BKZ-Leser helfen“ kurzfristig entschieden, sie mit 5000 Euro zu unterstützen. Foto: Dietmar van der Linden
Von Matthias Nothstein
Backnang. Hilfe für Menschen in Not – dafür steht die Aktion „BKZ-Leser helfen“. Bei der aktuellen Aktion sind erneut über 157.000 Euro an Spenden zusammengekommen. Mit diesem Geld können jetzt wieder etliche Institutionen oder Vereine sowie die Familie Link aus Maubach unterstützt werden. Bei Letzterer ist die Entscheidung kurzfristig gefallen. Als die aktuelle Aktion im November 2023 gestartet wurde, waren das Schicksal des achtjährigen Nathan und die Not seiner Familie noch nicht bekannt. Inzwischen ist die Familie mit ihren Sorgen an die Öffentlichkeit getreten (wir berichteten). Zu den Spenden kommen noch 6000 Euro, die von der Aktion im Vorjahr nicht verteilt wurden, sodass insgesamt 163.000 Euro an Hilfen weitergegeben werden können. Das ist in der 30-jährigen Geschichte von BKZ-Leser helfen die zweitgrößte Summe, die Menschen in Not zur Verfügung gestellt werden konnte. Nur im vergangenen Jahr wurde mit 166.000 Euro mehr Geld für Hilfsprojekte und Unterstützungen zur Verfügung gestellt. Im Folgenden kurze Zusammenfassungen, wofür die Zuschüsse verwendet werden:
Backnanger Hospiz Im vierten Obergeschoss des stationären Backnanger Hospizes entsteht ein ambulantes Tageshospiz für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Nicht nur die Ausbaukosten sind immens, etwa zwei Millionen Euro müssen investiert werden. Auch für den Betrieb des bisherigen stationären Hospizes benötigt die Stiftung jährlich 200.000 bis 300.000 Euro Spenden, da die Kostenträger nur 90 Prozent des Aufwands übernehmen. Die 30.000 Euro, die BKZ-Leser helfen nun für die Erweiterung zuschießt, werden vor allem für die Ausstattung verwendet. Mit dem Tageshospiz will die Stiftung die Lücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung in Backnang schließen. Derzeit sind in dem 2019 eröffneten Gebäude in der Bonhoefferstraße das stationäre Hospiz mit zwölf Betten, ambulante Hospizdienste, ein Pflegeteam der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung und Beratungs- und Trauerangebote untergebracht. Das Tageshospiz wird Ende des Jahres acht Plätze für Erwachsene und vier Plätze für Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 27 Jahren bieten.
Lebenshilfe Rems-Murr Ein Schwerpunkt der Arbeit der Lebenshilfe sind Freizeiten und Wochenendaufenthalte im Wilhelm-Traub-Haus am Rand des Backnanger Plattenwalds. Aufgrund dieser Angebote erhalten die Angehörigen der Menschen mit Behinderung seit vielen Jahren eine kurze Auszeit von der Betreuung. Und die Menschen mit Behinderung treffen Freunde und haben Spaß. Das Wilhelm-Traub-Haus benötigt jedoch in mehreren Bereichen Sanierungen. Zuletzt wurden die Gästezimmer und der Wohn-/Essbereich modern gestaltet. Das nächste Vorhaben der Verantwortlichen ist nun die dringend notwendige Sanierung der sanitären Anlagen. Die Gesamtkosten belaufen sich dafür auf 30.000 bis 40.000 Euro. Um das Projekt angehen zu können, erhält die Lebenshilfe einen Zuschuss über 15000 Euro.
Zukunftswerkstatt Rückenwind Der Backnanger Verein Zukunftswerkstatt Rückenwind (ZWR) hat aktuell die Zielgruppe der Menschen mit Behinderung in den Vordergrund gestellt. Die Verantwortlichen sehen in ihrer täglichen Arbeit, wie schwierig es für diese Menschen ist, sich in den Hilfesystemen zurechtzufinden. Gerade bei Geflüchteten mit Behinderungen häufen sich die Herausforderungen aufgrund der sprachlichen und kulturellen Barrieren. Bei der ZWR fallen viele Kosten an für Schulungen, Fahrten, Material oder Aufwandsentschädigungen für Ehrenamtliche.
DRK-Ortsverein Backnang Vor drei Jahren schon hat der DRK-Ortsverein seine Fahrzeuge auf Digitalfunk umgestellt. Nun müssen auch die Handfunkgeräte ausgetauscht werden. Mit diesem Schritt würde die anfällige analoge Funktechnik entfallen. Zudem ergeben sich weitere Vorteile wie bessere Abhörsicherheit und höhere Zuverlässigkeit. Sieben Geräte kosten jedoch über 10.000 Euro, die der DRK-Ortsverein nicht so ohne Weiteres übrighat, zumal der Ortsverein auch neue Einsatzhelme braucht.
Pflegestift Backnang Nach dem Umzug des Seniorenzentrums Haus am Berg in das neue Gebäude in der Oberen Walke, das von der Dienste für Menschen gGmbH geführt wird, will Regionalleiter Frank El-Banany den Bewohnern mehr Zugang zum öffentlichen Leben ermöglichen. Seine Idee: Er wird eine elektrisch unterstützte Fahrradrikscha anschaffen. So könnten die Menschen kleine Ausflüge in die Innenstadt machen. Die Investition wäre ein schöner Beitrag zu mehr Teilhabe von Senioren. Preiswert ist ein solches Spezialfahrrad nicht, weshalb es einen Zuschuss von 10000 Euro gibt.
Haus Karla Das Aufnahmehaus Karla der Erlacher Höhe bietet wohnungslosen Frauen eine Unterkunft und unterstützt sie dabei, wieder in ein Leben ohne fremde Hilfe zurückzufinden. Dabei fallen immer mal wieder Kosten an, um den Frauen ein Umfeld bieten zu können, in dem sie sich wohlfühlen. Nun sollen die Eingangstür erneuert und eine Kamera installiert werden. So sollen die Bewohnerinnen sehen können, wer an der Tür klingelt. Mit der aktuellen Tür fühlen sie sich unsicher. Zum anderen soll die Küche in einer der drei Wohngemeinschaften im Haus erneuert werden. Um beides realisieren zu können, erhält die Erlacher Höhe 10.000 Euro Zuschuss.
Familie Link Nathan Link leidet an einem Gendefekt. Der acht Jahre alte Bub aus Maubach wird sterben. Bis zu seinem fünften Lebensjahr konnte er gehen und sprechen, seither schreitet der Verlust seiner Fähigkeiten rasant voran. Seine Eltern Lara und Johannes Link haben ihren Beruf aufgegeben und kümmern sich rund um die Uhr um ihren Sohn, meist allein. Und dabei müssen sie auch noch ihre drei Töchter im Alter von zwölf, zehn und zwei Jahren versorgen. Der Zuschuss von 5.000 Euro soll zumindest die finanziellen Nöte etwas abfedern.
Flüchtlingsinitiativen Mit jeweils 1000 Euro werden die Flüchtlingsinitiativen in Backnang, Auenwald und Weissach im Tal unterstützt. Sie haben aktiv um Unterstützung gebeten. In diesen Gemeinden kümmern sich die örtlichen Initiativen noch verhältnismäßig intensiv um Geflüchtete. Ebenfalls 1000 Euro erhält die Geflüchtetenselbstorganisation Pyramidea, die in Murrhardt mit verschiedenen Projekten aktiv ist.
Fördertöpfe Traditionell erhalten mehrere Institutionen einen Fördertopf, mit dem sie Menschen in Not unbürokratisch helfen können. Und zwar immer in solchen Fällen, in denen vom Gesetzgeber keine Hilfe vorgesehen ist. In diesem Jahr gibt es acht solcher Fördertöpfe. Zum Zug kommen die vier Diakoniestationen Backnang, Aspach, Weissach im Tal und Murrhardt. Deren Mitarbeiter kennen die Nöte der Menschen in Backnang und im Umland besonders gut. Sie kommen in die Häuser und Familien und lernen die Menschen kennen. Ebenso pflegen das Kreisjugendamt, das städtische Amt für Familie und Jugend, der Verein Kinder- und Jugendhilfe Backnang und der Kreisdiakonieverband enge Kontakte zu all jenen Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.