Spaghetti-Bäume in der Schweiz, UFO-Alarm über London und Goldpanik in Kasachstan: Die Geschichte kennt so manchen Aprilscherz, der gründlich daneben ging.
Der 1. April ist der Tag der Scherze. Nicht immer war das ein Grund für Gelächter.
Von Michael Maier
Der 1. April ist der Tag der Scherze und Späße. Doch nicht jeder gutgemeinte Aprilscherz landet auch einen Treffer - manchmal geht der Schuss sogar gehörig nach hinten los. Die Geschichte zeigt einige besonders bemerkenswerte Fehlschläge, die deutlich größere Wellen schlugen als beabsichtigt.
Der wohl bekannteste Fehlschlag war die BBC-Reportage über die Spaghetti-Ernte 1957. Der Sender zeigte Schweizer Bauersfrauen beim angeblichen Ernten von Spaghetti von Bäumen. Was heute absurd klingt, führte damals zu tausenden Anrufen von Zuschauern, die eigene Spaghetti-Bäume bestellen wollten. Als der Scherz aufflog, hagelte es Proteste, die dem Ruf der BBC und besonders Moderator Richard Dimbleby schadeten.
Aprilscherz mit Führerschein
In Baden-Württemberg sorgte 2001 ein lokaler Radiosender für Ärger mit der Polizei, denn in der Nachrichtensendung behauptete der Moderator, ab sofort seien sämtliche alten Führerscheine ungültig. Wer ohne einen neuen EU-Führerschein erwischt werde, solle zahlen.
Mit ärgerlichen Folgen – laut einer Pressemitteilung der Polizei von damals: „Verwirrte bis wütende Bürger beschwerten sich telefonisch, blockierten dabei stundenlang die Notrufleitung und erschienen persönlich an der Pforte. Auch vor dem Landratsamt versammelten sich zahlreiche ratlose Autofahrer, weil die Behörde nach Angaben des Senders dort auch am Sonntag eine Umtauschstelle für Führerscheine eingerichtet hatte.“ Außerdem weigerten sich die Radiomacher dann auch noch hartnäckig, die Falschmeldung aus dem Programm zu nehmen.
Aprilscherz mit E.T. im Heißluftballon
Virgin-Gründer Richard Branson verzockte sich 1989 gewaltig, als er als E.T. verkleidet in einem UFO-ähnlichen Heißluftballon über London schwebte. Der Stunt führte zu einem Verkehrschaos auf der Autobahn M25, als erschrockene Autofahrer anhielten, um das „UFO“ zu beobachten. Die Luftfahrtbehörde drohte sogar mit rechtlichen Konsequenzen.
In Kasachstan löste 1995 ein Zeitungsscherz regelrechte Tumulte aus. Die Meldung, dass die Sicherheitsstreifen der 10-Tenge-Scheine wertvolles Gold und Platin enthielten, führte zu einem Ansturm auf die Banken. Als sich die Geschichte als Aprilscherz entpuppte, waren die Bürger alles andere als amüsiert.
Besonders ironisch entwickelte sich ein WDR-Scherz: 1965 berichtete der Sender erfolgreich über angebliche Delfine im Rhein. Als zwei Jahre später tatsächlich ein Beluga-Wal im Fluss schwamm, glaubte aufgrund des vorherigen Aprilscherzes niemand mehr die wahre Nachricht.
Misslungene mediale Aprilscherze
Aprilscherz von Thomas Gottschalk
2006 sorgte Thomas Gottschalk für Aufregung, als er in „Wetten, dass...?“ spontan seinen Abschied ankündigte. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, sodass selbst der ZDF-Programmdirektor einschreiten musste.
Etwas gefährlich wurde es im Jahr 2000, als ein Hamburger Radiosender den vermeintlichen Absturz einer russischen Raumstation über der Stadt meldete. Die Notruf-Systeme brachen unter der Last hunderter Anrufe zusammen. Verschlimmert wurde die Situation dadurch, dass die Falschmeldung bereits am 31. März gesendet wurde.
Über Russland würde man heute wohl nicht mehr scherzen wollen, und generell sind Aprilscherze in den Medien etwas außer Mode gekommen. Schließlich kann aus einem lustig gemeinten Scherz schnell bitterer Ernst werden.