Der Deckel fehlt zum Sammlerglück

Zinnbierkrüge vom Straßenfest früh vergriffen – Stadt rückt Notfallexemplar heraus

Der Deckel fehlt zum Sammlerglück

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Bierkrugsammlerin Silvia Volkmer aus Kleinaspach ist sehr verärgert. Die 54-Jährige sammelt nämlich seit Jahren die Bierkrüge des Backnanger Straßenfests und hat von jedem Jahr ein Exemplar zu Hause. Und zwar nicht die gewöhnlichen Krüge, sondern ausschließlich jene mit Zinndeckel.

Und eben das ist die Krux. Denn Volkmer hat zwar die gesamte Sammlung bis 2018 – immerhin 48 Exemplare – vollständig und mit Deckel im Regal stehen, aber ausgerechnet die aktuelle Version fehlt ihr. Dabei steuerte die Sammlerin am vergangenen Freitag schon frühzeitig den Stand der Festwirtin Ingrid Putler an, wo laut Anzeige die Festkrüge ab 11 Uhr zu erstehen waren. Aber als Volkmer um 12 Uhr nach einem Exemplar fragte, wurde sie eigenen Angaben zufolge von den Mitarbeitern des Gastronomiebetriebs Putler geradezu ausgelacht, „die haben wir doch gestern schon alle verkauft.“

Da stand sie nun, die treue Sammlerin, am Boden zerstört und kruglos. In ihrer Not klagte sie jetzt in der Redaktion ihr Leid: „48 Krüge mit Deckel habe ich und einen ohne. Wie sieht das denn aus?“

Dieses Desaster ließ auch die Stadtverantwortlichen nicht kalt. So erklärte Martin Schick, der Leiter des Kultur- und Sportamts, gestern: „Wir setzen alles daran, dass wir die Sammler zufriedenstellen können und schauen, ob wir von irgendwoher noch Krüge bekommen.“ Zuvor hatte Schick verraten, dass es insgesamt sogar drei Sammler sind, die sich verärgert an die Stadt gewandt hätten, weil sie leer ausgegangen sind.

Laut Pressesprecherin Christine Wolff werden von den Bierkrügen mit Deckel jedes Jahr lediglich 36 Stück geordert, da diese in der Herstellung relativ teuer sind. Die Stückzahl ist jedoch trügerisch, weil von den 36 Spezialkrügen allein 29 an besondere Gäste der Stadtverwaltung und die Jurymitglieder des Nachwuchsfestivals verschenkt wurden. Im Verkauf landeten lediglich die restlichen sieben Stück, und selbst von diesen waren einige reserviert.

Festorganisator Jürgen Häfner, der die Krüge bei der Firma Sahm in Rheinland-Pfalz bestellt, rechtfertigt die geringen Stückzahlen: „Wir orientieren uns an den Verkaufszahlen der Vorjahre, und die Nachfrage wird immer geringer.“ So seien im Vorjahr vier Krüge mit Zinndeckel übrig geblieben, und angesichts eines Stückpreises von 27 Euro wäre die Festwirtin, die die Krüge ausgibt, auf über 100 Euro sitzen geblieben. Zudem habe die Stadt in diesem Jahr kurzfristig fünf Krüge mehr für sich in Anspruch genommen.

Bevor es nun aber einem Sammler die Laune verhagelt, ist Kulturamtsleiter Schick sogar bereit, seine beiden Amtskrüge herauszurücken. Die sind nämlich fürs Archiv und für den Notfall gedacht. Und ein Notfall liegt hier definitiv vor. Schließlich legt Volkmer allerhöchsten Wert auf die einheitliche Optik. Vor vielen Jahren ließ sie sogar extra zwei Zinndeckel anfertigen und auf die Bierkrüge der ersten beiden Straßenfestjahre montieren. Denn die kamen ursprünglich oben ohne daher.

Zu guter Letzt erklärte Schick gestern noch: „Wir denken darüber nach, ob wir nächstes Jahr nicht vier Krüge mehr bestellen. An dieser Ausgabe von 100 Euro soll das Backnanger Straßenfest nicht scheitern.“