Prinz Harry und Herzogin Meghan

Der Sentebale-Streit schadet der Marke Sussex

Prinz Harry verlässt seine Stiftung Sentebale, die Vorsitzende schlägt mit harten Vorwürfen zurück. Der Marke Sussex, ohnehin angekratzt, tut der Knatsch nicht gut.

Der Sentebale-Streit schadet der Marke Sussex

Für sein „Gap Year“ ging Prinz Harry 2004 nach Lesotho – und kehrte daraufhin immer wieder zurück. 2006 gründete er Sentebale.

Von Theresa Schäfer

Im April vor einem Jahr war die Welt noch in Ordnung – oder sah zumindest so aus: Da stand Sophie Chandauka augenscheinlich einträchtig neben Prinz Harry und Herzogin Meghan, als in Wellington, Florida, der Pokal eines Charity-Poloturniers übergeben wurde. Der Erlös der Veranstaltung ging an Harrys Herzensprojekt: Sentebale.

Ein Jahr später steht in der Wohltätigkeitsorganisation kein Stein mehr auf dem anderen: Prinz Harry hat seine Schirmherrschaft für die Aidswaisen-Hilfe in Lesotho und Botsuana abgegeben – wegen Unstimmigkeiten mit Chandauka. Die Vorsitzende von Sentebale machte daraufhin in einem Fernsehinterview aus ihrer Frustration über die Sussexes keinen Hehl mehr.

Seit sich der Sohn des britischen Königs Charles III. aus dem Kreis der „working Royals“ zurückgezogen und das Vereinigte Königreich 2020 verlassen habe, seien die Spenden für Sentebale massiv eingebrochen, sagte Chandauka am Sonntag dem britischen Nachrichtensender Sky News. Aber darüber habe man mit Harry nicht offen sprechen können.

Seit sechs Jahren arbeitet Chandauka für die Wohltätigkeitsorganisation, die Harry 2006 zusammen mit Prinz Seeiso von Lesotho gründete. Die beiden Prinzen ehrten damit ihre früh verstorbenen Mütter. Sentebale bedeutet in der Landessprache Vergissmeinnicht. 2023 übernahm die Juristin den Vorsitz.

„Wenn der Prinz mit im Raum ist, hat niemand den Mut zu sprechen“, sagte Chandauka. Jede Idee des Prinzen werde abgenickt. Auch bei jenem Charity-Poloturnier habe es Knatsch hinter den Kulissen gegeben, weil Harry sich plötzlich von einem Kamerateam begleiten ließ – er brauchte Material über seine Netflix-Serie über Polo. Die Sentebale-Vorsitzende war auch nicht glücklich darüber, dass Herzogin Meghan unangekündigt mit von der Partie gewesen sei und dann auch noch beim Fototermin die Regie an sich gerissen habe.

„Mobbing und Schikane“ von Prinz Harry

Sie habe sich für echte Veränderungen in der Organisation stark machen wollen, sagt Chandauka. Daraufhin sei sie dem Prinzen und seinen Verbündeten im Stiftungsrat von Sentebale unbequem geworden und man habe versucht, sie aus dem Amt zu drängen – mit „Mobbing und Schikane“, eine wahre „PR-Maschine“ habe Harry gegen sie in Bewegung gesetzt.

Das ist die eine Sicht der Dinge. Die andere, die aus dem Umfeld des zurückgetretenen Stiftungsrats um die Prinzen Harry und Seeiso verlautet, klingt so: Chandauka sei „beinahe diktatorisch“ aufgetreten, sagte Lynda Chalker der „Times“. Die Baroness und frühere Parlamentsabgeordnete saß fast 20 Jahre im Sentebale-Stiftungsrat. Sie ist eine der wenigen, die sich namentlich zitieren lassen. Andere, anonyme Quellen nennen Chandaukas Anwürfe gegen den Prinzen aber „kategorisch falsch“ und „vollkommen unbegründet“. Das Interview der Vorsitzenden sei ein bloßer „Publicity Stunt“.

Inzwischen hat sich die hat sich die britische Charity Commission, die zustände Aufsichtsbehörde, eingeschaltet. Man werde prüfen, ob bei Sentebale alle rechtlichen Vorgaben eingehalten wurden, hieß es in einer Mitteilung.

Prinz Harry begrüßt die Untersuchung: „Wir gehen fest davon aus, dass sie die Wahrheit ans Licht bringen wird, die uns letztlich kollektiv zum Rücktritt gezwungen hat“, heißt es in einem Statement aus dem Büro des 40-Jährigen.

Prinz Harry verbrachte als 19-Jähriger sein „Gap Year“ in Lesotho

„Was sich in der vergangenen Woche ereignet hat, war herzzerreißend mitanzusehen – insbesondere, wenn solch offensichtliche Lügen jene verletzen, die Jahrzehnte in dieses gemeinsame Ziel investiert haben“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Harry muss diese Entwicklung schmerzen: Als 19-Jähriger ging er für sein „Gap Year“ zwischen Eton und der Militärakademie Sandhurst nach Lesotho. Dort half er beim Bau von Schulen und sah die vielen Waisenkinder, denen die Krankheit Aids die Eltern genommen hatte. Ein paar Jahre nach dieser Erfahrung gründete er Sentebale. Die Organisation, da sind sich Royalexperten einig, ist sein Baby und seinem Herzen so nahe wie sonst vielleicht nur die Invictus Games.

Der Sentebale-Knatsch ist ein weiteres PR-Desaster für die Sussexes, die in Sachen Image ohnehin zu kämpfen haben. Ihre Lifestylemarke „American Riviera Orchard“ musste Meghan nach markenrechtlichen Problemen in „As Ever“ umbenennen. Für die das Projekt flankierende Netflix-Serie „With Love, Meghan“ bekam die Herzogin eher maue Reaktionen – vor allem, weil Meghan darin einen Lifestyle propagiert, für den man viel Zeit und noch mehr Geld haben muss. Die den Sussexes in Hassliebe verbundene „Daily Mail“ lästerte, Meghan bewege sich, der realen Welt entrückt, zwischen Luxusküche und Kräutergarten wie „Marie-Antoinette von Montecito“. Netflix hat trotzdem eine zweite Staffel in Planung. Die Sussex-Show, sie geht weiter.