Am 29. Juli geht es los. Dann werden in Backnang die fünf Gebäude entlang der Eugen-Adolff-Straße 26–28 abgerissen. Dafür wird die Straße fünf Wochen lang halbseitig gesperrt. Investor ist die Backnanger DVA Projektentwicklungs-GmbH von Dirk und Axel Veeser. Was nach dem Abbruch an dieser Stelle neu entstehen soll, ist noch völlig ungeklärt. Für die Stadt hat der Abbruch zwei Vorteile: Ein Schandfleck verschwindet und die Luftschadstoffsituation soll sich verbessern.
Einige Gebäude zwischen der Eugen-Adolff-Straße und den Bahngleisen sind über 100 Jahre alt und ziemlich heruntergekommen. Sie tragen dazu bei, dass die Straße eine Art Schluchtcharakter hat. Die künftige Bebauung soll nach dem Willen der Stadt lockerer ausfallen. Foto: A. Becher
Von Matthias Nothstein
BACKNANG. Die DVA Projektentwicklungs-GmbH hat die Gebäude im September vergangenen Jahres gekauft. Sehr zur Freude der Stadtverwaltung, die große Stücke auf Familie Veeser hält. So schwärmt etwa Baudezernent Stefan Setzer von der „Handschlagqualität“ der Investoren und lobt die gute Zusammenarbeit auch auf anderem Gebiet. Setzer: „Es ist immer einfacher, wenn jemand kommt und investiert, der sich mit der Stadt verbunden fühlt.“ Und weil es sich bei dem Projekt aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen um eine maximale Herausforderung handelt, ist Setzer doppelt froh, dass es sich bei DVA-Geschäftsführer Dirk Veeser um einen Bauherrn handelt, „dem es nicht um den letzten Prozentpunkt einer Rendite geht“, sondern um einen Backnanger, der sich auch in den nächsten Jahren wohlfühlen möchte, wenn er an dem künftigen Neubau vorbeifährt.
Dirk Veeser hat einen persönlichen Bezug zu dem Straßenabschnitt. Nicht nur, dass diese Strecke Teil seines täglichen Schulwegs war und er so viele Jahre an der früheren Schlosserei Schwarz vorbeikam. Und die Fassaden der zum Teil über 100 Jahre alten Gebäude waren nie ein Augenschmaus, vielmehr war der Verfall dieser Straßenpassage ganz offensichtlich. Triftige Gründe für sein Engagement sind für Veeser vor allem aber, dass seine Familie zwei weitere Gebäude in direkter Nachbarschaft ihr Eigen nennt und er nicht möchte, dass es mit dem Niedergang dieses Gebiets weitergeht. Dies wäre zum Beispiel der Fall gewesen, wenn die Immobilien ohne größere Sanierungen weitervermietet worden wären.
Vorbesitzer hatte keinerlei Bezug zu Backnang
Und eben diese Gefahr einer Negativentwicklung stand im Raum, denn der frühere Eigentümer hatte die Gebäude nach der endgültigen Schließung des Handwerkbetriebs 2013 an einen Stuttgarter Investor verhökert, der keinerlei Bezug zu Backnang und als Immobilientycoon auch keinen Überblick über seinen Besitz in vierstelliger Größenordnung hat. Entgegen seines üblichen Geschäftsmodells war es dem Geschäftsmann im Backnanger Fall jedoch nicht möglich, einen Käufer zu finden, der nach wenigen Jahren einen noch höheren Preis bezahlte. Im Gegenteil. Mit der Zeit realisierte der Stuttgarter, dass es sich bei dieser Immobilie um ein ganz schwieriges Objekt handelt, schließlich ist das schmale Grundstück begrenzt von einer Hauptdurchgangsstraße und der Bahnlinie. Zudem drängt die Stadt Backnang, dass sich hier etwas tut. Wegen der Optik und wegen der Schadstoffproblematik.
Da war es laut Stefan Setzer geradezu ein Glücksfall, dass Veesers DVA GmbH das Gelände zurückkaufen konnte. Denn es wäre auch für Setzer ein Problem gewesen, wenn an dieser Stelle über weitere Jahre hinweg nichts passiert wäre. Die Einschätzung des Backnanger Baudezernenten: „Die täglich von 20000 Fahrzeugen genutzte Passage war schon immer wenig prickelnd und trägt wesentlich dazu bei, dass die Straße einen Schluchtcharakter hat.“ Gleichzeitig war es der Stadt nicht möglich, selbst aktiv zu werden. „Wir kaufen nur Liegenschaften, für die wir einen eigenen Verwendungszweck haben.“ Zwei Aspekte sind für Baudezernent Setzer sehr wichtig. Erstens: Von städtebaulicher Seite „verschwindet ein Schandfleck in der Stadt“. Zweitens: Durch die städtebauliche Neuordnung des Gebiets gibt es nun die Möglichkeit, die künftige Bebauung so zu wählen, dass sie nicht mehr als Frischluftsperre zur Eugen-Adolff-Straße fungiert.
Wie die neue Bebauung konkret aussehen soll, dazu kann der Bauherr noch keine Aussage treffen. Veeser: „Wir beginnen jetzt mit der Planung. Die Nutzung ist völlig offen, es gibt noch keine fertigen Pläne.“ Trotzdem will er nun den Abbruch der Gebäude vorziehen. Die Entscheidung dazu wurde dem 42-Jährigen leicht gemacht, da das 24 Ar große Grundstück in einem Sanierungsgebiet liegt und der Abbruch mit bis zu 300000 Euro gefördert wird. So brauchte er die Gebäude nicht bis zum Baubeginn weiterzuvermieten und konnte gleichzeitig der Stadt in der Luftschadstoffproblematik helfen. Ein Erhalt der Substanz war nie ein Thema. Vor allem nicht zuletzt, als aufgrund eines unentdeckten Wasserschadens auch das Wohnhaus unbewohnbar wurde. Die Leitungen in dem leer stehenden Gebäude wurden erst zugedreht, als bereits 2000 Kubikmeter Wasser das gesamte Mauerwerk ruiniert hatten.
In diesem und im nächsten Jahr wird laut Setzer mit dem Neubau – egal welcher Art – mit Sicherheit nicht begonnen. Das sieht auch Veeser so: „Wir haben durch den Abbruch jetzt keinen Druck und möchten in Ruhe planen, damit etwas Gescheites dabei rauskommt. Wir haben aber auch nicht die Absicht, das Areal jetzt fünf bis zehn Jahre liegen zu lassen.“