Pfarrer Andreas Krause wird die Menschen und die Natur in Murrhardt, Sulzbach und Umgebung vermissen, freut sich aber auch auf den Neustart. Foto: J. Fiedler
Von Christine Schick
MURRHARDT/SULZBACH AN DER MURR. Der Neuanfang von Pfarrer Andreas Krause ist auch eine Art Heimkehr. Der 48-jährige katholische Geistliche verabschiedet sich von der Seelsorgeeinheit Oberes Murrtal und geht zur Seelsorgeeinheit Stuttgart-Neckar nach Bad Cannstatt, wo er aufgewachsen ist. In der Liebfrauenkirche, die zu den zu betreuenden Gemeinden gehört, hat er einst als Scholaner im Chor gesungen.
Natürlich hat sich seitdem viel verändert, und so ist Pfarrer Andreas Krause auf seinen Neuanfang gespannt. Dieser war schon länger ein Thema. Als er im Herbst 2002 in der Seelsorgeeinheit sein Amt antrat, hatte er sich als Zeitspanne eine etwa zehnjährige Periode vorgenommen. „Innerlich bin ich von rund zwölf Jahren ausgegangen“, sagt er. Dass er den Wechsel dann zunächst nicht in Angriff nahm, hing mit den Rahmenbedingungen und verschiedenen Verpflichtungen zusammen. Erst einmal stand an anderer Stelle Veränderung an – Pastoralreferent Martin Stierand tauschte seine Stelle gegen die Aufgaben als Klinikseelsorger und Martina Fuchs arbeitete sich ein. Dann bat man Andreas Krause, neben der Begleitung der eigenen Seelsorgeeinheit die Verwaltungsaufgaben der Seelsorgeeinheit Weissacher Tal/Ebersberg für 14 Monate zu übernehmen, was im Fachjargon Administration genannt wird. Im Anschluss war ungefähr ein halbes Jahr Zeit, bis die nächste Anfrage kam – die Personalsituation im Altdekanat Backnang war angespannt –, und so übernahm Pfarrer Krause die Administration für die Gemeinden Oppenweiler, Burgstetten, Kirchberg an der Murr und Affalterbach (Seelsorgeeinheit Oppenweiler/Kirchberg) über fast zwei Jahre bis Ende März 2018. „Es geht da um Leitungsentscheidungen oder beispielsweise bei Konflikten vor Ort zu sein, man muss aber nicht an jeder Kirchengemeinderatssitzung teilnehmen“, umreißt der 48-Jährige das Feld.
Für Krause war einerseits klar, dass er in dieser Situation die Region nicht im Stich lassen wollte, andererseits war die Betreuung des neu hinzugekommenen Gebiets eine Herausforderung – in positivem Sinne. „Ich hab ganz deutlich gemerkt, dass mich das Neue fasziniert hat. Das war für mich auch ein Zeichen dafür, dass ein Stellenwechsel mittlerweile wirklich ansteht“, sagt er. Insofern suchte er zum Ende der Administration das Gespräch mit den Verantwortlichen der Diözese Stuttgart-Rottenburg. Von den fünf Optionen machte die Seelsorgeeinheit Stuttgart-Neckar das Rennen, zu der die Kirchengemeinden St. Martin, Liebfrauen und St. Peter sowie die katholische italienische Gemeinde San Martino in Bad Cannstatt gehören.
Alles in allem wird der 48-Jährige für 14000 Gemeindemitglieder (hier sind es rund 4000) zuständig sein. Auch dort haben sich die Gebiete vergrößert, aus zwei Seelsorgeeinheiten wurde eine. Zu den neuen Themen, die Andreas Krause erwarten, gehören die Veränderung durch den Abriss des Kirchenbaus St. Peter und die Neugestaltung des Gemeindezentrums, der Brückenschlag über den Neckar zu St. Martin genauso wie Zukunftsfragen. „Am Neckarpark entsteht ein neues Viertel, und es stellt sich die Frage, wie Kirche dort präsent sein kann.“ Gleichzeitig möchte er an ein Thema anknüpfen, das für ihn auch in der Seelsorgeeinheit Oberes Murrtal mit Murrhardt, Sulzbach an der Murr, Spiegelberg und Großerlach eine wichtige Rolle gespielt hat: die Arbeit mit der Partnergemeinde in Ecuador. „Ich finde es wertvoll, zu einer Gemeinde am anderen Ende der Welt eine Verbindung zu haben.“ Krause war selbst als Missionar ein Jahr in Ecuador tätig. Wie sieht seine Bilanz zu den knapp 17 Jahren im Oberen Murrtal aus? Wichtig war ihm die Ökumene, die mit dem Engagement im Arbeitskreis christlicher Kirchen eine gewisse Blütezeit erfahren hat, sagt er. Nicht selbstverständlich findet Krause auch, dass zur Seelsorgeeinheit zwei Bands gehören – eine deutsch-polnische Formation, die Iwona Kolodziejczyk aufgebaut hat, und Herzschlag. Genauso haben der Kirchenchor und das Engagement des Caritaskreises mit Besuchsdiensten und der Missiogruppe (Unterstützung von internationalen Hilfsprojekten) für den katholischen Pfarrer zu einem guten Gemeindeleben beigetragen. Nicht missen möchte er die ökumenischen Taizé-Treffen, bei denen er mit seinem Start regelmäßig dabei war. Zudem gab es viele Einzelprojekte wie die Ausstattung von Gebäuden der Gemeinde mit Solaranlagen, Kindergartensanierung oder Einrichtung eines Kreuzwegs (beide Sulzbach). Andreas Krause macht auch klar, dass es Höhen und Tiefen gab, er in der Seelsorgeeinheit viel Berufserfahrung gesammelt hat. „Wir als katholische Geistliche sind durch ein eheloses Leben schon sehr auf uns gestellt“, sagt er. Insofern hat er sich mit anderen Priestern in einer Weggemeinschaftsgruppe zusammengeschlossen, die sich regelmäßig trifft, um sich beruflich auszutauschen, zu entlasten und gemeinsam zu reflektieren. Weiterhin engagieren wird er sich in der Reformgruppe der Diözese Stuttgart-Rottenburg. Was wird er vermissen? Die Menschen, die Natur und den Kartoffelsalat, sagt er mit einem Lächeln, hat aber vom Murrhardter Hof, eine Gaststätte in Stuttgart, gehört, in der er möglicherweise eine neue Anlaufstelle für die schwäbische Spezialität findet.
Die Seelsorgeeinheit Oberes Murrtal verabschiedet Pfarrer Andreas Krause am Sonntag, 7. Juli. Nach einer Eucharistiefeier in der katholischen Kirche St. Maria in Murrhardt, die er ein letztes Mal gestaltet, sind die Gäste zu einem Ständerling mit Grußworten und Beiträgen im Gemeindezentrum, Blumstraße 30, in Murrhardt eingeladen. Dort besteht auch Gelegenheit, sich persönlich zu verabschieden.
Nachfolger von Pfarrer Andreas Krause wird Pater Jose Antony (44), der zuvor Pfarrvikar in Bopfingen im Dekanat Ostalb war. Er tritt seine Stelle als Pfarrer voraussichtlich im Oktober an.