Freizeiten der Lebenshilfe im Wilhelm-Traub-Haus in Backnang sind heiß begehrt und kommen gut an. Damit auch die Gemütlichkeit gewährleistet werden kann, muss immer wieder in das Gebäude investiert werden. Dafür erhält die Lebenshilfe einen Zuschuss.Foto: privat
Von Matthias Nothstein
Backnang. Die Spendenbereitschaft der BKZ-Leser hat schon vor einem Jahr großen Eindruck hinterlassen. Denn manch ein Skeptiker hatte erwartet, dass viele nach einem Jahr der Pandemie weniger Solidarität mit ihren Mitmenschen beweisen und zuerst einmal auf sich selbst achten. Doch weit gefehlt, am Ende konnten 152000 Euro an insgesamt 19 Organisationen und Hilfsvereine weitergeleitet werden. Dann aber folgt der Einbruch im zweiten Pandemiejahr, unkten die Skeptiker. Und wieder lagen sie falsch. In der zurückliegenden Spendenaktion haben die Leser der Backnanger Kreiszeitung erneut knapp 150000 Euro auf eines der beiden Spendenkonten einbezahlt und damit bewiesen, dass ganz speziell in Krisenzeiten der Zusammenhalt der Gesellschaft so wichtig ist wie sonst nie. Chapeau für diese Reaktion.
Der Erlös der Spendenaktion wird nun für folgende Projekte oder Hilfen zur Verfügung gestellt:
Stationäres Hospiz: Mit 20000 Euro werden die Bemühungen der Hospizstiftung Rems-Murr unterstützt, den Gästen ihre letzten Tage ihres irdischen Lebens angenehmer zu gestalten. Die zwölf Gästezimmer des Hospizes sind alle nach Süden ausgerichtet und verfügen entweder über eine Terrasse oder einen französischen Balkon. Das sorgt für viel Licht und einen schönen Ausblick, was gerade auch für alle bettlägerigen Gäste wichtig ist. So schön dies auch ist, es hat einen gewaltigen Nachteil: In der warmen Jahreszeit steigen die Temperaturen in den Zimmern stark. Die Bauherren haben beim Hausbau bereits Zuleitungen für Klimaanlagen legen lassen, den Einbau aber nicht finanzieren können. Das wird nun nachgeholt. Und der Zuschuss der Aktion BKZ-Leser helfen hilft dabei. Hospizchef Heinz Franke sagt zu, dass der Einbau der Anlagen in den Zimmern jetzt angegangen wird. Denn er hat erkannt, dass die Hitze in den Zimmern selbst im vergangenen Sommer, der verregnet war, für die Gäste körperlich sehr belastend werden kann.
Lebenshilfe Rems-Murr, Backnang: Ebenfalls 20000 Euro gehen an die Adresse der Lebenshilfe Kreisvereinigung Rems-Murr. Die Lebenshilfe benötigt das Geld für die Sanierung des Wilhelm-Traub-Hauses im Backnanger Plattenwald. Dort werden für die Menschen mit geistiger Behinderung viele Freizeiten angeboten, mit denen die Angehörigen entlastet werden. Doch damit alle Spaß an den Freizeiten haben, müssen auch die Räumlichkeiten stimmen. Die sind immer mehr in die Jahre gekommen. Zwar wurden bereits einige Bereiche saniert, aber längst nicht alle. Zudem möchte Geschäftsführerin Ursula Urbanski für schwerer behinderte Menschen ein spezielles Pflegebett anschaffen.
DRK-Ortsverein Backnang: Der Ortsverein Backnang des Deutschen Roten Kreuzes benötigt dringend ein neues Fahrzeug für die Beförderung von Personen bei Einsätzen und anderen Anlässen. Aufgrund des großen Spendenaufkommens kann der Zuschuss von 12000 Euro, der für den Kauf benötigt wird, jetzt überwiesen werden. Das derzeitige Fahrzeug ist laut DRK-Vorsitzendem Klaus-Dieter Fackler bereits zwölf Jahre alt und fährt mit einem Dieselkatalysator Euro 4. Deshalb können zum Beispiel Fahrten nach oder durch Stuttgart nicht mehr unternommen werden. Darüber hinaus liegen gravierende technische Mängel vor. So lässt sich der hintere Bereich des Fahrgastraums nicht mehr belüften, da ein Steuergerät defekt ist und das Auto in der zweiten und dritten Reihe keine Fenster hat.
Zukunftswerkstatt Rückenwind, Backnang: Ebenfalls mit 12000 Euro werden die Aktivitäten des Vereins Zukunftswerkstatt Rückenwind unterstützt. Seit der Verein sein neues Domizil in der Backnanger Schillerstraße 9 bezogen hat, stehen ihm viel mehr Möglichkeiten für die Unterstützung von Familien in Notlagen zur Verfügung. In der Begegnungsstätte ist immer etwas los. Die Coronapandemie hat bei den betreuten Kindern einige Spuren hinterlassen, die Probleme zu Hause sind bei vielen noch größer geworden. In den Vereinsräumen suchen die Kinder Hilfe und erleben unbeschwerte Momente. Das Besondere an dem Programm ist, dass nicht nur gemeinsam gekocht, gebacken und gebastelt wird, sondern dass den Kindern sozialpädagogische Ansprechpartner zu Verfügung stehen. Sie nehmen sich Zeit für die einzelnen Kinder und arbeiten mit der ganzen Familie.
DRK-Ortsverein Sulzbach: Der Ortsverein Sulzbach an der Murr des Deutschen Roten Kreuzes ist ein weiterer Empfänger der Leserspenden. Mit 9000 Euro wird die neu aufgestellte Drohnengruppe gefördert. Diese soll die Rettungshundestaffel bei der Suche nach vermissten Personen unterstützen. Mithilfe der neuen Drohne können Vermisste mittels Wärmebildkamera schneller gefunden werden, besonders wenn sich die Suche auf große und unzugängliche Flächen ausdehnt. Im Kreis gibt es noch keine DRK-Hilfsorganisation mit einer vergleichbaren Drohnengruppe.
Clowns mit Herz: Mit 1500 Euro werden die Aktivitäten des Vereins unterstützt. Die Clowns mit Herz besuchen die Patienten in den Kliniken und Altenheimen und zaubern ein Lächeln ins Gesicht der Menschen. Denn Herzlichkeit und Humor sind Balsam fürs Gemüt.
Katholische Kirchengemeinde Backnang: Die Vesperkirche von St. Johannes darf sich über 1500 Euro Zuschuss freuen. Dieser Tage blickt sie auf ihr 15-jähriges Bestehen zurück. Mit dem Geld soll gewährleistet werden, dass die Vesperkirche weiterhin ein preiswertes Mittagessen und die Sozialberatung anbieten kann.
Fördertöpfe: Traditionell erhalten mehrere Institutionen einen Fördertopf, mittels dem sie Menschen in Not unbürokratisch helfen können. Und zwar immer in solchen Fällen, in denen vom Gesetzgeber keine Hilfe vorgesehen ist. In diesem Jahr gibt es neun solcher Fördertöpfe. Zum Zug kommen die vier Diakoniestationen Backnang, Aspach, Weissach im Tal und Murrhardt. Deren Mitarbeiter kennen die Nöte der Menschen in Backnang und im Umland besonders gut. Sie kommen in die Häuser und Familien und lernen die Menschen kennen. Ebenso pflegen das Kreisjugendamt, das städtische Amt für Familie und Jugend, der Verein Kinder- und Jugendhilfe Backnang, der Kreisdiakonieverband und die Erlacher Höhe enge Kontakte zu all jenen Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.
Flüchtlingsinitiativen: Die drei Asyl-Arbeitskreise in Backnang, Weissach im Tal und Auenwald sowie die Flüchtlingsinitiative Pyramidea erhalten ebenfalls jeweils 1000 Euro. Zwar ist der Höhepunkt der Flüchtlingsbewegung aus den Jahren 2015/2016 schon etwas her, aber die daraus resultierenden Probleme sind noch nicht Geschichte. Zudem gibt es aktuell neue Fluchtbewegungen, Stichwort Afghanistan, weshalb den Arbeitskreisen ringsum die Arbeit nicht ausgeht. Dort kümmern sich viele Ehrenamtliche immer noch mit viel Herzblut um diese Menschen und versuchen, die Probleme zu lösen. Die Ehrenamtlichen bringen zwar in erster Linie Arbeitskraft und Zeit ein, aber so ganz ohne Geld geht es auch dann nicht. Um ihnen Fahrtkosten und andere Unkosten ersetzen zu können, ist eine kleine Förderung sinnvoll.