„Es muss endlich was passieren“

Veranstaltungsinitiative zur Unterstützung der Schülerbewegung „Fridays for Future“ gegründet

In Backnang hat sich eine Initiative gegründet, deren Ziel es ist, die Schülerprotestbewegung „Fridays for Future“ zu unterstützen. Sie will zeigen, dass die jungen Menschen nicht allein stehen und auch in der breiten Gesellschaft Rückhalt finden.

„Es muss endlich was passieren“

Armin Holp, Dieter Schäfer, Hanne Barth und Marco Schlich (von links) sind sich einig: Die Schülerprotestbewegung „Fridays for Future“ muss unterstützt werden. Deshalb haben sie eine Veranstaltungsinitiative gegründet, die sich „Klimaschutz – Unser Thema Nummer eins“ nennt. Foto: J. Fiedler

Von Silke Latzel

BACKNANG. Die Schülerbewegung „Fridays for Future“ wächst immer weiter. Unterstützt werden sie längst auch von Erwachsenen wie beispielsweise der Gruppe „Parents for Future“. Zudem stellen sich Tausende Wissenschaftler hinter die Schülerproteste und sagen: Die Anliegen der Schüler sind berechtigt und gut begründet – die derzeitigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen bei Weitem nicht aus.

„Wir stehen hinter euch, wir lassen euch nicht allein“

Nun hat sich auch in Backnang eine Veranstaltungsinitiative zur Unterstützung der Schülerbewegung geformt, die den jungen Menschen zeigen will: „Wir stehen hinter euch, wir lassen euch nicht allein und geben euch Rückhalt. Denn mit eurer Kritik und euren Forderungen habt ihr recht.“ Die Initiative nennt sich „Klimaschutz – Unser Thema Nummer eins“ und hat bereits viele Mitstreiter (siehe Infokasten).

Obwohl sie sich momentan noch in den Kinderschuhen und sozusagen in der Gründungsphase befindet, sind ihre Ziele schon ziemlich konkret formuliert. „Wir wollen uns mit möglichst vielen Vereinen, Verbänden und auch Privatpersonen vernetzen, die sich für den Umweltschutz engagieren und dafür einsetzen. Dabei soll ein Netzwerk entstehen, in dem Wissen weitergegeben wird“, sagt Marco Schlich, der der Initiative als Privatperson und nicht als Politiker beigetreten ist, wie er betont. „Wir wollen von Parteien unabhängig bleiben.“ Den angestrebten Wissenstransfer erklärt er an einem Beispiel: „Ein Gartenbauverein möchte ein neues Vereinsheim bauen und überlegt, ob man in Zukunft Solarenergie nutzen kann. Da könnte dann der Solarverein weiterhelfen.“ So müsste sich nicht jeder zu allen Themen rund um den Klimaschutz weiterbilden, sondern könne vom Wissen und der Erfahrung der anderen Mitglieder der Initiative Gebrauch machen.

Das zweite Ziel sei es, ein Zeichen in der Öffentlichkeit zu setzen, das sich in erster Linie an die Politik richten soll. „Wenn wir ,Fridays for Future‘ unterstützen, dann sehen die Politiker endlich, dass das Thema die ganze Gesellschaft bewegt“, so Schlich, und sein Mitstreiter Dieter Schäfer von der Energie-Genossenschaft Murrhardt ergänzt: „Eine lange Unterstützerliste ist auf jeden Fall auch eine gute Basis und ein Argument dafür, dass endlich etwas passieren muss.“ Auch Hanne Barth, Vorstandsvorsitzende des Solarvereins Rems-Murr, engagiert sich ebenfalls bei der Initiative. Sie sagt: „Man muss einfach aus allen Himmelsrichtungen Druck machen. Klimaschutz ist eine riesige Aufgabe und sie geht uns alle etwas an. Wir werden uns vor nichts drücken.“

Apropos Politik: Armin Holp vom ADFC, der der Klima-Initiative ebenfalls als Privatperson beigetreten ist, spricht in diesem Zusammenhang von einem „Armutszeugnis, dass man in Backnang nicht auf die Schüler der ,Fridays for Future‘-Bewegung zugegangen ist. Sie haben ja auch hier protestiert. Und sie tun es weiter, jetzt eben hauptsächlich in Stuttgart.“ Außerdem wolle man die Kommunalpolitiker mit ihren Versprechen in Sachen Klima- und Umweltschutz konfrontieren, „die sie vor vielen Jahre gegeben haben und die bislang nicht umgesetzt wurden“, so Holp. „Über solche Themen darf man nicht nur vor den Wahlen sprechen“, stimmt Schlich ihm zu.

Die Klima-Initiative möchte sich auch gerne mit der Backnanger „Fridays for Future“-Bewegung in Verbindung setzen. „Ob und in welcher Form wir allerdings etwas zusammen machen werden, ist noch nicht klar. Vielleicht können wir sie bei einer Demonstration unterstützen, vielleicht machen wir auch etwas eigenes. Auf keinen Fall wollen wir ihnen das Gefühl geben, ihre Sache einfach nur ,zu übernehmen‘“, macht Holp klar.

Als drittes Ziel nennt die Initiative die Information der Bevölkerung. „Da werden auch kleine Veranstaltungen eine Rolle spielen, die sich jetzt aber erst in einer groben Planung befinden“, sagt Schäfer. „Es soll ein bunter Blumenstrauß an Aktionen werden, eventuell auch Podiumsdiskussionen und Ähnliches“, erklärt Holp. „Jeder mit dem, was er leisten kann, und auf seinem Gebiet, aber alles unter dem Schwerpunkt Klimaschutz. Denn genau darum geht es uns allen ja, wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen“, so Schlich.

Schlich, Holp, Schäfer und Barth fühlen sich alle von der Schülerbewegung angesprochen: „Wir sind nun einmal die ältere Generation. Und wir müssen zeigen, dass wir die jungen Menschen, ihre Sorgen, Ängste und vor allem auch ihre Anliegen ernst nehmen“, sagt Schlich und die anderen stimmen ihm zu.

Info
Wer macht bislang mit?

Die Initiatoren und Unterstützer der Initiative sind bislang: Energie-Genossenschaft Murrhardt eG, Aktion Jugendzentrum Backnang, Weissach Klimaschutz konkret, ADFC Backnang und Backnanger Bucht, Friedensinitiative – Politischer Arbeitskreis im CJE und Kreisjugendring Rems-Murr, Solarverein Rems-Murr, Gemeinwohl-Ökonomie Stuttgart, BUND Backnanger Bucht, Backnang zeigt Herz, Nabu Backnang sowie die katholischen Kirchengemeinden Sankt Maria in Murrhardt und Sankt Paulus in Sulzbach an der Murr, Parents for Future Rems-Murr und Begegnungsbahnhof Murrhardt.

Bei Fragen können sich interessierte Vereine, Verbände oder Privatpersonen per E-Mail an folgende Adressen wenden: smuezi@gmx.de, armin.holp@email.de und dieter.schaefer@gedea.de.