Eigentlich sollte der Eiffelturm nach seiner Einweihung am 31. März 1889 wieder abgerissen werden. Heute ist die über 300 Meter hohe Konstruktion nicht mehr aus dem Pariser Stadtbild wegzudenken.
Als der Eiffelturm eröffnet wurde, war er mit einer Gesamthöhe von damals 312 Metern das höchste Bauwerk der Welt und löste damit das 169,3 Meter hohe Washington Monument, einen Obelisken aus weißem Marmor in den USA, als Rekordhalter ab.
Von Markus Brauer/dpa
1889: In Paris wird anlässlich der Weltausstellung der von Gustave Eiffel erbaute und nach ihm benannte Eiffelturm eingeweiht. Der zu diesem Zeitpunkt höchste Stahlfachwerkturm, der von der Pariser Bevölkerung als „Schandfleck“ wahrgenommen wird, soll ursprünglich nur 20 Jahre stehen bleiben.
Was wäre Paris ohne den Eiffelturm?
Der Eiffelturm gehört zu Paris wie die Akropolis zu Athen und das Kolosseum zu Rom. Zig Millionen Touristen aus aller Welt pilgern jährlich auf die „dame de fer“, die Dame aus Eisen hinauf, wie die Franzosen den Turm nennen.
Der Schriftsteller Guy de Maupassant konnte sich das nur allzu gut vorstellen. In seinem Reisejournal („La vie errante“) schreibt er 1890: „Ich habe Paris und sogar Frankreich verlassen, weil der Eiffelturm mich schließlich zu sehr ärgerte. Nicht genug, dass man ihn von überall sieht, nein, er ist überall und in jedem erdenklichen Material erhältlich, in jedem Schaufenster ausgestellt, ein unentrinnbares, quälendes Albdrücken.“
Was Maupassant und andere Künstler und Intellektuelle wohl zur inzwischen 136-jährigen Geschichte des Eiffelturms sagen würden? Für sie war die sensationelle Konstruktion, die anlässlich der Weltausstellung von 1889 erbaut wurde, nur ein Schandfleck. In einem offenen Brief protestierten etwa 300 Intellektuelle damals gegen den „nutzlosen und monströsen“ Turm von Gustave Eiffel (1832-1923) im Herzen der französischen Hauptstadt.
Telekommunikation rettete Eiffelturm vor Abriss
Ohne den Durchbruch der Telekommunikation wäre der Eiffelturm womöglich abgerissen worden, so wie es nach Ablauf der 20-jährigen Konzession an die Stadt Paris geplant war. Mit der drahtlosen Telegrafie entdeckte man den militärischen Nutzen des Eisen-Turms.
Zwischen 1898 und 1903 wurden zwischen dem Eiffelturm und einigen Militäranlagen in Paris mehrere Funkverbindungen geschaffen und 1906 ein Radiosender eingerichtet. Mit der gestiegenen strategischen Bedeutung war der Fortbestand des Eiffelturms gesichert.
Meisterleistung der Ingenieurskunst
Über 300 Meter hoch, etwa 1700 Stufen, 18.000 Bauteile, 2,5 Millionen Nieten und 10.000 Tonnen Gesamtgewicht: Der Turm ist eine Meisterleistung, die in nur zwei Jahren errichtet wurde. In regelmäßigen Abständen wird er mit rund 60 Tonnen Farbe einem Lifting unterzogen. Seit dem Jahr 2000 verwandeln ihn abends zu jeder vollen Stunde 20.000 Leuchten in einen glitzernden Riesen.
Zu den Besuchern gehörten auch König Eduard VII., der russische Zar Nikolaus II., die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt, Mahatma Gandhi, der Starfotograf Peter Lindbergh, der das Model Mathilde zwischen den Stahlbögen posieren ließ.
Der Eiffelturm unterm Hakenkreuz
Nicht alle Geschichten handeln von langersehnten Wünschen und erstaunlicher Ingenieurkunst. Während der Besetzung von Paris 1940 erhielten deutsche Soldaten den Auftrag, an der Spitze des Turms die Hakenkreuzflagge zu hissen. Da sie zu groß war, wurde sie nach wenigen Stunden weggeweht und später durch eine kleinere ersetzt.
Hitler selbst ist nie auf den Eiffelturm gestiegen, der auf der Liste der Bauwerke stand, die er im besetzten Paris zerstören lassen wollte. Mehrfacher Bombenalarm sorgte in den vergangenen Jahren für ungebetene Aufregung und Evakuierungsaktionen.
Einen Adrenalinschock löste auch der Seiltänzer Philippe Petit aus, als er zum 200. Jahrestag der Verkündung der Menschenrechte im Jahr 1989 vom Palais de Chaillot am gegenüberliegenden Flussufer über die Seine zum Eiffelturm balancierte.