Anderthalb Jahre hat der Verein Schatzkiste auf dieses Rennen hingearbeitet und dabei fast alles bedacht. Nur das Wetter, das konnten die Ehrenamtlichen nicht beeinflussen. Bis Samstagabend hatten Veranstalter und Fahrer Glück. Danach hörte es nicht mehr auf zu regnen. Doch die Kinderklassen und die Profifahrer ließen sich davon nicht beirren.
Mit bis zu 100 Kilometern pro Stunde ging es die Hagsteige hinab. Diese beiden Fahrer waren in der Jugendklasse unterwegs. Fotos: B. Büttner
Von Mathias Ellwanger
URBACH. Es ist ziemlich nass und matschig, und nicht wenige am Rand der Strecke sind bereits völlig durchnässt, als Sonntagmittag die Drei- bis Sechsjährigen an den Start gehen. Anders als in der Jugend- und Amateurklasse oder bei den Jedermännern am Vortag geht es für die Kinder auf ihren Original-Bobbycars nur 100 Meter – und nicht den ganzen Berg an der Hagsteige – hinunter.
Mit Helmen, Schulterschonern und Regenklamotten warten sie an der Startrampe auf die Streckenfreigabe. Von dort geht es dann rasant in eine leichte Linkskurve. Mitunter kommen sich die jungen Rennfahrer dabei in die Quere. Doch in Plastik eingepackte Strohballen und dahinter platzierte Autoreifen sorgen dafür, dass ein möglicher Aufprall sanft abgefedert wird.
Eltern stehen am Streckenrand und feuern ihre Kinder an
Am Rand der Strecke stehen die Teams der jungen Rennfahrer: Eltern, Geschwister, Großeltern, von denen viele längst aufgehört haben, gegen den Regen zu kämpfen. Klitschnass und voller Eifer feuern sie ihre kleinen Rennfahrer an. Viele zeigen ihre Zugehörigkeit über die T-Shirts, auf denen dann Team Julian oder Team Cem steht. Den einen oder anderen packt dabei – vielleicht wegen des Wetters – auch der Übereifer. Eine Mutter beschwert sich beispielsweise empört, dass ihr Kind mehrfach beim Rennen geschnitten und ihm damit der Sieg verwehrt worden sei.
Den allermeisten aber geht es um den Spaß. Und den haben die Nachwuchsfahrer allemal. Auch wenn es ihnen nicht viel anders geht als den Erwachsenen und das Wasser sich unweigerlich seinen Weg durch die Klamotten bahnt. Cem etwa, ein Fünfjähriger aus Plüderhausen, ist von oben bis unten nass. Er hat gerade Platz fünf in seiner Altersklasse erreicht und strahlt. Jetzt will er nur noch ein Eis, das er dann auch bekommt. Cems Eltern warten derweil an der Ziellinie auf Tochter Ceylin, die in der nächsthöheren Altersklasse, den Sechs- bis Neunjährigen, antritt. Für diese wurde die Rennstrecke auf 125 Meter verlängert. Unten im Ziel kommen sie also noch einen Tick schneller an. Als seine Tochter zuerst unten ankommt, schreit ihr Vater: „Super!“
Eher getrübt ist hingegen die Stimmung beim Verein Schatzkiste. Anderthalb Jahre haben sie auf diese Veranstaltung hingearbeitet, drei Tage aufgebaut, rund 800 Strohballen dafür gepresst und verpackt. Insgesamt mehr als 100 Ehrenamtliche sind an diesem Wochenende im Einsatz und dann das! Sei es am Samstag noch gut gelaufen, wenn auch aufgrund der Wetterprognosen mit etwas weniger Anmeldungen als erwartet, habe am Samstagabend das Gewitter den Parkplatz am Freibad leer gefegt. Crosstrail, die am Abend noch für musikalische Unterhaltung sorgen wollten, hätten eine Runde gespielt. Doch um neun Uhr abends habe man abbrechen müssen.
Mit dem Wertungslauf soll Geld für eine Familie gesammelt werden
Der das berichtet, war am Samstag aber gar nicht mehr dabei, sondern im Krankenhaus. Benjamin Meitinger, Vorsitzender des Vereins Schatzkiste, fuhr nachmittags bei der Amateurklasse mit und geriet in einer Kurve ins Schlingern, streifte einen Strohballen und überschlug sich mit seinem umgebauten Bobbycar. Zwei weitere Stürze gab es samstags, wie Hans-Peter Reu, der als Notarzt im Einsatz ist, berichtet.
Am Sonntag ist sein linker Arm an die Brust geheftet: Schulterbruch. Doch mehr als das schmerzt ihn, dass der Sonntag (im Gegensatz zum Samstag, wo mehr als 1000 Schaulustige in Urbach waren) kaum Publikum anzieht. Viel mehr als die Angehörigen der Fahrer und die Ehrenamtlichen sind es dann auch nicht, die sich an der Strecke und auf dem Freibadparkplatz zusammenfinden. Was Meitinger allerdings am allermeisten schmerzt, ist, dass der Verein im Ort Gegenwind bekommen hat, weil das Freibad für die Veranstaltung gesperrt ist. Schließlich werden hier nicht nur die deutschen Meisterschaften ausgetragen. Das Rennen hat auch einen gemeinnützigen Zweck. Es soll Geld gesammelt werden für eine Familie in Fellbach, die ein behindertengerechtes Auto benötigt.
Dorthin soll der Gewinn fließen und dafür gibt es auch Mini-Bobbycars am Infostand zu kaufen – etwa 40 davon waren bis Sonntagmittag weg. Sarah Landwehr von der Schatzkiste erklärt, dass jedes Kind dort auch einen Button mit Timmy, dem Maskottchen des Vereins, bekommt und diesen selbst bemalen darf. Auch einen Bobbycar-Parcours hat die Schatzkiste für die kleinen Besucher aufgebaut, der bei Regen aber eher verwaist ist. Ein Junge immerhin nutzt erfreut die großen Pfützen, um sich mit dem Bobbycar vollends nass zu machen. Die Rennfahrer lassen sich aber nicht von dem Hundewetter abschrecken. Und auch die Profis wollen die regennasse Hagsteige noch hinunterfahren. Mit bis zu 100 Stundenkilometern geht es dort hinab. Auch dabei: Matthias Meitinger, der für den eigens gegründeten Verein Schatzkiste BFC Racing antritt. Das Rennen gilt schließlich auch als Wertungslauf für die WM. Und da liegt der Verein im Moment auf Rang zwei.
Nach unten fuhren sie auf Bobbycars, den Weg nach oben bestritt mancher Fahrer auf der Ladefläche eines Streckenfahrzeugs.
Deutscher Meister ist Dominik Rivola, der auch amtierender Weltmeister ist, aus Augsburg stammt und für die Schmittenflitzer antritt.
Deutscher Teammeister ist die Schatzkiste BFC Racing aus Urbach mit zwei Punkten Vorsprung vor der BSE Malmsheim.