Welcher Anbieter kommt in Kirchberg zum Zug? Symbolfoto: Fotocitizen/Pixabay
Von Ingrid Knack
Kirchberg an der Murr. „Breitbandausbau in Kirchberg – Errichtung eines Glasfasernetzes“ war das Thema bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Kirchberg an der Murr. Die Firmen Wisotel (Wireless Solution Telecommunications) mit Stammsitz in Schwäbisch Gmünd, Deutsche Glasfaser und GVG Glasfaser bewerben sich um den Ausbau. Die Ausbauplanung von Wisotel stellte Tonino Lo Chiatto, Vorsitzender der Geschäftsführung der Strategic Fiber Networks GmbH, zu der Wisotel gehört, vor.
Michael Murer, Technischer Leiter des Zweckverbands Breitbandausbau Rems-Murr, übernahm – wie schon in der Gemeinde Burgstetten in Abwesenheit eines Vertreters des Unternehmens – die Präsentation der Deutschen Glasfaser. Die GVG Glasfaser hatte sich den Bürgervertretern bereits im September in nicht öffentlicher Sitzung vorgestellt. Die Konzepte der Firmen Wisotel und Deutsche Glasfaser waren nun in öffentlicher Sitzung Gegenstand der Beratung.
Glasfasernetz bis Anfang 2030er
Wie Bürgermeister Frank Hornek ausführte, steht die Gemeinde Kirchberg offensichtlich auf der Liste der Telekom in Sachen Glasfaserausbau nicht ganz oben. Der Hintergrund: 2019 hatten die Gigabit Region Stuttgart GmbH und die Telekom Deutschland GmbH die Kooperationsrahmenvereinbarung „Gigabit-Region Stuttgart“ getroffen. Auch Kirchberg schloss sich dieser Vereinbarung an. Ziel ist dabei, dass die Telekom in der Region Stuttgart und somit auch in Kirchberg bis spätestens Anfang der 2030er-Jahre ein Glasfasernetz verlegt. Deutlich über 90 Prozent der Gebäude sollten angeschlossen werden. Bei der Realisierung fiele allerdings ein erheblicher kommunaler Beitrag an. Dass das Interesse der Telekom an Kirchberg nicht allzu groß sei, „könnte auf die Größe der Gemeinde, aber auch auf die starke Verbreitung von Vodafone (ehemals Unitymedia) zurückzuführen sein. Daher ist zu erwarten, dass die Gemeinde Kirchberg in den Ausbauplanungen der Telekom frühestens am Ende des Gesamtzeitraums eine Rolle spielen könnte“, heißt es in der Sitzungsvorlage. „Verschiedene andere Anbieter haben auch Interesse, Glasfaser zu verlegen“, sagte Hornek. Und zwar eigenwirtschaftlich. Das heißt: Die Kommune müsste sich finanziell nicht an dem Vorhaben beteiligen. „Mit wem wir in der Gemeinde in Kooperation gehen“, diese Entscheidung stehe nun an, so der Bürgermeister.
Das Weiße-Flecken-Programm läuft parallel zu den Plänen im Hauptort
Was man zu dem Thema auch wissen muss: Zusätzlich läuft derzeit das Ausschreibungsverfahren für das Weiße-Flecken-Programm, in Kirchberg betrifft dies unter anderem die Ortsteile Zwingelhausen und Frühmeßhof. Ziel sollte sein, bis Ende des Jahres 2022 der Firma, die die „weißen Flecken“ beseitigt, einen Zuschlag zu erteilen und im Übrigen für die Gesamtgemeinde „eine Kooperation mit einem Interessenten einzugehen, sodass dann diese Bereiche in den Jahren 2023/2024 baulich und angebotstechnisch realisiert werden könnten“, wird in der Sitzungsvorlage ausgeführt.
Tonino Lo Chiatto versicherte, „da bewerben wir uns auch“, die Abgabefrist ende in einigen Wochen. In diesem Zusammenhang fragte Carola Maier (Gesundes Gemeinwesen Kirchberg) unter anderem, ob es nicht sinnvoll wäre, mit der Entscheidung für die Vergabe der Glasfaserverlegung im Hauptort darauf zu warten, wer den Zuschlag beim Weiße-Flecken-Programm bekomme. „Wenn Sie wollen, dass das Netz in einer Hand ist“, antwortete Murer. Ansonsten sei es kein Problem, hier zwei Anbieter zu haben.
Tonino Lo Chiatto ging zunächst auf die Aktivitäten von Wisotel im Rems-Murr-Kreis ein, so zum Beispiel in weiten Teilen Aspachs. Und in Burgstetten läuft das Bewerbungsverfahren.
„Sie erlauben uns, das Haus anzubohren und Kabel in den Keller zu legen“
Einen kostenlosen Hausanschluss (lediglich die Kosten für die Verlegung eines Datenkabels innerhalb des Gebäudes sind vom Mieter oder Eigentümer zu tragen) erhält man, wenn die Nutzungsvereinbarung und der Internetvertrag abschlossen werden, „bevor die Bagger an entsprechender Adresse vorbeigerollt sind, beziehungsweise dort die Asphaltdecke wieder verschlossen wird“, wie es auf der Homepage des Unternehmens heißt. Entscheidet man sich erst später für Wisotel-Leistungen, fallen für den Anschluss Kosten an. Zur Nutzungsvereinbarung präzisierte Lo Chiatto: „Sie erlauben uns, das Haus anzubohren und Kabel in den Keller zu legen.“ Als Nächstes folgt die Hausbegehung mit dem Bauunternehmen, um Ort und Ausführung des Hausanschlusses festzulegen. Die weiteren Schritte sind: Baustellenkennzeichnung und Absperrungen, Trassenbau, Hauszugänge legen, wo sie beauftragt wurden, Glasfaser einziehen beziehungsweise einblasen, es folgen die Installation der „aktiven Technik“ und Aktivierung beim Kunden. Nach etwa zwölf Monaten will die Firma das Thema Nachverdichtung angehen.
„Wir gehen nur in Gebiete rein, wo wir 35 Prozent kriegen“
„Wie verbindlich erklären Sie, dass die Übernahme von Telefonnummern klappt?“, fragte Gudrun Wilhelm (Freie Liste Kirchberg). Lo Chiatto erklärte, dass dies in der Regel bisher immer geklappt habe. Sollte es doch einmal anders sein, gebe es einen Plan B: „Wenn es nicht gleich klappen sollte, bekommen Sie eine temporäre Rufnummer und dann kommt die eigene nach.“
„Wie viel Prozent an Verträgen brauchen Sie, bis Sie anfangen?“, wollte Gerd Bärlin (BUK) wissen. Daraufhin Lo Chiatto: „Wir haben uns entschlossen, keine Vorvermarktungsquote einzuführen. Wir können über Hochrechnungen sehr genau voraussagen, wie die Quote sein kann. Wir gehen nur in Gebiete rein, wo wir 35 Prozent kriegen.“
Auf die Frage von Gudrun Wilhelm nach der Bauzeit, „bis Sie den Ort erschlossen haben“, antwortete Lo Chiatto: Zwölf bis 18 Monate müssten schon eingeplant werden. Reinhard Enge (BUK) sprach die Laufzeit der Verträge an. „Die Verträge, die wir schließen, haben 24 Monate Laufzeit. Wir müssen ja auch unsere Grundkosten erst einmal reinspielen“, war die Antwort des Geschäftsführers. Ulf Schmid (Gesundes Gemeinwesen Kirchberg) ging auf die Preisstabilität ein. Dass am Anfang mit günstigen Verträgen gelockt werde, die später viel teurer würden, gebe es bei Wisotel nicht, so Lo Chiatto. Die Preise seien stabil.
Die Deutsche Glasfaser ist nach den Worten Murers eines der großen Unternehmen, die im Glasfaserausbau aktiv sind. Nur wenn eine Vorvermarktungsquote von mindestens 33 Prozent der Haushalte (knapp 500 Haushalte) erreicht sei, werde ausgebaut. Auch hier ist der Glasfaserhausanschluss während der Vorvermarktung gratis. Beim Ausbauplan werden indes nicht alle Flächen berücksichtigt. „Da sieht man Förderpotenzial“, sagte Murer. Detailfragen zu dieser Präsentation wollte der Technischer Leiter des Zweckverbands Breitbandausbau Rems-Murr nicht beantworten.