Das Übergewicht werdender Mütter ist ein Risikofaktor für die Entstehung einer Leukämie bei Töchtern. Söhne dagegen sind nicht betroffen, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg berichtet.
Übergewicht der Mutter kann Forschern zufolge ein bislang übersehener Risikofaktor für kindliche Leukämie sein – und zwar geschlechtsspezifisch.
Von Markus Brauer/AFP
Das Gewicht werdender Mütter könnte eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von akuter lymphoblastischer Leukämie (ALL) bei Töchtern spielen. Söhne dagegen sind nicht betroffen. Das zeigen Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg in einer Studie, die im „Leukemia“ Fachjournal erschienen ist.
Die akute lymphoblastische Leukämie ist zwar insgesamt selten, macht aber rund ein Viertel der Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter aus.
40 Prozent erhöhtes Risiko, an ALL zu erkranken
Um möglichen Risikofaktoren auf die Spur zu kommen, analysierte ein Team um Mahdi Fallah, DKFZ und NCT Heidelberg, gemeinsam mit Kollegen der Universität Lund in Schweden die Daten von fast drei Millionen Geburten in Schweden über einen Zeitraum von 35 Jahren. Datengrundlage war das landesweite schwedische Familien-Krebsregister.
Im Untersuchungszeitraum erkrankten in Schweden insgesamt 1388 Kinder an ALL. Die Ergebnisse zeigen: Mädchen, deren Mütter bereits zu Beginn der Schwangerschaft übergewichtig oder fettleibig waren (BMI 25 und darüber), hatten ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko, an ALL zu erkranken. Dieser Zusammenhang konnte bei Söhnen hingegen nicht nachgewiesen werden.
Übersehener Risikofaktor für kindliche Leukämie
„Unsere Ergebnisse waren auch für uns überraschend“, sagt Mahdi Fallah. „Sie deuten darauf hin, dass mütterliches Übergewicht ein bislang übersehener Risikofaktor für kindliche Leukämie sein könnte – und zwar geschlechtsspezifisch.“
Die Forscher vermuten, dass hormonelle Einflüsse, insbesondere ein erhöhter Östrogenspiegel in der Schwangerschaft, eine Schlüsselrolle spielen könnten. Östrogene beeinflussen nachweislich die Genexpression und könnten das Leukämierisiko bei weiblichen Nachkommen steigern.
Erfreulicherweise zeigte die Studie keinen Zusammenhang zwischen der Gewichtszunahme während der Schwangerschaft und dem ALL-Risiko – eine Erleichterung für werdende Mütter, die sich Sorgen um ihr Schwangerschaftsgewicht machen.
Frühzeitig über gesunde Lebensgewohnheiten aufklären
Die Wissenschaftler planen nun weitere Untersuchungen, um die biologischen Mechanismen hinter diesem überraschenden geschlechtsspezifischen Phänomen besser zu verstehen. Die Erkenntnisse könnten langfristig zu neuen Präventionsstrategien führen.
„Schwangerschaft ist eine entscheidende Phase für die kindliche Gesundheit“, betont Studienleiter Fallah. „Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig es ist, werdende Mütter frühzeitig über gesunde Lebensgewohnheiten aufzuklären – nicht nur für ihr eigenes Wohlbefinden, sondern auch für das ihrer Kinder.“