Vier Kannen und ein bisschen Wehmut

In der letzten Sitzung des alten Gemeinderats ehrt OB Frank Nopper langjährige Kommunalpolitiker – Zehn Stadträte werden verabschiedet

In zwei Wochen nimmt der neu gewählte Backnanger Gemeinderat seine Arbeit auf. Vorher war aber noch Abschiednehmen angesagt. Zehn ausscheidende Stadträte hat Oberbürgermeister Frank Nopper am Donnerstagabend im Bürgerhaus verabschiedet. Vier Stadträte erhielten für ihr langjähriges Engagement die „Backnanger Kanne“.

Vier Kannen und ein bisschen Wehmut

Oberbürgermeister Frank Nopper (links) ehrt verdiente Stadträte und Ortsvorsteher: (von links) Ernst Kreß, Werner Schwarz, Wolfgang Schwalbe, Ursula Hefter-Hövelborn, Volker Schwarze, Theodora Tiftikoglou, Norwin Balmer, Siglinde Lohrmann, Volker Bäßler, Ingrid Beerkircher, Rainer Lachenmaier und Martin Holzwarth. Es fehlen Dorothee Winter und Eric Bachert. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. In der letzten Sitzung des alten Gemeinderates zog Nopper ein positives Fazit der fünfjährigen Amtszeit: Als Höhepunkte erwähnte er unter anderem die Eröffnung des Technikforums, des Bildungshauses und des Annonaygartens. „Ich bin selbst überrascht, wie viel wir gemeinsam geschafft und erreicht haben“, erklärte der OB. Zehn der insgesamt 26 Stadträte werden dem neuen Gremium nicht mehr angehören. Ursula Hefter-Hövelborn (SPD), Dorothee Winter (fraktionslos) und Rainer Lachenmaier (Grüne) hatten nicht mehr kandidiert, Norwin Balmer, Volker Schwarze, Ingrid Beerkircher, Wolfgang Schwalbe (alle CDU), Theodora Tiftikoglou (SPD), Eric Bachert (Bürgerforum/FDP) und Volker Bäßler (CIB) verpassten die Wiederwahl. Nopper wurde angesichts des Abschieds ein bisschen wehmütig: „Wir hätten Sie allesamt gerne im Gemeinderat behalten.“

Für ihr langjähriges Engagement zeichnete er Norwin Balmer und Wolfgang Schwalbe mit der „Backnanger Kanne“ aus, ebenso die beiden wiedergewählten Stadträte Siglinde Lohrmann (SPD) und Ernst Kreß (CDU). Balmer, Kreß und Schwalbe erhielten zudem für 20-jährige Gremienmitgliedschaft das Verdienstabzeichen in Silber des Städtetags Baden-Württemberg. Ursula Hefter-Hövelborn, die bereits seit 2011 Trägerin der „Backnanger Kanne“ ist, erhielt für 30 Jahre Gemeinderatsarbeit das Verdienstabzeichen des Städtetags in Gold. OB Nopper würdigte die Geehrten jeweils in einer kurzen Laudatio:

Siglinde Lohrmann: Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende war schon mehrfach in ihrem Leben die erste Frau in einem Amt: So ist sie die erste Ortsvorsteherin in der Geschichte Backnangs, die erste weibliche Vorsitzende des Akkordeonrings Steinbach, und in ihrem Heimatort Amstetten habe der Männergesangverein einst sogar extra seine Satzung geändert, um Lohrmann die Aufnahme in den Vorstand zu ermöglichen, berichtete Nopper. „Siglinde Lohrmann ist eine Aufsteigerin: kommunalpolitisch, beruflich und im Vereinsleben“, sagte der OB. Dem Strümpfelbacher Ortschaftsrat gehört Lohrmann seit 1989 an, dem Backnanger Gemeinderat seit 1999, und seit 2014 ist sie auch Mitglied der Regionalversammlung. Im Gemeinderat sind Lohrmann vor allem die Schulen, die Kindergärten und der Sozialbereich ein besonderes Anliegen.

Ernst Kreß: Als „Stadtrat mit Herz, Hand und Verstand“ bezeichnete Nopper den CDU-Stadtrat, der seit 20 Jahren dem Gemeinderat angehört. In den 60er-Jahren machte sich Kreß als Torjäger der damals sehr erfolgreichen TSG-Fußballer einen Namen, später engagierte sich der Wirt der Gaststätte Scholpp auch als Vorsitzender des örtlichen Hotel- und Gaststättenverbandes. Nopper würdigte Kreß’ Verdienste um die Städtepartnerschaften mit Annonay und Bácsalmás sowie sein Engagement beim Backnanger Straßenfest. „Als Stadtrat hat er sein Ohr ganz besonders nah und intensiv am Volk. Und mit seiner umsichtigen und humorvollen Art ist er ein ganz wichtiger Faktor des Ausgleichs im Backnanger Gemeinderat“, sagte der OB. Bei der jüngsten Gemeinderatswahl stand Kreß auf dem letzten Platz der CDU-Liste und wurde trotzdem wiedergewählt.

Norwin Balmer: Der CDU-Stadtrat scheidet nach 20 Jahren aus dem Gemeinderat aus. Als Experte für Mietrecht hatte sich der Rechtsanwalt für die Einführung eines Backnanger Mietspiegels starkgemacht – letztlich mit Erfolg. „Deswegen kann man ihn mit Fug und Recht als Vater des Backnanger Mietspiegels oder als ,Mr. Mietspiegel Backnang‘ bezeichnen“, erklärte Nopper. Rechtsanwälte im Gemeinderat seien bei den Stadtverwaltungen immer besonders gefürchtet, sagte Nopper. Balmer, der einst sein Referendariat im Backnanger Rathaus absolvierte und 2002 bei der OB-Wahl kandidierte, sei der Verwaltung immer „mit konstruktiv-kritischer Distanz“ begegnet. „Dies führte das ein oder andere Mal durchaus dazu, dass die Verwaltung sich und ihr Handeln hinterfragen musste – was bekanntermaßen allen Stadtverwaltungen nicht ganz leichtfällt.“

Wolfgang Schwalbe: Auf der Liste von Freie Wähler/FDP zog Wolfgang Schwalbe 1999 in den Gemeinderat ein, zuletzt war er Einzelstadtrat für die von ihm initiierte Unabhängige Bürgervereinigung (UBV). „Professor Dr. Wolfgang Schwalbe war in den vergangenen 20 Jahren ein ganz wichtiger Teil unseres Backnanger Gemeinderates“, betonte Nopper. Eine erneute Wiederwahl, diesmal auf der CDU-Liste, blieb Schwalbe im Mai allerdings verwehrt. Der emeritierte Professor an der Dualen Hochschule Mosbach sei immer wieder durch unorthodoxe, innovative und erfrischende Ideen aufgefallen, sagte Nopper. So erinnerte er an Schwalbes Forderung, Backnang möge die Gans überall sichtbar machen, ähnlich wie Berlin den Bären. Oder an seinen Vorstoß, bei Verkehrsmeldungen von der B14 solle im Radio nicht nur Schwäbisch Hall, sondern auch Backnang Erwähnung finden.

Ursula Hefter-Hövelborn: Als „kommunalpolitische Dauer- und Langstreckenläuferin“, bezeichnete Frank Nopper, die SPD-Stadträtin, die nach 30 Jahren Abschied vom Gemeinderat nimmt. Kunst und Kultur liegen Hefter-Hövelborn besonders am Herzen: „Insbesondere in diesem Bereich vertritt sie – wenn auch stets mit akademisch-kultivierter Anmutung – sehr dezidiert ihre Positionen“, erklärte Nopper. Außerdem engagiert sich Hefter-Hövelborn für die Gleichberechtigung der Frau und organisiert als Vorsitzende des Frauenforums Backnang unter anderem den jährlichen Frauenwirtschaftstag. Laut Nopper ist die Stadträtin „eine in jeder Hinsicht unkonventionelle Persönlichkeit“ – so auch bei der Wahl ihrer Garderobe. Mit ihrer extravaganten Kleidung habe die ehemalige Flugbegleiterin den Gemeinderatssitzungen „Glanz und Glamour verliehen“.

Im Rahmen der Gemeinderatssitzung wurden auch die ausscheidenden Ortsvorsteher Martin Holzwarth (Steinbach) und Werner Schwarz (Maubach) mit dem Backnanger Ehrenteller ausgezeichnet. Unsere Zeitung wird den beiden noch einen eigenen Artikel widmen.