Österreich schließt wegen eines Maul-und-Klauenseuche-Ausbruch im Nachbarland Ungarn einige Grenzübergänge. Die hochansteckende Virus-Erkrankung gilt als wirtschaftlich bedeutendste Tierkrankheit überhaupt. Bei einem Ausbruch gelten daher strenge Sicherheitsregeln.
Die Maul- und Klauenseuche wird durch ein hochansteckendes Virus ausgelöst. Dieses Aphtovirus kommt nicht nur in den infizierten Tieren vor, sondern hält sich auch lange in der Umwelt. Ei
Von Markus Brauer/dpa
Zur Eindämmung der Maul- und Klauenseuche (MKS) tritt am Samstag (5. April) in Österreich eine neue Verordnung in Kraft. Insgesamt 23 Grenzübergänge in Richtung Ungarn und Slowakei sollen geschlossen werden, an denen jeglicher Übertritt verboten sein wird, hat die Landespolizeidirektion mitgeteilt. Die Maßnahme soll voraussichtlich bis zum 20. Mai dauern.
Betroffen sind bislang die Grenzübergänge in den Bezirken Neusiedl am See, Mattersburg und Oberpullendorf. Die großen Grenzübergänge wie Nickelsdorf und Kittsee bleiben demnach offen.
Was ist der Erreger der Maul- und Klauenseuche?
Die Maul- und Klauenseuche wird durch ein hochansteckendes Virus ausgelöst. Dieses Aphtovirus kommt nicht nur in den infizierten Tieren vor, sondern hält sich auch lange in der Umwelt. Eingetrocknet kann es an Haaren, Wänden, Säcken, Heu und ähnlichem haften. Im Erdboden, im Abwasser und in Jauche kann es monatelang ansteckend bleiben, in eingefrorenem Fleisch sogar jahrelang. In ungefrorenem Schlachtfleisch wird das Virus jedoch innerhalb von etwa 48 Stunden zerstört.
Wie verbreitet sich die Seuche?
Das Virus wird nicht nur von erkrankten Tieren übertragen, sondern auch über Futter, Milch, Kot, Blut und infizierte Gegenstände. Auch Menschen können den Erreger an Kleidern oder Stiefeln mit sich tragen. Selbst der Wind kann die Viren über weite Entfernungen verbreiten.
Wer kann sich anstecken?
Die Maul- und Klauenseuche befällt vor allem Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und andere Klauentiere, etwa Rehe.
Kann das Virus auch Menschen befallen?
Für Menschen gilt das Virus als ungefährlich. Ein gewisses Risiko besteht bei intensivem Kontakt zu erkrankten Tieren, etwa für Tierärzte. Auch nicht abgekochte Milch von kranken Tieren kann ansteckend sein. Beim Menschen heilen Fieber, schmerzhafte Ausschläge und Bläschen in der Regel folgenlos aus.
Gibt es eine Impfung?
Für Nutztiere gibt es Impfstoffe, die aber wenig wirksam sind. Die Impfung ist seit 1992 allerdings in der EU untersagt, damit sich das Virus nicht unerkannt verbreiten kann. Notfallimpfungen bei einem Ausbruch hat die EU- Kommission jedoch unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt.
Wie äußert sich die Infektion?
Wird ein Tier infiziert, dauert es 2 bis 18 Tage, bis die Krankheit ausbricht. Das Virus verursacht Fieber und flüssigkeitsgefüllte Bläschen an den Schleimhäuten im Mund und an den Klauen. Diese Bläschen enthalten hochansteckende Lymphe. Platzen sie, kommt es an diesen Stellen oft zu schmerzhaften Bakterieninfektionen.
Die Tiere lahmen und mögen nicht mehr fressen. Nahezu alle infizierten Tiere erkranken, zwei bis fünf Prozent sterben. Diese Zahl reicht, um die Rentabilität eines Betriebes zu gefährden. Bei Jungtieren bis zu einem Alter von einem halben Jahr liegt die Sterblichkeitsrate mitunter bei 100 Prozent.
Je nach Tierart verläuft die Krankheit allerdings unterschiedlich schwer – bei Ziegen etwa oft ohne merkliche Symptome.
Warum darf mit geimpften Tieren nicht gehandelt werden?
Es gibt etwa 60 verschiedene Subtypen des Erregers. Die Tiere lassen sich nicht mit einem „Cocktail“ gegen alle diese Arten immunisieren. Gemäß einer EU-Richtlinie darf mit geimpften Tieren nicht gehandelt werden. Sie entwickeln in ihrem Blut Antikörper gegen den Impfstoff. Diese Antikörper lassen sich nicht von solchen unterscheiden, die im Blut von kranken Tieren zirkulieren. Zwischen einem geimpften gesunden und einem kranken Tier kann nicht unterschieden werden.