Die Curt-Liebich-Halle in Gutach war Schauplatz einer hochkarätigen Hallenradsportveranstaltung. Der dortige RSV richtete die baden-württembergische Meisterschaft der Elite aus. Die Athleten des RSV Unterweissach trumpften dabei auf. Viola Brand sicherte sich den Titel, Nick Lange fuhr zur Bronzemedaille.
Kunstradfahrerin Viola Brand hat eine starke Darbietung gezeigt. Foto: A. Becher
Von Wilfried Schwarz
Für viele Kunstradfahrer war es vor dem Beginn der heißen Wettkampfsaison, die mit dem ersten German Masters am 7. September in Murg (Bad Säckingen) eingeläutet wird, eine Standortbestimmung. Nicht allen gelang diese gut und so wird in den nächsten Wochen noch viel Schweiß in den Trainingsstädten vergossen werden, um im September und Oktober auf Topniveau zu sein. Alle neun zu vergebenden Titel gingen an Sportler aus Württemberg. Schon gut in Form präsentierte sich im Einer die Europameisterin Viola Brand vom RSV Unterweissach, die mit 180,66 Punkten den Titel gewann. Vereinskollege Nick Lange sicherte sich mit 145,41 Punkten bei den Männern Bronze. Pausieren musste hingegen Manuel Brand. „Er hatte im Juni eine Lungenoperation“, so Mutter und Trainerin Heike Brand. „Er hat zwar inzwischen schon wieder mit leichtem Training begonnen, aber es war heute einfach noch zu früh, einen Wettkampf zu bestreiten. Aufgrund seiner Zugehörigkeit zum A/B-Kader hat er die Qualifikation für die German-Masters-Serie im Herbst auch in der Tasche. Viola und Nick haben diese heute ebenfalls geschafft.“
Im Einer der Männer startete Nick Lange. „Vor gut eineinhalb Wochen musste ich aufgrund von Problemen mit meiner Schulter das Programm umstellen sowie dreimal einen neuen Reifen aufziehen“, so Lange. „Von daher bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Die Qualifikationshürde habe ich genommen.“ Die beiden Handstände klappten. „Auch wenn ich beim Lenkerhandstand aufgrund der Schulterprobleme diesen früher abbrechen musste“, so der RSV-Sportler. „Auch der Mautesprung klappte perfekt. Das Ergebnis selbst ist ausbaufähig. Daran muss ich bis zum Beginn des ersten Masters noch arbeiten.“ Mit 145,51 von 185,8 Punkten setzte er sich an die Spitze, doch noch kamen zwei Sportler. Unter Abwesenheit des zweifachen Vize-Weltmeisters und Topfavoriten Moritz Herbst (Wendlingen) gewann Max Maute (Tailfingen) mit 185,39 Punkten und einem großen Abstand zum Zweiten Sebastian Zähringer (Unteribental, 149,56) den Titel. Dahinter konnte Nick Lange Bronze in Empfang nehmen.
Viola Brand war die letzte Starterin an diesem Tag. 13 Frauen hatten gemeldet, doch nicht alle absolvierten ihren Start. Anne Lais (Wallbach) hatte 124,08 Punkte vorgelegt, bevor die Medaillenanwärterinnen am Start waren. Lena Günther (Nufringen) setzte sich mit 162,93 Zählern an die Spitze, während Lara Füller (Poppenweiler, 149,24) sich dazwischen einreihen musste. Die Kür von Mattea Eckstein (Stuttgart) wurde mit 174,05 Punkten belohnt. Danach kam der Start von Viola Brand. Konzentriert wartete sie zusammen mit Mutter und Trainerin Heike Brand auf das „Grün“ vom Kampfgericht. Sie musste noch etwas warten, weil es der Technik vermutlich etwas zu warm wurde. Doch auch das störte ihre Konzentration nicht. Noch einen kleinen Klaps von der Mutter auf den Po und sie betrat die Wettkampffläche. Der Lenkerhandstand in der Schweizer Ausführung, das bedeutet mit gestreckten Beinen beim Durchzug über den Lenker, war optisch schön anzusehen, doch „ein Kampfrichter hat mir eine 100-prozentige Abwertung gegeben, weil die Knie angeblich nicht ganz durchgestreckt waren“, so eine insgesamt total zufriedene Sportlerin. „Das hat mich sechs Punkte gekostet. Das Endergebnis von 180,66 hat sich nicht mit meinem Gefühl für die Kür widergespiegelt.“ Der Mautesprung – hier springt Brand, während das Rad rollt, vom Sattel auf den Lenker, „diesen habe ich in diesem Jahr neu im Programm“, so Brand – klappte perfekt.
Respekt hatte sie auch vor dem Sattellenkerhandstand. „Bei dieser Übung hatte ich mich vor drei Wochen im A/B-Kader-Training verletzt. Da bin ich direkt auf dem Gesicht gelandet und habe mir Kinn und Lippen aufgeschlagen“, berichtet Viola Brand. „Seitdem habe ich mehr Respekt vor dieser Übung.“ Bei der Kehrstandsteigerdrehung gab es noch einen Abzug von 50 Prozent. „Die beiden großen Abzüge waren insgesamt über zehn Punkte“, so ihr Fazit. „Diese heute noch dazu, dann wären es über 190 Punkte gewesen. Ich bin sehr zuversichtlich für diese Saison. Punktemäßig ist da noch Luft nach oben. Für den jetzigen Zeitpunkt zum Beginn der Saison bin ich sehr zufrieden.“ Damit durfte sie bei der Siegerehrung der baden-württembergischen Meisterschaft die Goldmedaille vor ihren Konkurrentinnen Mattea Eckstein und Lena Günther entgegennehmen.