Vorfälle in 3. Liga
Aufregung um sexistische Gesänge gegen Schiedsrichterin
Fabienne Michel wird beim Drittligaspiel SC Verl gegen Rot-Weiss Essen von den Gäste-Fans heftigst beschimpft. Vom Verband kommt dazu lange nichts. Erst jetzt leitet der DFB Ermittlungen ein.

© Pressefoto Baumann/Alexander Keppler
Schiedsrichterin Fabienne Michel beim Spiel der Stuttgarter Kickers gegen Kickers Offenbach. Nur eine Woche später wurde sie Opfer von Sexismus.
Von Julian Meier
Das Drittligaspiel zwischen dem SC Verl und Rot-Weiss Essen liegt nun schon eine Woche zurück. Am vergangenen Freitagabend gewannen die Gastgeber mit 3:0. Eigentlich wäre das Spiel am Ende der Saison wohl nicht mehr als eine Randnotiz wert. Eigentlich. Denn inzwischen wird es immer mehr zum Politikum. Es geht um sexistische Gesänge und ausbleibende Reaktionen.
Was war passiert? Schiedsrichterin der Partie war die 30-jährige Fabienne Michel, derzeit die einzige Schiedsrichterin in den drei deutschen Profiligen. Eine Woche zuvor hatte sie das Heimspiel der Stuttgarter Kickers gegen Kickers Offenbach (1:1) gepfiffen. Bis auf eine strittige Elfmeterentscheidung zeigte Michel eine souveräne Leistung. Ganz anders lief es sechs Tage später.
Unglücklicher Auftritt von Michel verärgert RWE-Fans
Das Spiel Verl gegen Essen war ihr elfter Einsatz in der dritthöchsten Spielklasse, mit Sicherheit aber nicht ihr souveränster. In der 24. Minute stand Michel im Laufweg von Essens Klaus Gjasula, der deswegen den Torschuss von Berkan Taz nicht mehr verhindern konnte. Damit hatte sie ihren Anteil am Führungstreffer der Gastgeber. Am Ende unterlag Essen mit 0:3.
Auch in der zweiten Halbzeit machte sich Michel mit ihren Entscheidungen keine Freunde im RWE-Block. Als sie in der 54. Minute Dominik Martinovic die Gelbe Karte zeigte, begannen sexistische Sprechchöre von der Gästetribüne. Die „Schieber, Schieber“-Rufe wurden schon bald abgelöst von „Hure, Hure“, gefolgt von Sprechchören wie „Die Blonde wird gef*** olé, olé“. Und das war noch nicht mal das Schlimmste.
Ausbleibende Reaktionen von Verband und Fans
Das Problem: Es gab zunächst keine Konsequenzen. Im offiziellen Spielbericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) findet sich kein Wort über die Vorfälle. Erst durch Recherchen der Sportschau wurde der Verband überhaupt auf die verbalen Ausschreitungen aufmerksam. Nun hat der DFB reagiert und Ermittlungen eingeleitet. Essen wurde zu einer Stellungnahme aufgefordert.