Theatermann Elert Bode ist gestorben

Ein Verfechter des unterhaltsamen Theaters

Er hat Stuttgarts Theater geprägt. Nun ist der Schauspieler und Ex-Intendant Elert Bode gestorben. Nicht alle waren mit seinem erfolgreichen Programm einverstanden.

Elert Bode (1934–2025)

© dpa/Bernd Weißbrod

Elert Bode (1934–2025)

Von Adrienne Braun

Von seinem Naturell her war er ein Don Quijote, einer, der tat, was er für richtig hielt – auch wenn er sich damit nicht beliebt machte und Kritik erntete. So war Elert Bode durchaus bewusst, dass Entertainment im deutschen Theater keinen allzu guten Ruf hatte. Oder um es mit seinen Worten zu sagen: Unterhaltung habe „ein beschissenes Image“. Image hin oder her, er wollte trotzdem unterhalten, wollte, dass die Zuschauer sich im Theater wohl fühlen. Denn er war überzeugt: „Der Mensch ist nicht lebensfähig ohne Frohsinn.“

Nun ist Elert Bode mit 90 Jahren gestorben. In den vergangenen Jahren ist es ruhig um den Theatermann geworden, gelegentlich konnte man ihn noch im Fernsehen sehen. Aber auch wenn seine aktive Zeit längst vorüber war, wirkte und wirkt sein Erbe in Stuttgart doch nach. Denn Elert Bode hat ganz wesentlich die Komödie im Marquardt und das Alte Schauspielhaus geprägt. Als er die beiden Theater im Jahr 2002 an seinen Nachfolger Carl Philip von Maldeghem übergab, hinterließ Elert Bode zwei bestens eingeführte Spielstätten mit sehr guten Besucherzahlen. Zwar gelang es ihm nicht, das junge Publikum zu erreichen, aber wirtschaftlich standen beide Häuser sehr gut da – worauf Bode, durchaus Geschäftsmann – immer stolz verwies. Auch die Presse bescheinigte ihm regelmäßig, „ein glänzender Verkäufer“ zu sein, auch wenn das für manchen einen Beigeschmack hatte.

Geboren wurde Elert Bode 1934 in Breslau. Er wollte Schauspieler werden und ließ sich vom Leiter der Jungen Bühne in Goslar ausbilden. Er begann am Theater im Kleinen Raum in Münster, wo er nicht nur spielte, sondern auch als Dramaturg und Regieassistent tätig war. Mit 23 Jahren und mit einem Startkapital von nur 200 Mark gründete Bode 1957 die Westfälischen Kammerspiele in Paderborn, die er immerhin 13 Jahre leitete. Dabei bewies er bereits, dass er kämpfen konnte und gutes Theater für ihn nicht allein eine Frage des Geldes ist.

1970 übernahm Bode die Württembergische Landesbühne Esslingen und schaffte es, die Zahl der Abonnenten von 918 auf 2200 zu steigern. Das festigte seinen Ruf als wirtschaftlich agierender Theaterleiter, sodass er sechs Jahre später nach Stuttgart geholt wurde als Intendant der Komödie im Marquardt. Das Haus gefiel ihm, nicht nur, weil er sich auf das von ihm geliebte komische Fach konzentrieren konnte, sondern weil er auch selbst inszenieren und spielen konnte.

1984 übernahm Bode zusätzlich die Leitung des frisch sanierten Alten Schauspielhauses. Für ihn war klar: Er will dem Staatstheater keine Konkurrenz machen, sondern ein eigenes Profil für die Bühne entwickeln: „die geräumige Nische des anspruchsvollen Kammerspiels“, wie er es nannte. Außerdem wurde das Alte Schauspielhaus ein „Bespieltheater ohne eigenes Ensemble“ – woran sich bis heute unter dem Intendanten Axel Preuß nichts geändert hat. Nicht alle haben die Wahl Bodes und die Ausrichtung des Theater gutgeheißen: „Elert Bode ist der nächste Beste; als hätte man nicht in näherer oder ferner Umgebung interessantere Leute finden können“, monierte der Theaterkritiker Gerhard Stadelmaier damals in der Stuttgarter Zeitung.

Bode ließ sich nicht beirren. „Man kann mir vielleicht vorwerfen, ein zu bürgerliches Theater zu machen“, sagte er, „aber für mich handelt es sich um lohnende Werte, die ich verteidigen will.“ Das Publikum gab ihm recht. Und auch wenn ihn manche einen Theaterhandwerker nannten, war ihm durchaus auch an der aktuellen Theaterliteratur gelegen und brachte er gelegentlich Uraufführungen heraus.

Elert Bode, der als ehrlich, gerecht und streng galt, stand gern auf der Bühne, nebenher arbeitete er aber auch fürs Fernsehen und war vor allem in Krimis zu sehen. Die Liste seiner Rollen, die in den vielen Jahren seiner leidenschaftlichen Schauspieler- und Regiekarriere zusammenkamen, ist lang. Und sie beweist, dass Lehrer nicht immer recht haben. Denn sein Englischlehrer in der Schule prognostizierte Elert Bode seinerzeit eine Karriere als Straßenkehrer.

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Erstellt:
1. April 2025, 13:38 Uhr

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