Besserer Schutz vor Fälschung
28 500 Polizisten im Land bekommen neue Ausweise – so sehen sie aus
Immer wieder versuchen Betrüger, mit gefälschten Dienstausweisen der Polizei ihre Opfer zu überrumpeln. Das soll in Zukunft schwieriger werden. In Baden-Württemberg, aber auch in neun weiteren Bundesländern.

© Innenministerium Baden-Württemberg
So sieht der neue Dienstausweis der Polizei aus.
Von Jürgen Bock
Die Betrugsmasche ist nicht neu, aber sie funktioniert immer wieder. Falsche Polizisten versuchen, potenzielle Opfer übers Ohr zu hauen, und setzen dabei ihre Autorität als vermeintliche Beamte ein. So wie am Dienstag in Weil im Schönbuch (Landkreis Böblingen), als ein vermeintlicher Polizist eine Seniorin am Telefon davon überzeugte, sie müsse eine Kaution für ihre Tochter stellen. Dermaßen unter Druck gesetzt, sammelte die Frau Gold und Schmuck in sechsstelligem Wert zusammen und übergab alles einem unbekannten Abholer.
Oft treten die falschen Beamten aber auch direkt an der Haustür auf, zum Beispiel mit der Geschichte, in der Nachbarschaft werde häufig eingebrochen und man solle den Beamten aus Sicherheitsgründen Wertgegenstände übergeben. Uniformen und gefälschte Dienstausweise sollen die Opfer überzeugen. Zumindest Letzteres soll in Zukunft schwieriger werden – vorausgesetzt, die Menschen wissen, wie ein echter Ausweis aussieht.
Zehn Bundesländer sind dabei
Rund 28 500 Polizistinnen und Polizisten in Baden-Württemberg bekommen in den nächsten Monaten neue Dienstausweise mit erhöhter Fälschungssicherheit. „Die Menschen im Land müssen sich sicher sein können, dass derjenige, der sich als Polizist zu erkennen gibt, auch tatsächlich ein Polizist ist. Dabei hilft der neue Polizeiausweis ganz entscheidend“, sagt Innenminister Thomas Strobl (CDU). Gemeinsam mit neun weiteren Bundesländern habe man ein einheitliches Erscheinungsbild entworfen. „Und wir haben die Sicherheit vor Fälschung noch einmal erhöht. Die Polizeiausweise kann jeder einfach und schnell über die leicht erkennbaren Sicherheitsmerkmale auf Echtheit überprüfen. Das ist wichtig, denn immer wieder geben sich Betrüger als Polizeibeamte aus“, so Strobl.
Die Einführung erfolge in enger Zusammenarbeit mit anderen Ländern, heißt es im Innenministerium. Die Polizeibeamten im Südwesten sollen die neuen Dienstausweise bis Sommer nach und nach bekommen. Baden-Württemberg sei damit eines der ersten Länder, in denen der neue Polizeidienstausweis ausgeliefert wird. In der Übergangsphase, die zum Jahresende abgeschlossen sein soll, behalten die aktuellen Dienstausweise ihre Gültigkeit. Mit an Bord sind außerdem Berlin, Bremen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Die restlichen Bundesländer hätten sich noch nicht angeschlossen, sagt eine Ministeriumssprecherin. Es wäre aber „ein sinnvoller Schritt“, wenn die Vereinheitlichung zukünftig im ganzen Bundesgebiet greifen würde.
Einen konkreten Anlass für die Einführung gibt es nicht. Man stelle derzeit keine besondere Häufung an Betrugsversuchen mit gefälschten Dienstausweisen fest, so die Sprecherin: „Das kommt aber immer wieder vor.“ Viele Menschen wüssten gar nicht, wie ein Dienstausweis der Polizei überhaupt aussehe. Auch diesem Umstand will man mit Bekanntmachen des neuen Modells etwas abhelfen. Deshalb hat man in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt verschiedene Sicherheitsmerkmale eingebaut, die herausstechen sollen.
So ist auf der Vorderseite der hellblauen Ausweise neben Foto, Name und Dienstgrad der Polizistin oder des Polizisten der Polizeistern als Hologramm aufgedruckt. Dazu gibt es spürbare Erhebungen auf dem Ausweis und ein kleineres Foto des Polizeibeamten ist unten rechts als Kippbild gestaltet. Zusätzlich findet sich dort das jeweilige Landeswappen. Auf der Rückseite ist der 110-Schriftzug in optisch variabler Tinte ausgeführt. Um die Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen zu ermöglichen, ist auf der Ausweisrückseite das Wort „Polizei“ in Brailleschrift abgebildet.
„Alle, die sich unsicher sind, ob ein Polizeibeamter auch wirklich ein Polizeibeamter ist, können durch den neuen Polizeidienstausweis Sicherheit gewinnen. Sollten Bedenken bleiben: Verständigen Sie die Polizei. Denn nur mit Wachsamkeit und schnellem Handeln können wir den Betrügerinnen und Betrügern das schmutzige Handwerk legen“, sagt Innenminister Strobl.
Dass das funktionieren kann, zeigen diverse Beispiele aus der Vergangenheit. Mehrfach haben aufmerksame Bürgerinnen und Bürger im Land falsche Polizisten in die Flucht geschlagen, indem sie nach ihren Dienstausweisen gefragt oder die vorgezeigten gefälschten Ausweise genauer unter die Lupe genommen haben.
Immer genau prüfen
Die Polizei rät, grundsätzlich keine Unbekannten in die Wohnung zu lassen. Von angeblichen Amtspersonen, etwa Polizisten, solle man sich den Dienstausweis zeigen lassen und diesen genau prüfen und mit der Person abgleichen. „Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt“, rät die Polizeiliche Kriminalprävention. Die Telefonnummer solle man selbst heraussuchen oder sich von der Telefonauskunft geben lassen.