3:1 gegen Leipzig – der VfB fährt nach Berlin

Das Team von Sebastian Hoeneß bezwingt die Roten Bullen im Halbfinale und ist nun im Endspiel des DFB-Pokals gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld der Favorit. Beim Sieg über RB haben die Stuttgarter in der ersten Hälfte Glück – und einen starken Keeper Alexander Nübel.

Von David Scheu

Stuttgart - Am Ende herrschte Ekstase pur. Die VfB-Spieler lagen sich in den Armen, sie sprangen und tanzten über den Rasen und dann vor der Cannstatter Kurve. Auf den Rängen hatte die ohnehin famose Stimmung nach dem Schlusspfiff ihren Höhepunkt erreicht. Der VfB hat es also geschafft und steht im DFB-Pokalfinale in Berlin am 24. Mai gegen den Drittligisten Arminia Bielefeld. Nach dem 3:1-Sieg über RB Leipzig am Mittwochabend musste man leise Bedenken haben ob der Statik der Stuttgarter Arena. Denn das Dach flog im Orkan der Emotionen nach dem Schlusspfiff fast weg.

„Ich muss den Hut ziehen vor meiner Mannschaft, die Jungs sind überragend“, sagte der glückselige VfB-Trainer Sebastian Hoeneß nach dem Abpfiff: „In den Phasen, in denen es schwierig war, haben sie sich gegenseitig unterstützt, und wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht. Der Pokalsieg wäre jetzt das größte.“

Im Vergleich zum 0:1 bei Eintracht Frankfurt am Samstag in der Bundesliga hatte Hoeneß gegen RB mit Blick auf die VfB-Startelf einmal getauscht: Anstelle von Chris Führich durfte Nick Woltemade wieder von Beginn an ran – der Senkrechtstarter hatte nach zwei Partien mit der U-21-Nationalmannschaft bis zu seiner Einwechslung in Frankfurt eine Erholungspause erhalten.

Beim Debüt des Leipziger Interimstrainers Zsolt Löw waren es nun am Mittwochabend in Stuttgart die Roten Bullen, die nach nur 30 Sekunden zum ersten Mal gefährlich wurden: VfB-Innenverteidiger Jeff Chabot klärte in höchster Not gegen Offensivmann Lois Openda.

Dann aber übernahm der VfB das Kommando – und wie. Erst schlug Jamie Leweling in der fünften Minute eine punktgenaue Flanke auf Maximilian Mittelstädt, der freistehend im Sechzehner abzog. Leipzigs Abwehrspieler Kosta Nedeljkovic fälschte gerade noch so zur Ecke ab – die am Ende die Führung für die Weiß-Roten bringen sollte.

Nach einer Kopfballabwehr nahm Angelo Stiller die Kugel aus rund 19 Metern mit vollem Risiko volley – und traf in Minute sechs formvollendet mit seinem so satten wie spektakulären Schuss. Mit rechts, wohlgemerkt, Stillers starker Fuß ist ja der linke. Der Rest nach dem Sonntagsschuss am Mittwochabend war in ohnehin schon flirrender Atmosphäre VfB-Ekstase pur. Stiller stürmte in Richtung Eckfahne und darüber hinaus, wo er mit jubelnden Stuttgarter Fans im Unterrang der seitlichen Haupttribüne und seinen Mitspielern ein Jubelknäuel bildete.

Nach dessen Auflösung ging es zunächst weiter in Richtung Leipziger Tor. Stürmer Ermedin Demirovic scheiterte aus kurzer Distanz an Keeper Maarten Vandevoordt (9.). Dann aber setzten die Leipziger in dieser munteren und mit offenem Visier geführten Anfangsphase die nächsten Ausrufezeichen. Binnen zwei Minuten musste VfB-Keeper Alexander Nübel zweimal nach Flachschüssen von Openda retten (15. und 17.).

Nach diesem furiosen Start gab es in der Folge erst einmal Leerlauf ohne große Höhepunkte – bis Nübel nach einer halben Stunde wieder gefordert war: Der VfB-Torhüter war auch bei einem gefährlichen Schuss von Xavi Simons von der Strafraumgrenze zur Stelle und parierte sicher. Und dann, ja dann zeigte der Stuttgarter Keeper eine Parade der Extraklasse: Wieder im Privatduell gegen Openda, der in der 35. Minute frei durch war, flach in Richtung rechtes Eck abzog – aber am famos reagierenden Schlussmann scheiterte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wäre der Leipziger Ausgleich aufgrund des klaren Chancenplus verdient gewesen.

Der VfB aber rettete die glückliche 1:0-Führung in die Pause – und hatte nach Wiederbeginn die erste Möglichkeit. Der bis dahin unauffällige Woltemade scheiterte mit seinem Kopfball an Torhüter Vandevoordt (55.). Und wie war das doch gleich? Woltemade unauffällig? Von wegen! Denn in Minute 57 war „Big Nick“ wieder ein nicht zu übersehender Riese – nach toller Kombination vorher und dann folgendem doppelten Doppelpass mit Demirovic schob der Offensivmann überlegt und flach zum 2:0 ein. Sollte das schon die Vorentscheidung sein? Nein!

Denn nachdem der VfB in der 62. Minute den Ball nicht geklärt bekommen hatte, verkürzte RB-Angreifer Benjamin Sesko auf 1:2. Leipzig drängte auf den Ausgleich, kam aber im Gegensatz zur ersten Hälfte nicht zu klaren Chancen. Und dann wurde Woltemade wieder auffällig: Der Offensivmann köpfte nach einer Stiller-Ecke, Leipzigs Christoph Baumgartner versuchte zu klären – doch Jamie Leweling staubte aus kurzer Distanz zum 3:1 ab (73.). War das jetzt die Vorentscheidung? Ja!

Denn in der Folge ließen die Stuttgarter – bis auf einen Lattenschuss von Sesko (87.) – kaum noch etwas zu und jubelten am Ende über den ersten Pokal-Finaleinzug seit dem Jahr 2013 (2:3 gegen den FC Bayern).

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Erstellt:
2. April 2025, 23:20 Uhr
Aktualisiert:
3. April 2025, 21:57 Uhr

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