Bundestag 2025
5 neue Abgeordnete, die im Bundestag auffallen
Etwa ein Drittel der Abgeordneten des neuen Bundestags saßen in der vergangenen Wahlperiode nicht im Parlament. Zu den Neuen zählen ein bekannter Virologe und ein Kanzler-Enkel.
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© AFP/ODD ANDERSEN
Neu im Bundestag: Thüringens ehemaliger Ministerpräsident Bodo Ramelow (Mitte). Auch Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner (links) saß bislang nicht im Parlament.
Von Maximilian Kroh
Als sich die Fraktionen des neuen Bundestags Anfang der Woche zum ersten Mal zusammensetzten, herrschte auf den Gängen des Reichstagsgebäudes eine Stimmung wie am ersten Schultag. Für rund ein Drittel der Abgeordneten muss sich das tatsächlich so angefühlt haben: Sie sind neu im Parlament. Besonders viele Anfänger bringen die drei Fraktionen mit, die im Vergleich zur vergangenen Wahlperiode gewachsen sind. 92 Neulinge sind es bei der AfD, 62 kommen von der Union, die Linke zieht mit 51 Neuen nach Berlin. Ein paar der Neulinge fallen mehr auf als andere – mit dabei sind ein Kanzler-Enkel, ein bekannter Virologe und ein ehemaliger Ministerpräsident.
Die Sprösslinge von Politikern
Gleich drei der neuen CDU-Abgeordneten kommen mit prominenter Familiengeschichte nach Berlin. Johannes Volkmann (Jahrgang 1996) holte eines der Direktmandate in Hessen und ist ein Enkel von Altkanzler Helmut Kohl (CDU). Zuvor war er Büroleiter des CDU-Europaabgeordneten Sven Simon. Ein anderer ist Fredrik Bouffier (CDU). Der Vater, Volker Bouffier (CDU), war von 2010 bis 2022 Ministerpräsident von Hessen. Seinen Sohn zieht es jetzt in die Bundespolitik. Seit 2024 war er Mitglied des hessischen Landtags. Caroline Bosbach (Jahrgang 1989) gewann in Nordrhein-Westfalen den Wahlkreis Rheinisch-Bergischer Kreis. Dort hatte von 1994 bis 2017 schon ihr Vater Wolfgang Bosbach immer das Direktmandat für die CDU gewonnen. Man kannte sie vorher vor allem durch ihre Teilnahme an Fernsehshows wie „Grill den Henssler“ oder „Let’s Dance“.
Der Virologe
Seit längerer Zeit in der Öffentlichkeit steht auch der Gewinner des CDU-Direktmandats im Wahlkreis Bonn. Hendrik Streeck ist nicht nur Direktor des Instituts für Virologie am Bonner Universitätsklinikum, er war während der Covid-19-Pandemie auch Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung. Der Rat trat im April 2023 letztmalig zusammen, an seine Stelle trat im März 2024 der Expertenrat Gesundheit Resilienz. Auch ihm gehört Streeck als ständiges Mitglied an.
Der Jüngste
Luke Hoß ist in Stuttgart geboren, lebt aber seit Beginn seines Jurastudiums 2021 in Passau. Auf Platz vier der bayrischen Landesliste der Linken zieht er in den neuen Bundestag ein. Geboren ist Hoß am 3. September 2001, damit ist er der jüngste Abgeordnete im neuen Parlament. Der Student hat vorab auf seiner Website angekündigt, seine Abgeordneten-Entschädigung von mehr als 11 000 Euro im Monat auf 2500 Euro zu begrenzen. Den Rest will er an seine Partei und soziale Initiativen weitergeben.
Der Ministerpräsident
Er trat an, um das Direktmandat im Wahlkreis Erfurt – Weimar – Weimarer Land II zu gewinnen und seine Partei als eine der „Silberlocken“ in den Bundestag zu hieven. Beides hat Bodo Ramelow für die Linke geschafft. Damit geht er in seine zweite Amtszeit als Bundestagsabgeordneter. Er saß schon zwischen 2005 und 2009 im Parlament. Davor und danach war Ramelow Oppositionsführer seiner Partei im Thüringer Landtag und zwischen Dezember 2014 und Februar 2020 sowie März 2020 und Dezember 2024 thüringischer Ministerpräsident.
Die Gerade-noch-so-Gewinnerin
Bis zum vergangenen Dienstag musste Simone Fischer zittern, ob sie es tatsächlich in den Bundestag schafft. Die Grünen-Politikerin und baden-württembergische Landesbehindertenbeauftragte war im Wahlkreis Stuttgart I angetreten. Weil das Duell mit CDU-Kandidatin Elisabeth Schick-Ebert aber so knapp war, zählte der Wahlausschuss ein zweites Mal aus. Die meisten Stimmen gingen wieder an Fischer, der Vorsprung schrumpfte aber noch einmal von 16 auf fünf Stimmen. „Meine Lieblingszahl ist: 5“, schrieb sie daraufhin auf Instagram. So eng ging es in keinem Wahlkreis zu.
Ein ähnlich spannendes Wettrennen gab es höchstens im Berliner Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg. Dort will CDU-Kandidat Jan-Marco Luczak noch ein drittes Mal auszählen lassen. Bislang liegt er 61 Stimmen hinter dem Grünen-Politiker Moritz Heuberger. Es bleibt wohl dabei, dass Heuberger einziehen darf. Auch er ist neu im Bundestag.