„King of Thriller“
ABC zum 150. Geburtstag von Krimi-Autor Edgar Wallace
Nein, Edgar Wallace-Kennern wie Bastian Pastewka und Oliver Kalkofe kann kaum jemand das Wasser reichen. Aber wer im Bekanntenkreis ein wenig mit Wallace-Wissen flexen will, dem sei das folgende Alphabet ans Herz gelegt.

© Imago/Ronald Grant Archive
Vielschreiber, Bestseller-Autor, Krimi-Papst, Journalist: Edgar Wallace (1875-1932).
Von Markus Brauer/KNA
Man kann sich schnell verlieren im unendlichen Universum des britischen Bestseller-Autors Edgar Wallace. Am 1. April 1875, vor 150 Jahren, wurde der Vielschreiber und Akkordarbeiter in Greenwich bei London geboren. Mit 56 Jahren starb er am 10. Februar 1932 in Beverly Hills. Wir haben vielsagende Fakten zum „King of Thriller“ zusammengetragen:
A wie Aspirin
Kurz vor seinem Tod soll der Autor 27 Aspirin-Tabletten eingenommen haben, um eine fiebrige Erkältung in Schach zu halten. Biograf Neil Clark hält entsprechende Berichte allerdings für völlig überzogen. Denn der überarbeitete Wallace starb wohl eher an den Folgen einer Lungenentzündung und einer Diabeteserkrankung.
Diktiergerät
Ein unverzichtbares Gerät für den Autor, der seine Werke nicht niederschrieb, sondern einzusprechen pflegte.
Diktiergerät
Ein unverzichtbares Gerät für den Autor, der seine Werke nicht niederschrieb, sondern einzusprechen pflegte.
B wie Bibel
Religiös musikalisch war der Schriftsteller eher nicht. Sprachlich ließ er allerdings nichts auf die Bibel kommen. „Ihre Einfachheit macht sie zum schönsten literarischen Werk der Welt.“
C wie Christie, Agatha
Die Kollegin verschwand im Jahr 1926 plötzlich von der Bildfläche. Ihr Verschwinden scheine ein typischer Fall von „mentaler Vergeltung“ zu sein, mit dem sich Christie an jemandem rächen wolle, der sie verletzt habe, mutmaßte Wallace damals. Die Autorin tauchte nach zehn Tagen wieder auf, sprach nie über ihre Motive. Möglicherweise lag Wallace aber gar nicht so falsch. Vielleicht plante Christie, mit der Aktion ihren Ehemann Archibald zurückzugewinnen, der sich von ihr scheiden lassen wollte.
D wie Diktiergerät
Ein unverzichtbares Gerät für den Autor, der seine Werke nicht niederschrieb, sondern einzusprechen pflegte.
E wie Erkennungsdienstliches
Der im Jahr 1924 von seinem Verlag Hodder & Stoughton ersonnene Slogan „It is impossible not to be thrilled by Edgar Wallace“ („Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht begeistert zu sein“) sicherte den Romanen des Autors einen hohen Wiedererkennungswert.
F wie Film
Früh interessierte sich Wallace für das neue Medium Film – und der Film für Wallace. Als erstes seiner Bücher wurde 1916 der Roman „The Man Who Bought London“ verfilmt. Im Stummfilm „Red Aces“ führte Wallace 1929 erstmals selbst Regie. Und dann wäre da die langlebige Edgar-Wallace-Filmreihe in Deutschland, die 1959 in Stuttgart startete mit „Der Frosch mit der Maske“ und erst Anfang der 1970er-Jahre endete.
G wie Goldmann, Wilhelm
Der Verleger brachte in den 1920er-Jahre die deutsche Übersetzung des Afrikaromans „Sanders of the River“ („Sanders vom Strom“) heraus und legte damit den Grundstein für die Liebe der Deutschen zu Edgar Wallace. 1929 reist Wallace nach Leipzig, um dort Taufpate für Goldmanns Sohn zu werden. Eine Menschenmenge empfing den Autor bei seiner Ankunft und ein Journalist rief ihm zu: „Mister Wallace, ich kenne Ihren Namen, habe aber noch nie ein Buch von Ihnen gelesen!“ Wallace soll daraufhin seinem Verleger zugemurmelt haben: „Mein lieber Wilhelm, ist dieser Mann ein Analphabet?“
H wie Hitler, Adolf
Gehörte angeblich zu den Fans des Autors, wie übrigens auch der britische König George V.
I wie Insider-Tipp
Bei mehr als 170 Büchern stellt sich natürlich die Frage: Welches ist das beste? Der Meister selbst hielt „The Fellowship of the Frog“ („Der Frosch mit der Maske“) von 1925 für seinen gelungensten Krimi.
J wie Jim
Spitzname von Edgar Wallace zweiter Ehefrau Violet King. Seinen Heiratsantrag machte der Schriftsteller eher beiläufig mitten im Diktat zum Roman „The Three Oaks Mystery“ („Bei den drei Eichen“): „Wie wäre es, wenn wir beim Standesamt vorbeischauen und herausfinden, was wir tun müssen?“
K wie Kinski, Klaus
Er sammelte als Darsteller zwielichtiger Charaktere in der Edgar-Wallace-Filmreihe grundlegende Erfahrungen als Filmbösewicht.
L wie London
Der Großteil von Wallace Romanen spielt zumindest teilweise in London, die Themse fließt im Hintergrund träge vorbei.
M wie Montreux
In der Nähe von Montreux in der Schweiz pflegte Wallace mit seiner Familie den Winterurlaub zu verbringen, standesgemäß im mondänen Caux Palace Hotel.
N wie Niederlagen
Steckte Wallace meist schnell weg, auch wenn er in seinen letzten Lebensjahren etwas dünnhäutiger wurde. Die Premiere seines Theaterstücks „Smoky Cell“ etwa geriet im Jahr 1930 zu einem kompletten Desaster. Einer der Darsteller vergaß ständig seinen Text und ein anderer Schauspieler verletzte sich zum Entsetzen des Publikums, weil plötzlich ein Revolver in seiner Hosentasche losging.
O wie Orang-Utan
In den USA erschien 1925 die Erzählung „The Hairy Arm“. Darin kam ein Orang-Utan vor, der an Gebäuden emporkletterte und einem weiblichen Filmstar nachstellte. In gewisser Weise ein Vorgriff auf Wallace letztes großes Projekt: das Drehbuch für „King Kong und die weiße Frau“.
P wie Pferde
Wallace war verrückt nach Pferden und vor allem nach Pferderennen. Im Jahr 1923 erstand er sein erstes Pferd. Seine Leidenschaft sollte ihn ein Vermögen kosten. Jockey Jack Leach fasste die ganze Misere einmal so zusammen: „Er dachte, dass er alles über Pferderennen wüsste. Ich habe niemals einen Mann getroffen, der weniger davon verstand.“
Q wie Queen Victoria
Der Schriftsteller war ein Kind des viktorianischen Zeitalters, als das britische Empire auf dem Zenit stand. An das Goldene Kronjubiläum von Königin Viktoria 1887 hatte Wallace folgende Erinnerungen: „Ich ging in den Hyde Park, trank süße Limonade, jubelte der falschen Dame im königlichen Festzug zu und erhielt einen Jubiläumsbecher.“
R wie Radio
Auf das Radio hielt Wallace große Stücke: „Es ist mir eine Freude, vor diesem Wunderkasten zu sitzen und mit einer Drehung des Handgelenks einem Deutschen zuzuhören, der einen Vortrag über Hygiene hält, als befände ich mich im Nebenzimmer.“
S wie Sex
Sex kommt in den Romanen von Wallace praktisch nicht vor. Das sei die billigste Art, beim Schreiben zum Erfolg zu kommen, „vorausgesetzt man hat genügend schmutzige Gedanken“, war der Autor überzeugt.
T wie Tarzan
Eine tragikomische Episode rankt sich um die letzte Reise des frisch verblichenen Schriftstellers, die er zunächst mit der Eisenbahn absolvierte. Der Brite Ivor Novello hatte denselben Zug gebucht. Er kam von den Arbeiten zum Drehbuch für „Tarzan, der Affenmensch“. Als ein Träger Novello sagte, dass ein Landsmann von ihm ebenfalls an Bord sei, reagierte dieser begeistert: „Ach, dann fragen Sie ihn doch, ob er ein Glas mit mir trinken will.“ Die ernüchternde Antwort des Trägers: „Könnte ein wenig schwierig werden, Boss. Er liegt im Güterwaggon im Sarg.“
U wie Übersinnliches
In den Romanen spielte Wallace gelegentlich mit paranormalen Phänomenen. In der Wirklichkeit stand er derlei Dingen skeptisch gegenüber und widersprach Sherlock Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle, der meinte, Hellseher könnten Polizisten bei der Jagd nach Kriminellen unterstützen.
V wie Vohrer, Alfred
Alfred Vohrer beeinflusste maßgeblich den Stil der deutschen Edgar Wallace-Reihe. Soll laut Internet-Enzyklopädie wikipedia gelegentlich den berühmten Auftaktsatz „Hallo, hier spricht Edgar Wallace“ selbst eingesprochen haben.
W wie Wixxer
„Der Wixxer“ (2004) und „Neues vom Wixxer“ (2007) heißen die beiden Edgar Wallace-Parodien, zu denen Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka und Oliver Welke das Drehbuch lieferten. Über „Neues vom Wixxer“ urteilte der Filmdienst seinerzeit: „Ein erfrischender Kinospaß, mit Liebe zur Hommage und großem Hang zur Selbstironie inszeniert und gespielt.“
X wie X, Mister
„Scotland Yard“ heißt ein Kultspiel aus den 1990ern, bei dem die Mitspieler einen „Mister X“ quer durch London jagen müssen. Edgar Wallace hätte seine Freude daran gehabt.
Y wie Yard und Inches
Britische Längenmaße. Das imposante Mundstück, in das Wallace seine Zigaretten steckte, war zehn Inches, umgerechnet mehr als 25 Zentimeter lang. Laut Angaben seiner zweiten Frau Violet King wollte er damit den Rauch von seinen Augen fernhalten.
Z wie Zurück in die Zukunft
Wallace verfasste nicht nur Krimis, sondern beispielsweise auch Spionageromane. Darin beschrieb der hellsichtige Autor Erfindungen, die erst ein Vierteljahrhundert später auf den Markt kommen sollten, wie computergesteuerte versteckte Kameras und die Infrarotfotografie.