Arztbesuche

Ärzte fordern Strafgebühren für Terminschwänzer

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung gibt an, dass zehn bis 20 Prozent aller gebuchten Termine nicht wahrgenommen werden.

Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, will mehr Eigenbeteiligung der Patienten.

© dpa/Michael Kappeler

Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, will mehr Eigenbeteiligung der Patienten.

Von Norbert Wallet

Im Gesundheitswesen hat eine neue Debatte um mehr Eigenbeteiligung der Patienten begonnen. Diesmal sind es Ärztevertreter, die das Thema befeuern. Ein Fokus der Debattenbeiträge richtet sich dabei auf von Patienten gebuchte, aber nicht wahrgenommene Arzttermine. Manche Ärzte finden es angemessen, in solchen Fällen eine Strafgebühr zu erheben. So sagte der Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, es sei nicht zu akzeptieren, wenn Patienten zu verbindlich vereinbarten Terminen nicht erschienen. Damit nähmen sie anderen Termine weg. Maske schlägt in solchen Fällen „ein Ausfallhonorar von bis zu 100 Euro, je nach Länge des vorgesehenen Termins“, vor. Das sei ein Weg „Patienten zu sensibilisieren“.

Medizinischer Fortschritt verteuert das Gesundheitswesen

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, gibt an, dass „10 bis 20 Prozent der gebuchten Termine nicht wahrgenommen“ würden. Auch er hält eine Ausfallgebühr für sinnvoll und spricht von „10 bis 20 Euro“. Sie solle von den Krankenkassen zu zahlen sein. Gassen warnte davor zu glauben, angesichts des gigantischen medizinischen Fortschritts könne das Gesundheitssystem auf Dauer billiger werden. Er halte deshalb sozial abgepufferte Selbstbeteiligungselemente für sinnvoll, sagte er im Deutschlandfunk. Die Alternative sei, dass man priorisieren müsse und etwa ab einem gewissen Alter einige Operationen nicht mehr durchführe.

Die Unterhändler von Union und SPD hatten in ihren Koalitionsverhandlungen die Einführung eines verpflichtenden Primärarztsystem zur Reduzierung von Arztkontakten vereinbart. Durch die bessere Steuerung sollen auch die Terminvergaben besser funktionieren. Weitere Vorstellungen einer verstärkten Eigenbeteiligung von Patienten wurden nicht vereinbart. Solche Ideen hatte es in der Union gegeben, wo auch die Wiedereinführung der Praxisgebühr im vergangenen Jahr im Gespräch gewesen war.

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Erstellt:
1. April 2025, 14:26 Uhr

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