Jahrestag des Zugunglücks

Größter Protest in der Geschichte Griechenlands – Krawalle

Die Griechen fordern die Aufklärung des schweren Zugunglücks vor zwei Jahren mit 57 Toten – und ziehen zu Hunderttausenden auf die Straßen. Randalierer nutzen die Gelegenheit für Ausschreitungen.

Vermummte schleuderten nach der Demo in Athen Brandsätze.

© Thanassis Stavrakis/AP/dpa

Vermummte schleuderten nach der Demo in Athen Brandsätze.

Von dpa

Athen - Selbst zu Zeiten der schweren Finanzkrise gab es keine solch großen Demonstrationen: Zu Hunderttausenden sind die Menschen in Griechenland landesweit auf die Straße gegangen, um an das schwere Zugunglück vor zwei Jahren in Tempi mit 57 Toten zu erinnern. Sie fordern von der Regierung Aufklärung und die Bestrafung der Verantwortlichen. 

Allein in Athen protestierten der Polizei zufolge rund 170.000 Menschen. Nach Ende der Veranstaltung randalierten Hunderte Autonome und Hooligans und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. 29 Menschen wurden leicht verletzt.

"Nein zur Vertuschung"

Die Menschen werfen der Regierung vor, die Umstände des Frontalzusammenstoßes zwischen einem Güter- und einem Personenzug am 28. Februar 2023 in Tempi nicht ordentlich aufzuarbeiten. "Nein zur Vertuschung" und "Wir vergessen nicht" stand auf den Plakaten der Demonstranten. 

Diese Woche wurde nach zwei Jahren erstmals ein offizieller Bericht der Behörde für Unfälle im Luft- und Bahnverkehr vorgestellt. Darin ist vom desolaten Zustand der griechischen Bahn ebenso die Rede wie von der mangelnden Qualifikation des Bahnvorstehers, der einen der Züge aufs falsche Gleis geschickt hatte. Auch die kaum funktionstüchtige Sicherheitstechnik auf der Strecke wurde angeführt.

Schwere Ermittlungsfehler

Zudem stellte die Behörde schwere Ermittlungsfehler im Anschluss an das Unglück fest. So sei unter anderem die Unglücksstelle nicht richtig kartiert worden, auch hätten Feuerwehr, Rettungskräfte und Polizei ihre Einsätze nicht koordiniert. Beweismaterial sei dadurch abhandengekommen oder vernichtet worden – unter anderem, als ein Teil des Unfallorts zementiert wurde, damit Kräne installiert werden konnten, um die zertrümmerten Waggons zu bewegen.

Offen blieb in dem Bericht, ob an Bord des Güterzugs wirklich verbotenerweise ein brennbarer Gefahrstoff transportiert wurde, wie die Familien der Opfer vermuten.

Verletzte und Festnahmen

Im Anschluss an die Demos in Athen und Thessaloniki kam es zu Ausschreitungen zwischen Autonomen und der Polizei. Allein in Athen sollen laut Polizeiangaben zwischen 500 und 700 Vermummte randaliert und Brandsätze geschleudert haben. 

Die Beamten setzten Tränengas und Wasserwerfer ein. Es gab 20 Festnahmen, 70 Menschen wurden in Gewahrsam genommen. 29 Menschen, darunter fünf Polizisten, seien verletzt und in Krankenhäusern behandelt worden, berichtete der Nachrichtensender ERTnews unter Berufung auf Rettungskräfte. Bei den Verletzungen handele es sich um Brandwunden und Atemwegsbeschwerden, in Lebensgefahr befinde sich niemand, hieß es.

Rund 500 bis 700 Vermummte sorgten bei der Demonstration in Athen für Chaos.

© Thanassis Stavrakis/AP/dpa

Rund 500 bis 700 Vermummte sorgten bei der Demonstration in Athen für Chaos.

Bei dem schweren Zugunglück starben 57 Menschen. Das sorgt für Trauer und Wut bei Demonstrationen im ganzen Land.

© Socrates Baltagiannis/dpa

Bei dem schweren Zugunglück starben 57 Menschen. Das sorgt für Trauer und Wut bei Demonstrationen im ganzen Land.

Rund 170.000 Menschen gingen allein in Athen auf die Straße.

© Thanassis Stavrakis/AP/dpa

Rund 170.000 Menschen gingen allein in Athen auf die Straße.

Die Angehörigen der Opfer fordern Klarheit.

© Petros Giannakouris/AP/dpa

Die Angehörigen der Opfer fordern Klarheit.

So viel Mobilisierung wie noch nie: Hunderttausende Demonstranten gingen landesweit auf die Straße.

© Socrates Baltagiannis/dpa

So viel Mobilisierung wie noch nie: Hunderttausende Demonstranten gingen landesweit auf die Straße.

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Erstellt:
28. Februar 2025, 13:10 Uhr
Aktualisiert:
28. Februar 2025, 17:48 Uhr

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