Überschwemmung

Australiens Outback versinkt im Regen

Eine der trockensten Regionen der Erde könnte sich auf Monate in eine üppige Landschaft verwandeln. Doch bis dahin kämpfen die Menschen vor Ort gegen die Wassermassen.

Landunter nach schweren Regenfällen in Thargomindah im australischen Bundesstaat Queensland

© imago//AAP

Landunter nach schweren Regenfällen in Thargomindah im australischen Bundesstaat Queensland

Von Barbara Barkhausen

Eromanga liegt mehr als tausend Kilometer westlich der Metropole Brisbane und gilt als die am weitesten vom Meer entfernte Stadt Australiens. Hier im Outback herrscht ein heißes und trockenes Klima. Doch im Augenblick versinkt die 100-Einwohner-Gemeinde im Wasser. Monsunartige Regenfälle haben das Landesinnere des australischen Bundesstaates Queensland heimgesucht. Betroffen sind 700 000 Quadratkilometer. Medien sprechen von den schlimmsten Überschwemmungen seit 50 Jahren. In manchen Gemeinden fiel innerhalb weniger Tage so viel Regen wie sonst in zwei Jahren.

Erst vor wenigen Wochen wurde Queensland von dem tropischen Wirbelsturm Alfred getroffen, der ungewöhnlich weit nach Süden vordrang und in und um Brisbane heftige Winde und Regenfälle mit sich brachte. Nun haben sich die schweren Regenfälle ins Landesinnere verlagert und normalerweise staubtrockene Regionen wie die Munga-Thirri-Simpson-Wüste in Binnenmeere verwandelt.

Sandige Straßen werden Schlammpisten

In einer der trockensten Regionen der Welt wegen Hochwassers gerettet zu werden, ist eine absolute Seltenheit. Doch genau das passierte einem 66-jährigen Australier – er musste per Hubschrauber aus den Fluten geborgen werden. „Ich dachte, ich würde davontreiben“, sagte Tony Woolford dem Sender ABC nach seiner Rettung. Woolford saß fünf Tage lang in seinem Geländewagen auf der Madigan Line fest, einer Offroad-Route durch die Simpson-Wüste, die auf den Entdecker Cecil Madigan zurückgeht. Der starke Regen hatte die sandige Strecke in eine Schlammpiste verwandelt. Das Wasser stieg unaufhörlich, bis er schließlich per Hubschrauber in Sicherheit gebracht wurde.

Don Rowlands, der die Rettung koordinierte, hat in seinen 31 Jahren als Wüstenranger unzählige Einsätze im südwestlichen Outback von Queensland erlebt. Doch so etwas wie diese Rettung sei einzigartig: „Ich habe noch nie jemanden gesehen, der in der Wüste aus Hochwasser gerettet wurde“, sagte er dem „Guardian“.

Airport dient als provisorisches Krankenhaus

Rowlands berichtete weiter, dass der 1500 Kilometer westlich von Brisbane gelegene Ort Birdsville seit über einer Woche von der Außenwelt abgeschnitten sei. Adavale, knapp 740 Kilometer östlich von Birdsville, musste evakuiert werden. In den Gemeinden Jundah, Stonehenge und Windorah übertraf der Wasserstand den historischen Höchstwert von 1974. Bewohner und Bewohnerinnen der Gemeinde Thargomindah mussten die Nacht in ihren Autos verbringen, nachdem auch dort ein Rekordhochwasser verzeichnet wurde. Der örtliche Flughafen wurde zur Notunterkunft umfunktioniert und dient als provisorisches Krankenhaus.

„Es ist einfach verheerend“, sagte die junge Landwirtin Emily Green in einem auf Social Media geposteten Video. Ihre Familie habe mitansehen müssen, wie Haus, Nebengebäude, der Hubschrauber, Landmaschinen, Schuppen und all ihre Fahrzeuge von den Fluten mitgerissen wurden. „Der Gedanke, unser Vieh in den Fluten zu verlieren, ist für mich unerträglich“, sagte sie.

Schätzungen des Queensland Department of Primary Industries gehen davon aus, dass rund 69 000 Rinder und 67 000 Schafe vermisst oder tot sind. „Das, was die Menschen in West-Queensland derzeit durchmachen, kann man nur als herzzerreißend bezeichnen“, schrieb Landwirtschaftsminister Tony Perrett in einer E-Mail. „Mit ansehen zu müssen, wie Rinder und Schafe, die man über Generationen hinweg versorgt hat, in den Fluten umkommen, muss einfach nur erschütternd sein.“ Queenslands Premierminister David Crisafulli erklärte gegenüber Reportern, dass dies „kein normaler Regen in der Regenzeit“ sei. „Wir haben es mit einem Ereignis von beispiellosem Ausmaß in vielen dieser Gemeinden zu tun.“

See wird auf Monate zum Naturschauspiel

Dass es im Outback so viel regnet, liegt an einer tropischen, feuchtigkeitsreichen Luftmasse, die von den Ozeanen im Norden und Osten weit ins Landesinnere gezogen ist. Das ist zwar auch schon früher vorgekommen, doch die Wassertemperaturen im Meer vor Australien sind derzeit so hoch wie nie zuvor – ein Faktor, der laut Experten den Wasserkreislauf erheblich beschleunigt. In den kommenden Wochen wird sich die gewaltige Wassermenge ihren Weg durch rund 600 Kilometer lange Kanäle bahnen und den Kati Thanda-Lake Eyre im Norden Südaustraliens auffüllen – einen normalerweise ausgetrockneten Salzsee.

„Wenn sich der Kati Thanda-Lake Eyre mit Wasser füllt, entsteht ein atemberaubendes Naturschauspiel“, schreibt der Geograf Steve Turton. Die Wassermassen dürften den See monatelang füllen. Millionen von Salzkrebschen würden dann aus ihren Eiern im trockenen Boden schlüpfen, erklärte Turton. Das wiederum locke Millionen von Wasservögeln an. Auch der Ranger Don Rowlands freut sich: „Das Land wird wie ein Garten sein“, sagte er. „Es wird ein Meer aus Blumen geben.“

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Erstellt:
4. April 2025, 15:50 Uhr

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