Naturphänomen

Blaues Wunder auf Mallorca: Wie giftig sind Segelquallen?

Millionen blauer Segelquallen überziehen derzeit die Strände Mallorcas wie ein schimmernder Teppich. Wie bedrohlich ist das Phänomen?

Segelquallen am Mittelmeer.

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Segelquallen am Mittelmeer.

Von Michael Maier

An den Stränden Mallorcas zeigt sich derzeit ein Naturschauspiel der unangenehmen Art: Riesige Mengen blauer Segelquallen wurden seit dem letzten März-Wochenende an die Küsten gespült. Die toten Meerestiere bedecken ganze Strandabschnitte wie ein blauer Teppich.

Die Quallenflut begann laut Medienberichten im Nordwesten der Insel bei Port de Sóller und breitete sich rasch aus. Nur einen Tag später erreichte sie auch Port d’Andratx im Südwesten. Anfang März war bereits der Strand von Cala Millor im Osten betroffen gewesen.

Segelqualle als „Sankt-Peters-Schifflein“ bekannt

Die kleinen Segelquallen, die selten größer als sechs Zentimeter werden, tragen ihren Namen aufgrund eines charakteristischen, etwa vier Zentimeter langen Segels in S-Form. Mit diesem können sie sich wie kleine Segelboote vom Wind über das Wasser treiben lassen. Im Lateinischen heißen sie „Velella velella“, was sich vom Wort „Velum“ (Segel) ableitet. Volkstümlich sind sie laut der Deutschen Stiftung für Meeresschutz auch als „Sankt-Peters-Schifflein“ oder „Booten des Heiligen Petrus“ bekannt.

Segelqualle nur schwach giftig

Für Badegäste gibt es weitgehend Entwarnung: Die Segelquallen sind für Menschen meist harmlos. Ihre Nesselfäden sind zu schwach, um durch die menschliche Haut zu dringen. Höchstens bei direktem Kontakt mit Augen oder offenen Wunden können leichte Hautirritationen auftreten.

Dennoch stellen die Quallenmassen ein Problem dar: Beim Verwesen verströmen sie einen unangenehmen Geruch und ziehen Insekten an. Das massive Auftreten der Quallen könnte mit steigenden Meerestemperaturen zusammenhängen. 2023 lag die Wassertemperatur im Mittelmeer um Mallorca etwa vier Grad über dem Vergleichszeitraum von 1981 bis 2012. Auch Überfischung von Fressfeinden könnte das ökologische Gleichgewicht zugunsten der Quallen verschoben haben.

Mallorcas Quallenzeit

Das Phänomen ist nicht ungewöhnlich - Frühjahr und Herbst gelten auf Mallorca traditionell als Quallenzeit. Gefährlicher als Segelquallen sind indes Feuerquallen, die im Gegensatz zu den harmlosen Segelquallen durchaus schmerzhafte Reaktionen hervorrufen können.

„Portugiesische Galeere“ auf Mallorca

Besonders gefürchtet ist die „Portugiesische Galeere“ (Physalia physalis), die ebenfalls eine blaue bis violette Färbung aufweist. Ihr Gift kann bei allergischer oder sensibler Veranlagung sogar tödlich sein. Ihre Tentakel werden bis zu 50 Meter lang. Im Mittelmeer gilt sie als selten, auf Mallorca gibt es aber immer wieder einzelne Funde – vorwiegend außerhalb der Sommermonate.

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Erstellt:
2. April 2025, 11:14 Uhr

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