Das Duschverbot in Auenwald ist umstritten

In allen Kommunen im Umland ist das Duschen nach dem Sport noch möglich, nur in den Hallen der Gemeinden Auenwald und Allmersbach im Tal sind die Duschräume geschlossen. Aus Energiespargründen, heißt es. Nicht alle Sporttreibende sind mit der neuen Regelung einverstanden.

Umkleiden offen, Duschen zu, so sieht es in Auenwald und Allmersbach im Tal aus. Symbolfoto: Joachim B. Albers - stock.adobe.com

© Joachim B. Albers - stock.adobe.com

Umkleiden offen, Duschen zu, so sieht es in Auenwald und Allmersbach im Tal aus. Symbolfoto: Joachim B. Albers - stock.adobe.com

Von Florian Muhl

Auenwald. „Wir sind natürlich wenig begeistert, dass die Duschen nicht mehr funktionieren“, sagt Jörg Letzgus. „Im Trainingsbetrieb kann man’s vielleicht noch akzeptieren, aber spätestens dann, wenn Spielbetrieb ist und die Gastvereine kommen, dann ist’s eigentlich fast nicht mehr erträglich“, so der Abteilungsleiter Tischtennis des TSV Oberbrüden weiter. Die Gäste beziehungsweise gegnerischen Spieler würden beispielsweise aus Stuttgart und Heilbronn anreisen. „Dann kommen die aufs Dorf und dort kann man nicht mal mehr duschen“, ärgert sich Letzgus. Nach drei, vier Stunden intensivem Sport sich verschwitzt ins Auto zu setzen, um noch irgendwo was zu essen, das sei unmöglich.

Dass in den Hallen das Wasser abgedreht wurde, ist in der jüngsten Gemeinderatssitzung der Öffentlichkeit bewusst geworden. Auf der Tagesordnung standen die Sparmaßnahmen im Rahmen der beschlossenen Energieleitlinie. „Ich habe gehört, man darf in Oberbrüden in der Halle nicht mehr duschen?“ Ob das richtig sei, hatte Nicole Birkenbusch, Fraktionssprecherin der Neue Liste (NLA), den Stein ins Rollen gebracht. „Wir haben das Gebäudemanagement mit dem Hauptamt abgestimmt, was die Nutzung der Hallen angeht, und da haben wir einfach festgestellt, dass es aktuell bei der Nutzung unwirtschaftlich ist, die Duschräume deutlich mehr zu beheizen als die gesamte Halle“, lautete die Antwort von Pierre Mayer. „Daher haben wir gemeinsam entschieden, dass wir jetzt im Sinne des Energiesparens aktuell auf das Beheizen der Duschräume verzichten“, so der Bauamtsleiter weiter.

„Nur durch solidarisches Verhalten kann Energie gespart werden“

Nach dem Bericht in der BKZ hatte die Gemeindeverwaltung die Vereine informiert. „Im Zuge der von der Bundesregierung beschlossenen Energiesparmaßnahmen aufgrund der Mangellage beim Gas und der massiven Preissteigerungen sind auch wir als Kommune dazu angehalten, unseren Beitrag zur Energieeinsparung im maßvollen Rahmen zu leisten und in dieser schwierigen Zeit mit gutem Beispiel voranzugehen“, schreibt Bürgermeister Kai-Uwe Ernst. Und weiter: „Nur durch solidarisches Verhalten kann Energie gespart werden.“

Einige Zeilen weiter listet Ernst die Regeln auf, die bis auf Weiteres gelten:

„Sportbetrieb in den Hallen und Nebenräumen: 15 Grad

Umkleideräume: 15 Grad

Duschräume bleiben für den Übungsbetrieb geschlossen

Für größere Veranstaltungen (vorherige Absprache mit der Verwaltung!) in den Versammlungsstätten, Räumen und Sälen: 19 Grad

Sollten Sie aufgrund von Turnieren zwingend die Duschen benötigen, so bitten wir um eine rechtzeitige Information hierüber, wenn Sie die Hallen anfragen.“

Die Abteilung Tischtennis hat solch eine größere Veranstaltung vor der Brust. „Wir haben für den Großspieltag am 26. November bei der Gemeinde beantragt, die Duschen dafür zu öffnen. Das war am vergangenen Freitag“, sagte gestern Abteilungsleiter Letzgus. „Wir haben aber bis heute noch keine Rückmeldung, ob das auch funktioniert.“ Auch Ingo Dupper, Vorsitzender des TSV Lippoldsweiler, wurde von der Gemeinde über das Duschverbot informiert und leitete wiederum das Schreiben an seine Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter weiter. Allerdings hatte er keine Reaktionen darauf erhalten, weder positive noch negative, weder vom Wettkampfturnen noch vom Freizeitsport Turnen.

In Allmersbach bleiben die Duschen vorerst auch zu

„Da die Kinder nie vor Ort duschen, ist die Thematik der aktuell nicht vorhandenen Duschmöglichkeit in den Sporthallen der Gemeinde Auenwald aus Sicht des Jugendfußballs grundsätzlich unproblematisch“, sagt Jens Marbaz, Jugendleiter beim TSV Oberbrüden. „Ob man die Duschen vollständig außer Betrieb setzen muss würde ich infrage stellen. Es lässt sich auch kälter oder ganz kalt duschen“, so Marbaz weiter.

Eine Nachbargemeinde Auenwalds hat sich ebenfalls dazu entschlossen, entsprechende Energiesparmaßnahmen durchzusetzen. „In Allmersbach im Tal werden in der Turn- und Versammlungshalle die Duschen nicht genutzt. Dies wird vorerst so bleiben“, teilt Hauptamtsleiterin Anna Seitz mit. Dort allerdings wird in normalen Zeiten sowieso wenig geduscht. „Uns trifft es nicht“, sagt Gundi Weirich vom TSV Allmersbach im Tal. „Wir sind nur im Gymnastikraum. Und die zwei oder drei, die sonst geduscht haben, sind mit der Regelung einverstanden“, so die Vorständin und Abteilungsleiterin Freizeitsport weiter.

Das Thema Duschverbot aus Energiespargründen beurteilt man in allen anderen Kommunen im Umland allerdings ganz anders. In den Städten Backnang und Murrhardt sowie den Gemeinden Althütte, Burgstetten, Kirchberg an der Murr, Oppenweiler, Spiegelberg, Sulzbach an der Murr und Weissach im Tal stehen den Sporttreibenden die Duschen offen. Natürlich soll auch in diesen Kommunen gespart werden. So teilt Michael Heinrich, Leiter des Haupt- und Ordnungsamts in Sulzbach, mit: „Bei uns erging der Hinweis, das Duschen auf das notwendigste Minimum zu beschränken.“ Und aus Kirchberg heißt es: „In der Sporthalle gibt es im Betrieb keine Einschränkungen. In der Gemeindehalle wurde die Warmwasserzufuhr unterbrochen, da hier die Duschen kaum bis gar nicht genutzt wurden. Die Nutzer sind natürlich angehalten, sich in allen Bereichen, und somit auch beim Duschen, ressourcenschonend zu verhalten“, so Haupt- und Ordnungsamtsleiterin Hanna Selig.

„Der Nutzen einer Energieeinsparung darf in Zweifel gezogen werden“

Murrhardts Bürgermeister Armin Mößner stellt das Einsparpotenzial geschlossener Duschen ganz infrage. „Der Nutzen einer Energieeinsparung in diesem Bereich darf durchaus in Zweifel gezogen werden. Duschen werden die Sportler nach dem Training ja trotzdem, wenn nicht in der Halle, dann im privaten Bereich. Ob das dezentrale Duschen und Erzeugen von Warmwasser wirtschaftlicher ist in puncto Energieverbrauch ist fraglich“, meint Mößner. Außerdem gehöre das Duschen in Sporthallen einfach zum Training und Sportunterricht dazu, es sei – dem Gesetzestext nach – ein gewöhnlicher betrieblicher Ablauf.

Murrhardts Bürgermeister weist auf ein weiteres, gesundheitsrelevantes Problem hin: „Wir beziehen uns auf die Legionellengefahr, die in Hallen an den Duschen nicht verkannt werden darf. Um der Legionellengefahr zu begegnen, müssen die Duschen hochgeheizt werden.“ Zur Gefahr der Legionellenbildung sagt Auenwalds Bürgermeister Ernst: „Unsere Hausmeister schauen danach, dass die Duschen entsprechend auch mal durchgespült werden, natürlichem in einem sparsamen Maß. Die machen einen Rundgang einmal in der Woche.“

Kommentar
Nichts gespart

Von Kornelius Fritz

Energiesparen ist das Gebot der Stunde, damit unser Land trotz begrenzter Gasvorräte gut durch den Winter kommt. Dass auch Städte und Gemeinden hierzu ihren Beitrag leisten müssen, ist klar. Wenn Kommunen wie Auenwald und Allmersbach im Tal nun allerdings anfangen, die Duschen in ihren Sporthallen abzusperren, schießen sie über das Ziel hinaus. Denn eines ist doch klar: Wer sich beim Sport verausgabt und schwitzt, muss hinterher duschen. Wenn das in der Halle nicht geht, werden die Sportlerinnen und Sportler es eben zu Hause tun. In Summe wird durch eine solche Maßnahme deshalb allenfalls die Gemeindekasse geschont, aber keine Kilowattstunde Energie eingespart. Gleichzeitig leidet das Vereinsleben, wenn die Sportlerinnen und Sportler direkt nach dem Training nach Hause eilen, statt sich nach dem gemeinsamen Duschen vielleicht noch auf ein Getränk im Clubheim zu treffen. Sparen auf Kosten der Vereine und ihrer Mitglieder – das kann nicht der richtige Weg sein.

k.fritz@bkz.de

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Erstellt:
9. November 2022, 06:00 Uhr

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