Möbelmesse Mailand
Das sind die spannendsten Design-Neuheiten 2023
Auf der Mailänder Einrichtungsmesse, dem Salone del Mobile, sind Trends beim Wohnen zu entdecken – auch Neuheiten von Stuttgarter Designern. Ein Überblick.

© Hersteller/Andres Valbuena
Leuchten im Fokus der Mailänder Möbelmesse – diese Modelle hat die britische Designerin Ilse Crawford für den Hersteller Ames entworfen. Auch im Trend sind große Esstische, gern mit Marmor.
Von Nicole Golombek
Es grünt und blüht allerorten auf der Mailänder Möbelmesse. Und auch die Möbelindustrie inszeniert sich dort gern nachhaltig. Der italienische Leuchtenhersteller Foscarini etwa hat seinen Showroom am Corso Monforte von außen in schöner Wildheit begrünen lassen. Eine der Neuheiten ist „Fregio“, eine Leuchte mit ornamentalem Ranken-Blumen-Muster aus Keramik.
An Messeständen finden sich ebenfalls jede Menge Pflanzen, zum Beispiel bei dem spanischen Hersteller Isimar, der Sonnenliegen präsentiert, die wie filigrane Schlitten mit opulenten Auflagen ausschauen, sowie Sofas, die in die gute Stube passen könnten.
Ohnehin lassen sich Innen- und Außenwelt nicht immer scharf trennen, wie die weltgrößte Einrichtungsmesse noch bis zum 23. April zeigt, Sessel und Liegen für den Garten sind so wohnlich gestaltet, dass sie gut und gern auch als Schlafzimmermöbel oder fürs Wohnzimmer als Sofa taugen.
Wer wenig Platz hat, kann sich überlegen, seine Stühle im Sommer einfach nach draußen zu stellen – dann muss er im Winter nichts verstauen und spart Geld, weil er nur einmal vier Stühle kaufen muss. Diese können dann hochwertiger sein – und halten länger, was auch wieder Punkte auf dem Gutes-Gewissen-Nachhaltigkeitskonto gibt.
Weicher sitzen
Ein weiterer Megatrend beim Wohnen sind gepolsterte Stühle und Sessel, die sich um große Esstische gruppieren lassen – gerne auch aus Marmor. Innenarchitekten werden immer häufiger mit Wohnwünschen konfrontiert, in denen das klassische Wohnzimmer mit Couch und Sessel kein Thema mehr ist. Zum Fernsehen brauchen Menschen oft kein Sofa mehr, weil sie auf ein TV-Gerät verzichten, Nachrichten und Filme auf dem Laptop schauen – im Bett oder höchstens in einem Sessel fläzend.
Wer Gäste hat, verbringt die Zeit mit ihnen meist am großen Esstisch. Und da hat man es gern bequem. Der Möbelhersteller Thonet hat den Polsterstuhl 520 nach einem Entwurf von dem 1976 in Meran geborenen Designer Marco Dessi geschaffen, der traditionelle Bugholzelemente mit einer modernen Ästhetik kombiniert.
Die Stuttgarter J+L Designer Markus Jehs und Jürgen Laub haben für den deutschen Möbelhersteller COR den gepolsterten Esstisch-Stuhl „Jalis“ nun auch in einer ebenso üppig gepolsterten Loungeversion entworfen, die Firma präsentiert zudem in mutigem Violett ein Sofa mit Kurven und Rundungen.
Runde Elemente gibt es auch bei dem Raumteiler von Zanat – die immer häufiger auch in Hochglanzmagazinen auftauchende Möbelfirma aus Bosnien hat inzwischen gefragte internationale Designer wie Sebastian Herkner am Start, der diesen handwerklich fein gemachten Paravent entworfen hat. Der in Baden-Württemberg geborene Designer hat mit seinen Entwürfen auch mitgeholfen, Hersteller wie Ames bekannt zu machen, die mit Handwerkern in Kolumbien arbeiten. Da parallel zur Möbelmesse auch Leuchten auf der Euroluce gezeigt werden, präsentiert Ames seine erste Leuchte im Programm in Italien - der Entwurf stammt von der britischen Designerin Ilse Crawford.
Neben derlei Neuheiten und Entdeckungen von Designtalenten zeigen sich große Hersteller ziemlich konservativ. Wer welche im Programm hat, präsentiert seine Klassiker im neuen Gewand, mit neuen Polstern, Farben, erweitert die sich gut verkaufenden Produktlinien.
Carl Hansen & Son bringen Vilhelm Lauritzens „Monarch“-Stuhl von 1944 heraus, von dem Stuhl des dänischen Architekten wurden ursprünglich nur zehn Exemplare produziert, diese sind begehrte Sammlerstücke auf Auktionen weltweit. Auch dies ein kleiner Trend – Möbel von namhaften Architekten.
Der japanische Möbelhersteller Karimoku Furniture und die Designabteilung der Architektin Zaha Hadid haben eine Kollektion „Syun“ entworfen, und es gibt eine Kollektion von Architektenberühmtheit Norman Foster. In Zeiten von Inflation und Krise sollen so vermutlich berühmte Namen als Qualitätsausweis den Verkauf steigern.
Klassiker im neuen Gewand
Hersteller Fritz Hansen aus Dänemark, zeigt, dass Arne Jacobsen auch feingliedrige Schreibtische entwerfen konnte und präsentiert den „FH 3605“ aus dem Jahr 1955 auf der Messe – und rückt zugleich auch den etwas karger, strenger entwerfenden Poul Kjaerholm mit wieder aufgelegten Sesseln aus den 50ern ins Scheinwerferlicht.
Was eine gute Idee ist, weil der sogenannte der Midcentury-Stil ungebrochen en vogue ist. Thonet wiederum bringt den ikonischen Freischwinger „S 32“ nach Entwürfen von Marcel Breuer aus den 1920ern als kompakten Loungesessel auf den Markt – mit Wiener Geflecht und auch in einer Sitzpolster-Variante.
Runde Formen
Das dänische Design-Unternehmen Gubi besinnt sich einen Entwurf aus den 1950ern – einen kapriziös gebogenen Sessel „Tropique Dining Chair“ , der an den lässigen Charme der Côte d’Azur der 1920er erinnern soll. Leicht waren die Zeiten damals auch nicht, wenn gefeiert und relaxt wurde, dann oftmals auch aus Erschöpfung über die Zumutungen der Gegenwart.
Passt also genauso wie der Trend zu kantenlos weichen Entwürfen – als wollte man Kunden vor den Zumutungen des Lebens, der Härte des Alltags schützen und sie in wolkig weiche Sitzgelegenheiten fallen lassen.

© LT Architekturfotografie Laura Thiesbrummel /Hersteller COR
Wie in wattige Wolken fallen: Der „Jalis-Club-Chair“ der Stuttgarter Designer Jehs+Laub für den Hersteller COR.

© LT Architekturfotografie Laura Thiesbrummel /Hersteller COR
Auch der Loungechair „Shrimp“ von Jehs+Laub für COR ist auf der Messe in Mailand ausgestellt.

© LT Architekturfotografie Laura Thiesbrummel/Hersteller COR
Üpige Rundungen: Sofa für COR

© ClassiCon
Plissée-Leuchte für Classicon von dem aus Bad Mergentheim stammenden Designer Sebastian Herkner.

© Hersteller
Runde Formen im Eckigen: Raumteiler von Sebastian Herkner für Zanat aus Bosnien.

© Hersteller/Andres Valbuena
Die deutsch-kolumbianische Firma Ames präsentiert ihre ersten Leuchten, entworfen von Ilse Crawford, einer der führenden britischen Designerinnen. Jede Leuchte besitzt einen handgefertigten, kegelförmigen Keramikschirm mit einer glasierten Innenseite, die ein warmes Licht erzeugt. Die Oberseite des Schirms ist in fünf Farben erhältlich

© Foscarini/Massimo Gardone
Florale Keramik, die erhellt – Leuchte von Foscarini.

© www.yellows.dk/Hersteller
Carl Hansen & Sons bringt einen Stuhl auf den Markt, von dem es einst nur zehn Exemplare gab, entworfen 1944 von dem dänischen Architekten Vilhelm Lauritzen.

© Hersteller
Aber auch Neues bringt Carl Hansen & Son heraus – für müde Füße: den „Sideways Fußsessel“ der 1973 geborenen dänischen Designerin Rikke Frost und . Er ergänzt ihr Sideways Sofa aus dem Jahr 2021.

© Hersteller/Carl Hansen & Son
. . . der Fußschemel ergänzt das Sideways Sofa aus dem Jahr 2021.

© Hersteller
Entwürfe von Poul Kjaerholm „PK4“ rücken beim Hersteller Fritz Hansen ins Zentrum.

© Hersteller /Fritz Hansen
So auch dieser interessant geschwungene Stuhl von Poul Kjaerholm, auf dem es sich tatsächlich . . .

© Hersteller/Fritz Hansen
. . . auch gut sitzen lässt.

© Hersteller/Fritz Hansen
Aus dem Archiv – immer noch schön: Schreibtisch „FH 3605“ aus dem Jahr 1955 von Arne Jacobsen samt dem berühmten Stuhl der Serie7, hier auf Rollen. So wird es auch das Homeoffice geschmackvoll.

© Hersteller
Gepolsterte Stühle liegen im Trend – so wie die Esstisch-Stühle „520“ von Thonet nach einem Entwurf von Marco Dessi.

© Gubi
Schickes aus den 1950ern neu im Programm bei Gubi: der „Tropique Dining Chair“ von Matheu Matégot.

© Thonet
Ein Erfolgsmodell in neuer Form, der Freischwinger S32 von Thonet mit Wiener Geflecht als niedrige Loungevariante- erhältlich auch gepolstert.

© Hersteller/Freifrau
Noch eine Produktvariation. Zu den 2021 eingeführten „Grace“-Stühlen von Freifrau gesellen sich ein Lounge Chair. Das Designerduo Hoffmann Kahleyss entwickelte einen grazilen Sessel, welcher sowohl mit einer hohen als auch einer niedrigen Rückenlehne erhältlich ist, und dazu einen passenden Fußhocker. Wie der Stuhl, so lebt auch der Sessel durch den Bezug aus hochwertigem Neckleder.

© Hersteller
Outdoor-Möbel, grün umrankt auf der Möbelmesse Mailand, von Isimar aus Spanien.

© dpa/Lapresse.Alessandro Bremec
Schön bunt. Blick auf Möbel der Ausstellungsfläche „Wohnzimmer§ am Eröffnungstag des Salone del Mobile 2023, der Mailänder Möbelmesse. Die Messe dauert bis zum 23. April.