Fußball und Architektur
Das sind die spektakulärsten Fußballstadien
Eine berauschende Atmosphäre in einem Fußballstadion kommt nicht nur von den Mannschaften und ihren Fans. Es ist auch die Architektur der Arena, die ein Spiel zum Erlebnis macht. Hier unsere Auswahl der architektonisch spektakulärsten Stadien.

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Das „Olympic National Stadium“ in Peking war ein Austragungsort der Olympischen Spiele 2008.
Von Tomo Pavlovic
Sportliche Großveranstaltungen sind internationale Medienereignisse. Neben den Sportlern und den jubelnden Fans ist die Stadion-Architektur die Hauptakteurin. Moderne Stadien sind im besten Fall touristische Anziehungspunkte wie auch Prestigeobjekte des ausrichtenden Landes.
Häufig werden Sportstätten deshalb eigens zum Termin errichtet – hier zeigt der Gastgeber, was in Sachen Stadion-Architektur möglich ist. Die Herausforderungen wachsen dabei stetig.
Renommierte Architekturbüros
Nicht nur die enormen Größen von bis zu 100 000 Zuschauerplätzen, auch Sicherheitsaspekte, die gewünschte dichte Akustik, die Wahrung von Vereinstraditionen und immer häufiger Nachhaltigkeitsvorgaben machen die Architektur von modernen Stadien zu Meisterwerken – nicht selten, weil man bekannte Architekturbüros mit den schwierigen Aufgaben betraut hat.
Die Umsetzung ambitionierter Projekte verläuft allerdings nicht immer reibungslos, wie man an der Kritik am Austragungsort der Fußball-WM in Katar sieht. Katar steht vor allem wegen des Umgangs mit Gastarbeitern in der Kritik. Beim Bau der Stadien und anderer Infrastruktur in Katar für die WM wurden massive Menschenrechtsverletzungen dokumentiert.
In der Bildergalerie findet sich eine Auswahl der architektonisch ansprechendsten Fußballstadien unserer Zeit.
Info Architektur
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Das Olympic National Stadium in Peking: Während der Olympischen Sommerspiele 2008 fand in dem Stadion das Finale des Fußballturniers statt. Die Bewohner Pekings zumindest haben für das 320 Meter lange, 300 Meter breite und 70 Meter hohe Gebäude mit der markanten Stahlfassade einen Spitznamen: das Vogelnest.

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Das äußere Stahlgeflecht wurde aus vielzähligen, vorgefertigten Einzelteilen vor Ort zusammengeschweißt – insgesamt wurden 42 000 Tonnen Stahl verbaut. Im Jahr 2009 erhielt das Pekinger Olympic Stadium den IOC/IAKS Award in Gold, den einzigen internationalen Architekturpreis für bereits im Betrieb bewährte Sport- und Freizeitbauten.

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Olympiastadion, München, 1972: Das Stadion, das für die Olympischen Spiele 1972 erbaut wurde, ist bis heute eine beeindruckende Inszenierung von Architektur und Stadtlandschaft, damals die Vision eines neuen Deutschlands. Die Gleichschaltung der Massen wie unter den Nazis wollte man bei den Olympischen Spielen in Deutschland nicht wieder erleben. Sondern jugendliche Beschwingtheit und Transparenz.

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Das Olympiastadion wurde für von dem Stuttgarter Architektenbüro Behnisch & Partner geplant und war Ort für sportliche Veranstaltungen und die Eröffnungs- und Schlusszeremonie. Nach den Olympischen Spielen wurde das Stadion von 1972 bis 2005 hauptsächlich als Heimstätte des FC Bayern München genutzt.

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Allianz Arena, München, 2005: Der großartige und dennoch leicht wirkende Bau erinnert an ein Raumschiff, das gerade auf der Wiese neben der Autobahn gelandet ist. Spötter sprechen von einem Schlauchboot. Wie auch immer: der fast magischen Ausstrahlung dieses Stadions kann sich kaum jemand entziehen, was an der rautenförmigen, transluziden Umhüllung liegt, die den Bau umgibt.

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Dem Architekturbüro Herzog & de Meuron gelang eine heitere, fantasievolle Architektur. Die Architektur selbst feiert das Spiel. Die Außenfassade nimmt verschiedene Farbkombinationen an, sodass das Stadion mal rot, mal blau, mal weiß leuchte. Pulsierend, lebendig, auch nach außen. Das ist nicht unbescheiden, gewiss. Doch diese Sehnsucht nach Aufmerksamkeit hat nichts Protziges oder gar Brutalistisches.

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San Mamés Stadion, Bilbao, 2013: Das Stadion ist seit 2013 die neue Heimspielstätte des Erstligisten Athletic Bilbaos und wurde unmittelbar neben dem alten San Mamés von 1913 errichtet. Der Bau befindet sich am Rand von Bilbao. Den Architekten – der Entwurf stammt von dem spanischen Großbüro ACXT – war es wichtig, dass das gebaute Stadion als urbanes Gebäude neben anderen wahrgenommen wird – und nicht als solitäre Sportstätte.

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Bereiche, die im Stadionbau traditionell als wertlos gelten, wurden beim Stadionbau im spanischen Bilbao aufgewertet, etwa die Areale hinter den Tribünen. Eindrucksvoll ist auch die illuminierte Fassade mit ihrer feingliedrigen Rautenstruktur. 2015 gewannen die Architekten beim World Architecture Festival in Singapur den Preis für das beste neue Sportgebäude der Welt.

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Stade de France, Paris, 1998: Das Stadion ist mit einer Kapazität von 81 338 Zuschauern die mit Abstand größte Arena Frankreichs. Das Faszinierende sind die mobilen Untertribünen. Werden sie herausgefahren, erlauben sie die Einengung auf das Fußball-Spielfeld. Werden sie eingefahren, finden hier Leichtathletik-Veranstaltung statt.

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Regelmäßig finden im Stade de France Konzerte und Freilichtshows statt. Bei Konzerten bietet das Stadion inklusive des Innenraums mehr als 90 000 Besuchern Platz. Die Architekten des Stadions waren Michel Macary, Aymeric Zublena, Michel Régembal und Claude Costantini.

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Tottenham Hotspur Stadion, London, 2019: Das Stadion ist eine asymmetrische Schüssel mit einem Fassungsvermögen von 62 850 Zuschauern und ist wie eine Konzerthalle konzipiert, die eine gute Akustik für eine optimale Atmosphäre bietet. Der „South Stand“ ist mit einem Fassungsvermögen von 17 500 Zuschauern die größte Tribüne im Vereinigten Königreich. Das Vorbild dafür ist die Südtribüne im Dortmunder Signal Iduna Park, die jedem Fußballfan auch als „Gelbe Wand“ bekannt ist.

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Das Stadion in Tottenham verfügt über eine eigene Brauerei sowie ein Hotel mit 180 Betten. Das Tottenham Hotspur Stadium – geplant vom Architekturbüro Populous aus Kansas City – hat seit seiner Eröffnung im April 2019 zahlreiche Architekturpreise erhalten, unter anderem in den Kategorien Hochbau, Architektur, Gebäudedesign, Wegweisung und Inklusion.

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Das al-Janoub-Stadion, Al Wakrah, Katar, 2019: Die Anlage ist einer von acht Austragungsorte für die Fußball-WM 2022 und liegt rund 23 Kilometer vom Zentrum der Hauptstadt Doha entfernt. Neben dem verschließbaren Dach besitzt die Spielstätte ein Kühlsystem, sodass das Stadion trotz des Wüstenklimas ganzjährig genutzt werden kann. Die Form des Stadions ist eine Hommage an die Geschichte der Küstenstadt Al Wakrah.

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Die Dachstruktur scheint aus den auf dem Kopf stehenden Rümpfen der Dhows zu bestehen, den traditionellen Booten der Region. Und die Fassaden erinnern an die Falten der Segel dieser Boote. Andere Motive, die mit der arabischen Kultur zu tun haben, werden für die untere Vorhangfassade verwendet. Das Stadion wurde von AECOM und Zaha Hadid Architects entworfen. Als erste Frau erhielt Zaha Hadid 2004 die bedeutendste Ehrung in der Architektur, den Pritzker-Architekturpreis.