Was geschah am . . . 28. Februar 1525?
Der letzte Herrscher der Azteken wird von den Spaniern hingerichtet
In Mexiko ist Cuauthémoc eine feste Größe. 500 Jahre nach seinem gewaltsamen Tod hat „Sich herabsenkender Adler“, der letzte Herrscher der Azteken, immer noch einen Ehrenplatz im nationalen Gedächtnis.
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© Imago/Dreamstime
Hernán Cortéz und seine spanischen Truppen erreichen Tenochtitlan (zeitgenössische Zeichnung)
Von Markus Brauer/KNA
Als Hernán Cortés (1488-1547) im Jahr 1524 einen Feldzug nach Honduras anführt, nimmt er Cuauhtémoc mit. Er muss befürchtet, dass dieser seine eigene Abwesenheit nutzt, um Tenochtitlan wieder unter die Kontrolle der Azteken zu bringen.
Als Cortés erfährt, dass der letzte Herrscher der Azteken angeblich eine Verschwörung gegen ihn plant, ist das Schicksal Cuauhtémocs besiegelt. Cuauhtémoc wird auf dem Feldzug vermutlich am 26. Februar 1525 erst getauft und dann als Aufrührer gehängt. Mit seiner Witwe Tecuichpoch, einer Tochter von Moctezuma II., zeugt der Konquistador später seine Tochter Leonor Cortés y Moctezuma.
„Adler, der sich auf die Beute stürzt“
Cuauhtémoc verliert alles an Hernán Cortés, den Eroberer: sein Reich, seine Paläste und seine Gemahlin. Cuauhtémoc – das bedeutet „Adler, der sich auf die Beute stürzt“ – ist der letzte Regent über das mittelamerikanische Reich der Azteken, als die Spanier im Jahr 1521 deren Hauptstadt Tenochtitlán erobern.
Einst war sie eine prächtige Lagunenstadt mitten im Texcoco-See mit zahlreichen Kanälen, Gärten, Monumenten und großen Tempeln, bevölkert von 150.000 Einwohnern. Nachdem Cortés’ Soldaten die Stadt geplündert, die Wasserstraßen zugeschüttet und einen Großteil der Gebäude und Paläste zerstört haben, ist vom einstigen Glanz kaum noch etwas übrigegeblieben.
Letzter Azteken-Herrscher wird zu Cortéz’ Gefangenen
Cuauhtémoc wird zwischen 1495 und 1500 als Spross eines alten Adelsgeschlechts geboren. Als Sohn von Auítzotl ist er ein Vetter sowohl von Montezuma II. als auch seines direkten Vorgängers Cuitláuac.
Nach einer Ausbildung zum Krieger und mehreren Feldzügen, wird er 1521 zum Tlatoani, zum Herrscher der Azteken, gewählt. Sein Vorgänger Cuitlahuac stirbt nach nur 80 Tagen Regentschaft an den von den Spaniern eingeschleppten Pocken.
Der neue Herrscher steckt in einem Dilemma: Cortés und seine Truppen befinden sich seit dem Jahr 1519 im Reich und wollen die Stadt Tenochtitlán erobern. Sie versuchen, über die Dämme, welche die Stadt mit dem Festland verbinden, hinein zu gelangen.
Die Azteken verteidigen ihre Stadt bis zuletzt, doch nach fünf Monaten verliert Cuauhtémoc die entscheidende Schlacht. Das Reich der Azteken hört auf zu existieren, ihr letzter Herrscher ist fortan Gefangener der Spanier.
Konquistadoren werden zu „reißenden Wölfen“
1524 ist die Lage in der „Neuen Welt“ verfahren. „Mittelamerika versank in Anarchie und Gewalt“, schreibt der Historiker Wolfgang Behringer.
Die Gier nach Macht und Gold sorgte selbst bei der daran nicht unbeteiligten Regierung im fernen Spanien für Kopfschütteln. „Männer, die wie sanfte Lämmer ausgezogen waren, verwandelten sich nach ihrer Landung in reißende Wölfe und vergaßen alle königlichen Gebote“, schreibt ein Zeitgenosse.
Eine gewaltige Stadt mitten im See
Rückblende: Am 8. November 1519 betritt ein von Cortes angeführter Trupp Tenochtitlan. „Die Stadt selbst liegt mitten in einem See und ist nur über Steindämme zugänglich“, schreibt ein von der Pracht geblendeter Cortes. Auf den Plätzen herrsche geschäftiges Treiben.
„Da gibt es Kleinodien aus Gold und Silber, Blech, Messing, Knochen, Muscheln, Hummerschalen und Federn zu kaufen, Werkzeuge, Vögel, Kleingetier, heilkräftige Kräuter, Gemüse und zahllose andere Dinge.“
Kampflos ziehen die Spanier in Tenochtitlan ein
Der oberste Gebieter Moteuczoma – auch „Montezuma“ genannt – lässt die Spanier zunächst kampflos in das Herz seines Reiches einziehen. Ganz unvorbereitet ist er allerdings nicht.
Seine Kundschafter haben ihm Erstaunliches über die spanischen Rösser und ihre Reiter berichtet: „Sie gehen schnell auf ihren Hirschen.“ Die Waffen seien von furchterregender Durchschlagskraft. „Wenn sie Feuer speien, versetzt es einen in Schrecken. Du würdest schreien, wenn du es hörtest.“
Cuauthémoc organisiert den Widerstand der Azteken
Ob die Conquistadoren in ihren Rüstungen den Azteken tatsächlich wie himmlische Gestalten vorkommen, die einer schon länger erwarteten Rückkehr des Gottes Quetzalcoatl den Weg bereiten, beurteilt die moderne Forschung zurückhaltend. Auf jeden Fall lässt „der gewaltige Kaiser“ Moteuczoma, wie Cortes ihn nennt, den Spaniern höchste Ehren angedeihen.
Doch der trügerische Friede endet jäh. Ab Mai 1520 kommt es zu schweren Zusammenstößen, provoziert durch ein Massaker von Cortes’ Mitstreiter Pedro de Alvarado an aztekischen Adeligen. Die Tage des von den Spaniern festgesetzten Montezuma sind gezählt, den militärischen Widerstand organisiert sein Nachfolger Cuauthémoc.
Bei der Flucht wird Cuauthémoc gefangen genommen
Eine Zeit lang sieht es so aus, als könnten die Azteken die Spanier zurückschlagen. Doch die von den Europäern eingeschleppten Pocken dezimieren die Truppen des Tlatoani. Cortés gelingt es, die mit den Azteken rivalisierenden Tlaxcalteken als Bundesgenossen zu gewinnen. Als Cuauthémoc im August aus Tenochtitlan zu fliehen versucht, wird er gefangen genommen.
Der Sieger Cortés nutzt die Gunst der Stunde. An die Stelle von Montezumas Palast lässt er seine Residenz errichten. Aus den Überresten des Haupttempels entsteht die größte und älteste Kathedrale Amerikas. Die neu errichtete Stadt trägt den Doppelnamen Mexiko Tenochtitlan.
Ein Adler weht auf Mexikos Flagge
Heute ist daraus die Millionenmetropole Mexiko-Stadt geworden. Auf dem großen Platz vor der Kathedrale, dem Zocalo, steht eine Statue Cuauthemocs. Eine Stadt im Bundesstaat Chihuahua trägt den Namen des letzten Herrschers der Azteken. Sie dient zugleich als Sitz des katholischen Bistums Cuauhtemoc-Madera.
Cuauthemoc verkörpere den Widerstandswillen der Mexikaner,erklärt der Berliner Historiker Stefan Rinke. „Im Gegensatz zu Montezuma steht er als derjenige, der sich nicht unterwirft oder mit den Konquistadoren paktiert, sondern zähen Widerstand leistet – quasi bis zum letzten Mann. Dass er sich gefangen nehmen lässt, wird dabei ausgeblendet.“
Und dann gibt es ja noch den Adler in der mexikanischen Flagge. Der majestätische Vogel stehe generell für das Aztekenreich, betont Rinke. „Denn er benennt den Ort, an dem die Azteken einst ihre Hauptstadt Tenochtitlan gegründet haben sollen, nämlich dort, wo ein Adler auf einem Nopal-Kaktus saß.“