Der Schulstart wird immer teurer

Nicht nur Schulranzen und Schultüte müssen Eltern zur Einschulung ihrer Kinder kaufen. Die Materiallisten der Schulen sind lang: spezielle Stifte, Hefte, Farbkasten, Scheren, Kleidung und vieles mehr. Das kann ganz schön teuer werden.

Schulranzen, Schultüte, Hefte, Stifte und Mappen bekommen Kinder zur Einschulung. Das geht ins Geld.Symbolfoto: lisalucia/stock.adobe.com

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Schulranzen, Schultüte, Hefte, Stifte und Mappen bekommen Kinder zur Einschulung. Das geht ins Geld.Symbolfoto: lisalucia/stock.adobe.com

Von Kristin Doberer

Rems-Murr. Seit gestern sind die Sommerferien vorbei, für Schülerinnen und Schüler geht es zurück in die Klassen. Besonders für die Erstklässler, die in den kommenden Tagen eingeschult werden, beginnt eine neue Lebensphase. Während sich die Kinder meist auf die Schule und natürlich ihre Schultüte freuen, haben Eltern neben der Einschulungsfeier auch die Materiallisten im Blick, die Schulen meist vor Ferienende verschicken. Ist vor Schulbeginn alles eingekauft? Hat man auch genau die Bleistifte, die auf der Liste stehen? Braucht das Kind für den Sportunterricht noch extra Schuhe? Soll es für die Einschulung etwas Besonderes anziehen? Und natürlich: Wie viel kostet das alles zusammen?

„Ich war schon überrascht, was zusammenkommt, wenn man alles in einem Laden kauft“, meint Martina Brecht, deren Tochter am Donnerstag in Backnang eingeschult wird. Insgesamt habe sie bisher rund 350 Euro ausgegeben. Am teuersten war natürlich der Schulranzen, neu kosten diese im Durchschnitt rund 200 bis 300 Euro, nach oben sind aber kaum Grenzen gesetzt. In etwa so viel hat auch Silja Knieriem aus Kirchberg an der Murr für den Schulranzen ihrer Tochter gezahlt. Mit dabei waren zwei Mäppchen und ein Sportbeutel. „Natürlich kann man sparen, wenn man sich einen der Vorjahresmodelle aussucht. Aber der Schulranzen muss ja auch passen“, sagt sie. Zum Beispiel sei ihre Tochter recht klein, viele größere Modelle könne diese kaum tragen. Und außerdem wollten die Kinder ja auch selbst mit entscheiden, welches Design sie auf ihrem Schulranzen haben.

Materialien für den Schulalltag sind deutlich teurer als in den Vorjahren

Zur Einschulung nicht fehlen darf natürlich die Schultüte. Je nachdem wie groß sie ist und ob man sie komplett fertig oder als Bausatz zum Selbstbasteln kauft, gibt es diese in unterschiedlichen Preisklassen. Knieriem hat sich einen Bausatz gekauft für 23 Euro. „Vor sechs Jahren bei unserem ersten Kind hat dieser nur 18 Euro gekostet“, sagt sie. Und je nach Füllung der Schultüte kommen nochmal einige Euro dazu. Neben viel Zeit und Nerven hat auch Martina Brecht rund 40 Euro in die selbst gebastelte Schultüte für ihre Tochter gesteckt. Als Inhalt gebe es bei ihr etwas Praktisches für den Schulalltag, sie kenne aber auch Familien, bei denen es größere Geschenke zur Einschulung gibt.

Aber nicht nur der Schulranzen und die Schultüte belasten die Geldbeutel der Eltern. Allein für den Kauf von Schulmaterialien mussten Verbraucherinnen und Verbraucher im Juli 2023 teilweise deutlich mehr ausgeben als noch ein Jahr zuvor. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, erhöhten sich zum Beispiel die Preise für Papierprodukte wie Schulhefte oder Zeichenblöcke enorm. Im Juli 2023 waren diese um 13,6 Prozent teurer als im Vorjahresmonat.

Eltern mehrerer Kinder bemerken Preissprünge

Das haben auch die Eltern festgestellt, die schon mehrere Kinder in der Schule haben. So zum Beispiel Silja Knieriem. In diesem Jahr wird ihr drittes Kind eingeschult. „Man merkt schon einen deutlichen Unterschied zum vergangenen Jahr“, erzählt sie. Der Preis für Hefte oder Blöcke habe sich im Vergleich zu Vorjahren fast verdoppelt und auch bei anderen Materialien, etwa einem Wasserfarbkasten, habe es einen merklichen Preissprung gegeben. „Und das läppert sich alles. Die ganz speziellen Bleistifte, Stifte in dicker und dünner Ausführung, Wachsmalkreiden von speziellen Marken, eine extra Schere“, zählt die dreifache Mutter nur einige Dinge auf. Allein für die ganzen geforderten Stifte habe sie rund 15 bis 20 Euro ausgegeben. Besonders die Liste für den Kunstunterricht gehe in den Geldbeutel. Denn damit es keinen Neid unter den Kindern gibt, listen die Lehrkräfte zum Teil sogar die genaue Marke auf, die Eltern kaufen sollen. Das werde auch in den folgenden Jahren kaum besser. Sie schätzt, dass sie nur für Material etwa 80 bis 100 Euro pro Kind zum Schuljahresanfang ausgibt. Dazu kommt zum Beispiel noch Geld für Papier, das man zum Schuljahresanfang zahlen muss, und zum Teil werden von der Schule bestimmte Arbeitshefte bestellt, die auch von den Familien bezahlt werden müssen.

Ist die Materialliste abgearbeitet, das Kind komplett ausgestattet und die Schultüte gut gefüllt, bedeutet das nicht zwingend das Ende der Ausgaben. Für viele Familien gehört eine Feier bei der Einschulung dazu. Manche gehen mit den Großeltern in ein Restaurant, andere feiern Zuhause mit besonderer Dekoration, einem schönen neuen Kleid oder machen sogar noch einen Ausflug. „Man schaut schon, dass es für das Kind ein besonderer Tag ist“, sagt Silja Knieriem. Die Kinder zumindest bekommen von dem ganzen Einkaufsstress eher wenig mit. „Sie fiebert der Einschulung schon entgegen und will auch endlich ein Schulkind sein“, so die Mutter.

Für Menschen ohne Arbeit oder Geringverdiener belastend

Laut Sparkassenverband geben Eltern im Durchschnitt rund 900 Euro für die Einschulung aus, ein Schreibtisch ist hier mit eingerechnet. Besonders für einkommensschwache Familien sind die Ausgaben zum Schulstart ihrer Kinder nur schwer zu stemmen. Eine Unterstützung gibt es vom Landkreis. Im Jobcenter Rems-Murr komme es zum Beginn des Schuljahres verstärkt zu Anfragen zur Ausstattung mit Schulbedarf, heißt es vom Jobcenter. „Im Rahmen der Leistungen für Bildung und Teilhabe erhalten Schüler, deren Eltern Bürgergeld beziehen, einen Betrag in Höhe von insgesamt 174 Euro pro Schuljahr für den persönlichen Schulbedarf. Dieser wird in zwei Teilbeträgen ausgezahlt. Zu Schuljahresbeginn wird ein Betrag in Höhe von 116 Euro, zum Schulhalbjahr ein Betrag in Höhe von 58 Euro ausgezahlt“, teilt das Jobcenter mit. Die Auszahlung erfolgt automatisch und muss nicht separat beantragt werden. Im Jobcenter Rems-Murr erhalten über 3000 Kinder diese Unterstützung. Dazu kommen im Kreis noch rund 1750 Kinder, die diese Mittel nicht vom Jobcenter, sondern vom Amt für Soziales und Teilhabe beziehen, weil ihre Eltern Wohngeld erhalten, Asyl beantragt haben, Grundsicherung beziehen oder aus welchen Gründen auch immer nicht arbeiten können. Bezieher von Wohngeld und Kinderzuschlag müssen dafür aber extra einen Antrag stellen. Wie viele das tatsächlich tun, das sei schwer einzuschätzen. „Wir informieren über die Schulen und den Sozialdienst. Aber wir können sicher nicht alle erreichen“, heißt es vom Amt. Wenn ein Kind zum ersten Mal in die Schule kommt, könne dieses Geld trotzdem knapp werden. „Aber die Eltern werden auch auf Möglichkeiten zum Sparen hingewiesen.“ So gebe es viele gut erhaltene Schulranzen aus zweiter Hand oder aus den Vorjahren. Darüber hinaus können Kinder aus einkommensschwachen Familien im Rahmen der Leistungen für Bildung und Teilhabe beantragen, dass Kosten für Schulausflüge, mehrtägige Klassenfahrten, Schülerbeförderung, Lernförderung und gemeinschaftliche Mittagsverpflegung übernommen werden. Außerdem können Zuschüsse für die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft beantragt werden, zum Beispiel für Beiträge zu Sportvereinen, Musikunterricht oder für die Teilnahme an Freizeiten. Hier steht jedem berechtigten Kind ein Budget von 15 Euro pro Monat zur Verfügung.

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Erstellt:
12. September 2023, 06:00 Uhr

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