„Die Tür im Rathaus steht immer offen“
Das Interview: Sabine Welte-Hauff spricht über ihre erste Zeit als Bürgermeisterin in Aspach und womit sie nicht gerechnet hat
Seit mehr als einem halben Jahr ist Sabine Welte-Hauff Aspachs Bürgermeisterin – Zeit für eine Bilanz. Im Gespräch erzählt sie, welche Herausforderungen sie schon anpacken musste, was sich im Rathaus seit ihrem Amtsantritt geändert hat und wie sie Familie und Arbeit unter einen Hut bekommt.

© Pressefotografie Alexander Beche
Gut gelaunt, meistens mit einem Lächeln und oft lachend zeigt sich Sabine Welte-Hauff im Gespräch mit unserer Zeitung. Foto: A. Becher
Von Silke Latzel
Frau Welte-Hauff, Sie sind seit Anfang Dezember 2018 im Amt. Für die Gemeinde arbeiten Sie aber schon viel länger. Was empfinden Sie als größten Unterschied zwischen Ihrer alten Funktion als Leiterin des Bauamts und der neuen als Bürgermeisterin?
Im Bauamt ist man eher an das Amt und ans Haus gebunden. Die Bürgermeistertätigkeit richtet sich nach außen, auch in repräsentativer Art, und da hat sich für mich ziemlich viel verändert. Natürlich ist auch der Verantwortungsbereich ein anderer geworden und auch der Aufgabenumfang ist größer. Aber nach wie vor weiß ich, dass es richtig war zu kandidieren, und es geht mir sehr gut damit.
Sie hatten eine Zeit lang ja eine Doppelfunktion, weil die Stelle der Bauamtsleiterin nicht direkt mit Ihrem Wechsel besetzt wurde. Inwiefern war das ein Problem für Sie?
Es war eigentlich nur ein räumliches Thema. Wenn etwas war, bin ich runtergesprungen an den Schreibtisch im Bauamt, weil die Flurkarten, Bebauungspläne und so weiter ja im Bauamt sind und ich mein Büro jetzt im ersten Stock habe. Und man kann nicht alles immer hin- und hertransportieren. Insofern war ich mal unten und mal oben unterwegs, meine Mitarbeiter haben mich dann auch manchmal gesucht. Und ab und an kommen heute noch Akten vom Bauamt zu mir, weil wir uns immer noch in einer Übergabephase befinden. Aber wir sind ein kleines Haus. Von daher geht das und es tut auch gut, sich zu bewegen und nicht immer am Schreibtisch zu sitzen.
Hat Ihr Vorgänger Hans-Jörg Weinbrenner Ihnen ein „geordnetes Haus“ überlassen oder mussten Sie viel „aufräumen“?
Es war geordnet und aufgeräumt, mein Schreibtisch heute sieht deutlich anders aus als bei der Übergabe (lacht). Ich habe mir natürlich andere Aufgabenschwerpunkte gesetzt, Aufgaben neu formuliert und mir viel vorgenommen. Meine Arbeitsbelastung rührt daher nicht aus der Vergangenheit, sondern aus den Themen, die die Zukunft betreffen, wie beispielsweise das Verkehrsgutachten, das in Auftrag gegeben wurde.
Ist denn gerade das Thema Verkehr ein Schwerpunkt, den Sie sich gesetzt haben?
Ja. Das war ja schon ein Thema im Wahlkampf, als ich meine Tour durch die Ortsteile und Weiler gemacht habe. Überall wurde das Thema Verkehr und Verkehrslärm angesprochen, also war klar, dass wir nach gut 25 Jahren wieder aktuelle Verkehrszahlen erheben und uns der sehr veränderten Verkehrssituation anpassen müssen. Wir brauchen neue Ideen, was zum Beispiel den Parkraum angeht, vielleicht läuft alles auf eine Verkehrslenkung hinaus. Auch die Anbindung der L1115 an die B14 steht an. Und das Thema Verkehr am Stadion. Da werden wir noch die Erfahrungen der kommenden Großveranstaltungen wie das Heimspiel von Andrea Berg oder das Pur-Konzert mitnehmen.
Sie wirken nicht, als würden Sie dieses große Thema als Belastung empfinden...
Ich bin ein Mensch, der alles, was er macht, mit Spaß macht. Ich wäre nicht als Kandidatin angetreten, wenn ich nicht gewusst hätte, dass mir die Arbeit Freude bereitet. Und ich hatte ja auch die Gelegenheit, 27 Jahre lang ein bisschen hinter die Kulissen zu blicken, um zu sehen, was alles zu diesem Amt dazugehört, das war schon ein Vorteil.
Haben Sie sich denn auch das eine oder andere von Ihrem Vorgänger abgeschaut?
Nein, jeder hat da ja den eigenen Stil und die eigene Vorgehensweise. Aber natürlich nimmt man sehr wohl wahr, welche Reaktion auf eine Aktion kommt, und kann daraus schon lernen, ob man das in Zukunft genauso machen wird oder eben nicht. Und da habe ich jetzt schon den einen oder anderen Erfahrungswert und somit die Möglichkeit, ganz anders in bestimmte Situationen einzusteigen.
Haben Sie im Rathaus Veränderungen der Arbeitsweisen und -strukturen vorgenommen?
Wir haben derzeit eine Organisationsuntersuchung am Laufen. Die Erhebung ist erfolgt und wir warten jetzt das Ergebnis ab und die Empfehlung, die kommt. Dann werden wir in verschiedenen Bereichen Veränderungen vornehmen, insbesondere werden wir Aufgaben neu bündeln, neu ordnen, sie dann den Mitarbeitern zuführen. Auch hier hatten wir jetzt etwa seit 30 Jahren keine Untersuchung mehr und es kamen schon viele neue Aufgabengebiete dazu, wie etwa Ökokonto, Breitbandausbau oder Wirtschaftsförderung. Wir haben inzwischen auch einfach Überschneidungen und Doppelausführungen bei den Mitarbeitern, das sollte man unbedingt effektiv zuordnen und die Stellen dann natürlich auch neu bewerten.
Und stehen Ihre Mitarbeiter diesem Prozess positiv gegenüber?
Ja, denn wir haben das Ganze gut vorbereitet und auch verkündet. Es muss niemand Angst um den Arbeitsplatz oder vor großen Veränderungen haben. Wir wollen ja nur Aufgaben zusammenführen und auch im Aufgabenkatalog darstellen. Das war bei uns seither gar nicht erwähnt oder dokumentiert, die neuen Aufgaben sind einfach immer nur dazugekommen und wurden gemacht. Natürlich haben wir auch Bereiche, in denen die Mitarbeiter über die Maßen gearbeitet haben, sodass wir eine bis zwei Stellen zusätzlich ausweisen können. Aber wir werden niemanden überfahren. Die Mitarbeiter wurden alle eingebunden, wir haben viele Gespräche geführt und es wurden Stellenbeschreibungen eingeholt. Die sind jetzt die Grundlage für die neue Bewertung. Denn ich bin auch der Meinung, dass es nötig ist, die Stelleneingruppierung anzuschauen. Es ist wichtig, dass die Mitarbeiter gerecht bezahlt werden. Gute Mitarbeiter möchte man ja auch halten und entsprechend bezahlen, sonst finden die sehr schnell die Tür hier raus und woanders hin.
Gab es in Ihrer Amtszeit schon Situationen, die Sie als schwierig empfunden haben?
Die Aufgaben des Gemeindevollzugsdiensts werden immer wieder von der Bevölkerung angegriffen. Und es kam schon vor, dass echauffierte Bürger hier bei mir im Büro standen und sich über ein Bußgeld oder einen Strafzettel beschwert haben. Meistens kann man die Situation dann im Gespräch klären. Ansonsten habe ich noch nicht erlebt, dass es laut oder ernst wurde.
Gibt es etwas am Bürgermeisterin-Dasein, das Sie überrascht hat?
Ich werde sehr oft mit dem Titel angesprochen, das hat mich unglaublich überrascht, weil ich ja Ur-Aspacherin bin, hier geboren wurde, in den Kindergarten und zur Schule gegangen bin und hier immer noch wohne. Und dass ich dann tatsächlich von vielen Menschen als „Frau Bürgermeisterin“ angesprochen werde, empfinde ich als unglaubliche Respektsache. Etwas, das mich auch überrascht hat, ist, dass nicht wenige Bürger den Weg zu mir suchen und dann einfach einen Ratschlag in einer privaten Angelegenheit von mir wünschen oder vielleicht auch eine Richtung betreffend einer Entscheidung, die ihre Zukunft anbelangt, etwa was sie mit ihrem geerbten Vermögen machen können. Da sieht man, es ist eine unglaubliche Vertrauensbasis da, und damit hatte ich in diesem Maß einfach nicht gerechnet.
Und wie reagieren Sie dann darauf?
Ich sage: „Für mich würde ich das so und so machen.“ Das ist eine sehr große Verantwortung. Aber es ist auch schön zu sehen, was die Bürger einem zutrauen und dass sie sich freuen, dass man da ist. Und die Rückmeldungen kommen tatsächlich auch direkt und nicht nur nach der schwäbischen Mentalität im Sinne von „Nichts gesagt, ist Lob genug“. Vielleicht erlaubt mir dieser offensive Rückhalt auch, mich so frei zu bewegen.
Wie hat sich denn Ihr Familienleben verändert, seit Sie Bürgermeisterin sind?
Unser Tochter hat gerade ihr Abi hinter sich gebracht und das, ohne dass ich ihr helfen konnte. Klar, die Kinder lernen allein, aber man bietet ja einen gewissen Rahmen daheim, fragt, ob man etwas Gutes tun kann, oder möchte als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Das ließ sich für mich aber einfach nicht einrichten. Aber sie hat trotzdem alles mit Bravour gemeistert. Ansonsten ist es so, dass, sofern ich abends nicht ganz spät abends heimkomme, alle auf mich warten, wir noch zusammensitzen und reden. Und das ist wirklich etwas Schönes. Sonntags haben wir uns angewöhnt, am Frühstücktisch die kommende Woche zu besprechen, was ansteht, dann weiß jeder, wo der andere wann ist.
Und die gemeinsame Zeit wird jetzt intensiver genutzt als vorher?
Wir sprechen uns auch da genau ab. Am Wochenende nehmen wir meine beruflichen Termine dann auch oft gemeinsam wahr, die Kinder fragen immer wieder nach, wo etwas stattfindet und ob sie mich begleiten können.
Sie sind ja sehr sportlich, finden Sie denn noch Zeit für Ihre Hobbys?
Wenn ich mir dann mal eine Auszeit nehme, dann bin ich bei uns im Garten oder ich faulenze einfach mal. Aber im Moment besuche ich eher die Aspacher Vereine und Organisationen. Dort sehe ich vor Ort, was ein Verein braucht. Ich habe auch, egal wo ich hingehe, immer einen Block und seinen Stift dabei, um mir Notizen zu machen, auch daheim. Es ist wirklich ein Fulltime-Job, jetzt am Anfang sowieso, man baut die Beziehungen und Kontakte ja erst auf. Und ich bin auch unterwegs, um die Botschaft zu vermitteln, dass die Tür bei uns im Rathaus immer offen steht. Ich habe nicht die Zeit, immer und überall präsent zu sein, aber jeder hat die Möglichkeit, bei mir vorbeizukommen.
Ist für den Sommer ein längerer Urlaub geplant oder machen Sie Urlaub im Rathaus?
Wir fliegen nach Ägypten zum Schnorcheln. Die Kinder durften entscheiden und wir alle lieben das Meer.