Dritter Bildband mit historischen Fotos
Der Bildband „Backnang – Eine Zeitreise in historischen Bildern“ von Peter Wolf wird am 11. September im Helferhaus präsentiert
Das Stadtbild von Backnang befindet sich in stetigem Wandel. Wie es sich zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und den 1980er-Jahren verändert hat, zeigen Fotos im neu erschienenen Bildband von Peter Wolf. Das Buch gibt auch Einblicke in den Alltag und die Lebenssituation der Menschen.

Friseur Gotthilf Kübler und seine Mitarbeiter 1931 vor dem Friseursalon am heutigen Adenauerplatz. Blick von den „Kronen“-Arkaden über die Aspacher Brücke zum Gasthof Stern und der Layer’schen Mühle. Im Zuge des Neubaus der Brücke wurde an die „Krone“ ein Arkadengang angebaut und gegenüber ein Brückenhäuschen mit einer öffentlichen Toilette im Untergeschoss errichtet. Repros: P. Wolf
Von Claudia Ackermann
BACKNANG. Es ist der dritte Bildband mit historischen Fotos von Backnang, der von Peter Wolf im Sutton-Verlag herausgegeben wird. Der Diplom-Designer hat sich die Dokumentation der Geschichte Backnangs anhand historischer Fotos zur Aufgabe gemacht. Akribisch forscht er im Stadtarchiv, bekommt aber auch zahlreiche Bilder von Privatpersonen zum Einscannen zur Verfügung gestellt.
Die Zeitreise im Buch beginnt mit Blick auf das heutige Kulturzentrum am Stiftshof mit dem Helferhaus und Bandhaus in einem Foto von 1920. Die Marktstraße ist unbefahren, nur eine Frau schiebt mitten auf der Straße in Höhe einer Litfaßsäule einen Kinderwagen. Zu einzelnen Gebäuden hat Peter Wolf recherchiert. In Bildunterschriften gibt er Informationen über frühere Besitzer oder geschäftliche Nutzung. Innenaufnahmen gibt es nur wenige, da die Fototechnik noch in den Anfängen steckte. So ist der Blick in den Verkaufsraum des Textilhändlers Wilhelm Kraus in der Marktstraße 42 im Jahr 1917 eher eine Rarität.
Bei der Zusammenstellung der rund 110 Fotos geht Wolf nicht chronologisch nach Jahreszahlen, sondern nach Straßenzügen in einem Rundweg vor. An das Ende der 1950er-Jahre wird der Betrachter an der „Engelskreuzung“ mit dem Gasthof Engel, der Möbelfabrik Sorg und dem Kaufhaus Max Mayer versetzt. Weiter stadtauswärts führte die Weissacher Straße (heute Stuttgarter Straße) mit der Küferei Friedrich Haar. Auf einem Foto von 1905 arbeiten Männer vor dem Haus an mächtigen Fässern.
Bis zum heutigen Adenauerplatz führt der Weg. Auf einem Foto von 1931 steht der Friseur Gotthilf Kübler mit zwei Mitarbeitern in weißen Arbeitskitteln vor seinem Geschäft (heute Asian Art Hati Hati). Für seine Recherchen werden Peter Wolf manchmal Dokumente zugetragen, wie etwa ein Brief von „Mariele Kübler“, die einiges zur Geschichte des Hauses aufgeschrieben hat, das uns heute Einblicke in die damalige Zeit gewährt. Etwa über den Vorbesitzer von Gotthilf Kübler, der das Haus 1908 kaufte: „Der Herr Beck war Wirt und Bäcker, hatte eine kleine Weinstube mit zwei runden Tischen. Er hatte in seinem Backofen, der in der Küche eingemauert war, nur Brezeln und Doppelwecken gebacken, die er im Weinwirtschäftle gebraucht hatte. Dort wurde nur Wein ausgeschenkt, den Wein holte der Nachbar mit zwei Pferden aus Heilbronn und Willsbach...“
Zurück geht es beim Foto-Rundgang zum Schillerplatz und dem Volksschulgebäude, in dem sich heute die Schiller- und Pestalozzischule befinden. Schulklassen posieren in den 1920er-Jahren und kurz vor dem Zweiten Weltkrieg mit ihren Lehrern davor. Vom Bahnhofhotel (heute Bürgerhaus) gibt es sowohl Außenaufnahmen aus den 1920er-Jahren als auch Innenaufnahmen von Diele, Empfang und Speisezimmer. Natürlich darf auch der Backnanger Bahnhof nicht fehlen. Vor dem Ziegelbau hat sich 1910 das Bahnhofspersonal für den Fotografen aufgestellt.
Fotos zeigen Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Etwa Dr. Heinrich Zeller am Steuer seines Automobils in der Albertstraße und seine Frau Felicitas, die von 1919 bis 1922 die erste Frau im Backnanger Gemeinderat war. In der engen Grabenstraße mit den einfachen Arbeiterhäuschen und im Biegel lebte die ärmere Bevölkerung. Ein Blick vom Hagenbach zeigt die Dächer der eng stehenden, kleinen Häuser an der Murr. Manchmal sind die Fotos nicht genau zu datieren. Da setzt wieder die Recherchearbeit des Hobbyhistorikers an. Die Stadtansicht von der Höhenlage aus muss zwischen 1884 und 1904 entstanden sein, denn die katholische Kirche St. Johannes wurde 1894 eingeweiht und die Sulzbacher Brücke 1904 abgebrochen, heißt es in der Zusatzinformation.
Straße um Straße in der Innenstadt bis hin zu den Murrbrücken hat Peter Wolf anhand der Fotos aufgearbeitet. Das Gasthaus Krone ist auf einem Foto von 1900 noch neben der alten Aspacher Steinbrücke zu sehen. In den Jahren 1911/12 wurde sie abgebrochen und durch eine Stahlbetonkonstruktion ersetzt. An die Krone wurden die markanten Arkaden angebaut.
„Zu jeder Ecke in Backnang habe ich ein spannendes Bild gefunden“, freut sich Peter Wolf. Mit offenen Augen durch die Stadt gehen, sich in Vorfahren hineinversetzen, eigene Erinnerungen Revue passieren lassen, vergleichen – das möchte Peter Wolf mit seiner Zeitreise in historischen Bildern anregen. Der Rundgang endet wieder im Zentrum der Stadt an der Stiftskirche und dem Stadtturm. Als Wahrzeichen gibt es das Stadtturm-Motiv auf zahlreichen Postkarten aus verschiedenen Zeiten. Außergewöhnlich ist jedoch die Dokumentation, unter welchen halsbrecherischen Gefahren drei Männer um 1930 mit einem kleinen Klettergerüst den neuen Wetterhahn auf der Spitze anbrachten.
Am Dienstag, 11. September, 19 Uhr laden Peter Wolf und der Sutton-Verlag zur Buchvorstellung ins Backnanger Helferhaus, Petrus-Jacobi-Weg 5, ein. Den Bildband kann man dort erwerben.

© Pressefotografie Alexander Beche
Die Zeitreise beginnt mit Blick auf das heutige Kulturzentrum am Stiftshof mit dem Helferhaus und Bandhaus: Peter Wolf mit seinem neuesten Buch mit historischen Bildern. Foto: A. Becher


Der neue Wetterhahn wird auf dem Stadtturm angebracht (um 1930).