Ehepaar Kortkamp feiert diamantene Hochzeit
Im Norden haben sie sich kennengelernt, im Süden sind sie mittlerweile heimisch geworden: Am heutigen Mittwoch feiern Renate und Ernst Hermann Kortkamp in Backnang ihre diamantene Hochzeit.

© Alexander Becher
Heute vor 60 Jahren haben die Kortkamps standesamtlich geheiratet. Foto: Alexander Becher
Von Simone Schneider-Seebeck
Backnang. Fröhlichkeit und Zufriedenheit – das strahlt dem Besucher im Hause Kortkamp entgegen. Dabei hatte es das Leben mit dem Ehepaar nicht immer gut gemeint. Doch das Ehegelübde „in guten wie in schlechten Tagen“ haben sie beherzigt und sich auch in schwierigen Zeiten gegenseitig gestützt und geholfen.
Kennengelernt haben sich Renate und Ernst Kortkamp auf einer Insel. Im August 1960 war es gewesen, als sie zufälligerweise in der gleichen Herberge auf der schönen Nordseeinsel Norderney aufeinandertrafen. Renate Kortkamp stand als Postangestellte schon mitten im Beruf, Ernst Kortkamp war zu der Zeit Student der Elektrotechnik in Aachen. „Es war eine ganz billige Unterkunft mitten in den Dünen“, erinnert sich die ältere Dame etwas wehmütig. Kein Vergleich zu den heutigen luxuriösen Unterkünften dort, aber: „Uns hat es gefallen, es war herrlich!“
Die Bewerbung bei der Telefunken GmbH war erfolgreich
Bis zur Hochzeit dauerte es allerdings noch ein wenig. Zudem hatte das Paar mit der Entfernung zu kämpfen, denn sie lebte in Bonn, fast 100 Kilometer von ihm entfernt. Und es sollten noch mehrere Kilometer dazukommen. Die Hochschule Aachen pflegte zu dieser Zeit einen intensiven Austausch mit Backnang und so führte eine Exkursion den jungen Ernst Kortkamp in die Stadt, die sich seit der Mitte des letzten Jahrhunderts immer mehr einen Namen im Bereich Nachrichtentechnik machte.
„Die Stadt hat mich interessiert“, erinnert sich Kortkamp. Es habe zu der Zeit zwar keine einzige Ampel in Backnang gegeben, doch dafür hat ihn das neue Bürogebäude der Telefunken GmbH beeindruckt, mit großen Fenstern und hellen Laborräumen. Nach erfolgreicher Bewerbung begann er dort am 2. Oktober 1962 mit seiner Arbeit und bewohnte zunächst allein ein möbliertes Zimmer in Steinbach.

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Im März 1963 wurde kirchlich geheiratet.
Da waren Renate und Ernst Kortkamp schon verlobt. Das war damals ganz offiziell vonstatten gegangen. Mit einem Blumenstrauß für die Frau Mama machte Ernst Kortkamp seinen Antrittsbesuch bei den Eltern und hielt um Renates Hand an. „Es war wichtig, dass wir vorher verlobt waren, damit mich kein anderer wegschnappt“, sagt sie lächelnd. Einen guten Monat später, am 9. November 1962, fand schließlich die standesamtliche Hochzeit statt, in ihrer Heimat. Zunächst blieb sie noch in ihrer alten Heimat. Dort hatte sie eine Stelle beim Telegrafenamt, „da konnte man umsonst telefonieren“. Allerdings nur mit Zuhörern.
Hochzeit bei Minustemperaturen
Doch im März 1963 war es schließlich so weit. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt wurde am 30. März kirchlich geheiratet und die junge Ehefrau kam ebenfalls nach Backnang. Anfangs hatte sie jedoch noch mit Sprachschwierigkeiten zu kämpfen – das Schwäbische hat halt doch so seine Tücken. Nach dem Steinbacher Zimmer fand das Paar zunächst eine Unterkunft in Erbstetten. Dort freundete sich Renate Kortkamp bald mit einer jungen Familie an, die gemeinsam mit der älteren Tante auf einem Hof lebte. Kennengelernt hatte man sich über den Posaunenchor, in dem Heinz Kortkamp gleich nach seinem Umzug in den Süden Mitglied geworden war.
Über den Arbeitgeber Telefunken konnten Kortkamps dann in eine Drei-Zimmer-Wohnung nach Backnang ziehen. Doch bald erwies sich diese als zu klein, denn innerhalb kurzer Zeit erblickten drei Sprösslinge das Licht der Welt. Über eine Anzeige in der Backnanger Kreiszeitung wurde die Familie auf ein Bauvorhaben in Maubach aufmerksam und 1971 schließlich konnte die fünfköpfige Familie ins Eigenheim ziehen. Nach dem Einzug sei es erst mal ins Schwimmbad gegangen, erinnern sich die beiden. Es war ein warmer Sommer gewesen.
Elf Enkel und acht Urenkel
Vier Jahre später wurde das vierte Kind geboren. Mittlerweile gehören noch elf Enkel und acht Urenkel zur Familie. Eine große Leidenschaft war und ist stets die Musik. Renate Kortkamp singt gern und so wurde sie bald Mitglied im Kirchenchor. Auch ihr Mann singt mit. Mit acht Jahren hatte er sein erstes Instrument bekommen, eine Geige. Auch Akkordeon weiß er zu spielen. Doch besonders verbunden fühlt er sich der Blasmusik. Bereits in den 60er-Jahren hatte er eine Zeit lang die Leitung des Posaunenchors Backnang übernommen, dann wieder Ende der 70er-Jahre. Im Oktober 2022 hat er sein Amt schließlich abgegeben, nach insgesamt 49 Jahren.
Auch Renate Kortkamp spielt mit. Ein Zimmer im Haus ist voller Instrumente, berichtet sie, sogar Alphörner sind dabei, die beide spielen können. „Musik ist schon etwas Schönes“, findet die Seniorin. Und dank des Posaunenchors wurden beide schnell heimisch im Süden. „Sie haben uns aufgefangen“, erinnert sie sich.