Ehrenrunde für das Mobilitätskonzept in Weissach im Tal

Die Maßnahmen des integrierten Mobilitätskonzepts sind im Weissacher Gemeinderat vorgestellt worden. Doch bei den Rätinnen und Räten stößt das Gesamtpaket bisher auf wenig Gegenliebe. Nun muss die Verwaltung nacharbeiten.

Der Knotenpunkt Welzheimer Straße, Lommatzscher Straße, Jägerhalde ist eine der Problemstellen in Weissach. Archivfoto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Der Knotenpunkt Welzheimer Straße, Lommatzscher Straße, Jägerhalde ist eine der Problemstellen in Weissach. Archivfoto: Alexander Becher

Von Melanie Maier

Weissach im Tal. Sinn und Zweck eines integrierten Mobilitätskonzepts ist es, auf eine Stadt oder Gemeinde zugeschnittene Lösungen für Verkehrsprobleme zu finden. Seit das Mobilitätskonzept für Weissach im Tal im Juli 2021 in Auftrag gegeben wurde, hat sich viel getan. Nach einer ausführlichen Analysephase und Öffentlichkeitsbeteiligungen sollte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung nun über die Umsetzung erster Maßnahmen abstimmen.

Diplom-Ingenieur Robert Wenzel vom zuständigen Ingenieurbüro Bernard-Gruppe aus Aalen stellte das Maßnahmenpaket vor. Einzelnen Maßnahmen konnten die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte durchaus etwas abgewinnen. Doch insgesamt hatte Wenzel einen schweren Stand in der Diskussion, die seiner Präsentation folgte.

Der Plan: Die Maßnahmen sollennach und nach umgesetzt werden

Die rund 20 Maßnahmen sind je einer von drei Realisierungsstufen zugeordnet: Es gibt kurzfristig umsetzbare (Stufe eins), mittelfristig umsetzbare (Stufe zwei) sowie langfristig beziehungsweise perspektivisch umsetzbare Maßnahmen (Stufe drei). „Das gesamte Konzept muss nicht sofort umgesetzt werden“, betonte Wenzel. In der Sitzung sollte die Verwaltung aber schon einmal vom Gemeinderat dazu ermächtigt werden, die weiteren Schritte zur Umsetzung der Maßnahmen der Stufe eins in die Wege zu leiten. Dazu gehören etwa das Anlegen beidseitiger Schutzstreifen für den Radverkehr an der Welzheimer Straße (vom Abschnitt Jägerhalde bis zur Seemühle) oder auch die Reduzierung von Tempo 50 auf Tempo 30 an bestimmten Stellen.

Zum letztgenannten Punkt soll in der zweiten Novemberhälfte ein Termin mit dem Landratsamt als zuständigem Straßenbaulastträger folgen, kündigte Wenzel an. Zudem finde am 9. November ein Treffen mit dem Landratsamt und dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) statt, bei dem es um Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs gehen soll. Die Empfehlung der Bernard-Gruppe laute, das Maßnahmenbündel den Realisierungsstufen entsprechend anzugehen, so Wenzel.

Ein Riesenpaket, das man ergreifen kann

Bei den Rätinnen und Räten rief das gemischte Reaktionen hervor. Carl Höfer (CDU/FWV) dankte Wenzel für das „Riesenpaket, das man ergreifen kann“. Er schlug vor, über jede Maßnahme einzeln oder über Maßnahmenbündel abzustimmen, „da wir sonst sicher nicht ans Ziel kommen, weil einige wegen einzelner Maßnahmen nicht zustimmen können“. Bürgermeister Daniel Bogner wies darauf hin, dass es jetzt erst einmal darum gehe, letzte Hinweise aus dem Gemeinderat in die finale Version des Mobilitätskonzepts aufzunehmen, das 2023 als Ganzes beschlossen werden soll: „Viele Einzelmaßnahmen müssen noch einmal konkret im Gremium aufgegriffen werden.“ Er fügte an, dass einige – wie die Querung an der Welzheimer Straße – unabhängig von dem Konzept bearbeitet würden.

Irmgard Hestler (SPD) sagte, es seien viele gute Ideen in dem Mobilitätskonzept enthalten, aber es sei nicht von den lokalen Gegebenheiten her gedacht. Das Auto zum Beispiel könne in der Großstadt stehen gelassen werden, auf dem Land werde es gebraucht. Positiv fand sie etwa die Möglichkeit, beispielsweise mit Markierungen die Geschwindigkeit an den Ortseingängen zu drosseln: „Das würde die Lebensqualität der Anwohner stark verbessern.“

Auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben

Hestler kritisierte, dass die Umgestaltung des Hauptverkehrsknotenpunkts Welzheimer Straße, Lommatzscher Straße und Jägerhalde in die Stufe drei eingeordnet und somit „auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wurde“. Der Kritik schloss sich Holger Kugler (UBL) an. Der genannte Verkehrsknotenpunkt sei schließlich der Stein des Anstoßes für das Mobilitätskonzept gewesen: „Dass das jetzt unter ‚perspektivisch‘ steht, finde ich ein bisschen mager.“ Seine Fraktionskollegin Heike Oesterle warf angesichts der hohen Kosten, die 2022 und 2023 auf die Gemeinde zukommen, die Frage nach der Finanzierung auf: „Es sind auch tolle Maßnahmen dabei, aber wir sollten so langsam mal schauen: Was ist wirklich notwendig und was ist nice to have?“ Bogner wiederholte, konkrete Einzelmaßnahmen würden nochmals im Gremium diskutiert.

Jan Hutzenlaub und Thomas Obermüller (beide LWB) begrüßten generell, mit dem Konzept nun einen Fahrplan vorliegen zu haben, den es abzuarbeiten gelte. Obermüller schlug vor, eine Prioritätenliste für die Maßnahmen in einer Klausur zu erstellen und erst dann darüber abzustimmen. Dem gesamten Paket könne er so nicht zustimmen. Auch Höfer regte an, zunächst einen Maßnahmenkatalog mit den Favoriten der Verwaltung zu erstellen. Bogner wandelte daraufhin die Beschlussvorlage ab. Der Auftrag an die Verwaltung lautete nun, die Zeitschiene mit der Umsetzung der Maßnahmen entsprechend ihres Wirkungsgrads, ihrer Kosten und ihres Realisierungsgrads auszuarbeiten. Das Plenum stimmte dem Vorschlag zu (drei Enthaltungen).

Das integrierte Mobilitätskonzept: Idee und Umsetzung

Idee Mit dem integrierten Mobilitätskonzept soll untersucht werden, welche Möglichkeiten der innerörtlichen Verkehrsentlastung in Weissach im Tal bestehen. Ein Paket an Maßnahmen soll dazu beitragen, Engpässe und Mängel zu verbessern, mehr Aufenthaltsqualität in den zentralen Ortsbereichen zu schaffen, die Bewegungsmöglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer zu verbessern und das Spektrum an Mobilitätsangeboten sinnvoll zu erweitern.

Umsetzung Im Juli 2021 hat der Gemeinderat die Erstellung des Mobilitätskonzepts durch die Bernard-Gruppe aus Aalen beschlossen, nachdem die Zusage für eine Landesförderung über 23100 Euro vorlag. Erster Schritt war eine umfangreiche Bestandsanalyse, zu der etwa Geschwindigkeitsmessungen, aber auch eine Haushaltsbefragung und ein erster Workshop mit Bürgerinnen und Bürgern gehörte. Ein vorläufiges Maßnahmenkonzept wurde im Technischen Ausschuss (am 14. Juli) sowie bei einem zweiten öffentlichen Workshop (am 9. August) vorgestellt, diskutiert und weiterentwickelt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sollten erste Maßnahmen beschlossen werden. Das integrierte Mobilitätskonzept als Ganzes soll erst 2023 nach Abstimmungen mit dem Landratsamt, der Verkehrsbehörde, dem Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) und weiteren ÖPNV-Anbietern beschlossen werden.

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Erstellt:
15. Oktober 2022, 06:00 Uhr

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