Ein Zaun sorgt in Sulzbach-Bartenbach für Ärger
Im alten Schulhaus ist kurzfristig eine Kindergartengruppe eingerichtet worden. Das bedingt, dass das Gelände umzäunt wird. Für Anwohner fällt dadurch ein Fußweg zur Bushaltestelle und zum Wald weg. Sie fühlen sich bei der Beschlussfassung übergangen.

Seit Neuestem umgibt ein Zaun das alte Schulhaus in Bartenbach, welches nun eine Kindergartengruppe beherbergt. Foto: Ute Gruber
Von Ute Gruber
SULZBACH AN DER MURR. Ende September schlagen die Wellen hoch in Bartenbach. Unter Federführung der Familie Weishaar wird von den Anwohnern des alten Schulhauses an der Landesstraße zwischen Sulzbach an der Murr und Murrhardt ein geharnischter Brief an die Gemeindeverwaltung verfasst: Man fühle sich bei der Planung des Umbaus des ehemaligen Schulhauses zu einem Kindergarten übergangen. Grundsätzlich sei der Umbau ja in Ordnung, aber nicht, was den stark frequentierten, direkten Fußweg zur Bushaltestelle betrifft. Dieser wird nämlich seit Neuestem durch den hohen Zaun abgetrennt, welcher das Kindergartengelände vorschriftsmäßig einfriedet, und ist damit ab Inbetriebnahme des Kindergartens für die Öffentlichkeit gesperrt.
„Ein Unding“, sagen die Bewohner des Wohngebiets Im Märchengarten, die nun von und zur Bushaltestelle Richtung Murrhardt den Umweg über die Ortsmitte nehmen müssten und damit gut 100 Meter entlang der stark befahrenen Landesstraße. Auch die Schulkinder. Auch der direkte Zugang zu Wald und Feldern, der besonders von Hundebesitzern mehrmals täglich genutzt wird, wäre verwehrt, ebenso wie der direkte Weg nach Schleißweiler, wo zum Beispiel Familie Weishaar Tochter und Enkel wohnen hat. „Seit 32 Jahren laufen wir hier durch“, wird argumentiert. „Das ist eine liebe Gewohnheit“, kontert die Gemeinde. „Aber dies ist kein öffentlicher Weg.“
Die Plätze in der Kinderbetreuung wurden knapp, eine Lösung musste her
Kindergartenbedarfsplanung ist eine schöne, aber auch undankbare Aufgabe. Obwohl es Modelle für die Berechnung der Kinderzahlen gibt, lässt sich doch nicht länger als drei Jahre im Voraus – nämlich ab ihrer Geburt – präzise sagen, wie viele Kinder in der Gemeinde einen Kindergartenplatz brauchen werden. Noch viel weniger kann vorausgesagt werden, wie viele Kinder im entsprechenden Alter kurzfristig zu- oder wegziehen. Man denke nur an die steigenden Flüchtlingszahlen und entsprechende Zuweisungen an die Gemeinden, deren Aufgabe die Kinderbetreuung ist.
So sah man sich noch vor einem Jahr mit dem Bau der zusätzlichen Gruppe im Kindergarten Ziegeläcker ganz gut aufgestellt für die Zukunft, zumal man auch schon die Planung eines Waldkindergartens in Angriff nahm. Nun wurde unlängst die neue Ziegeläckergruppe eingeweiht, aber der Platz reicht erst nicht. Mit der Inbetriebnahme des Waldkindergartens wird es wohl noch mindestens ein Jahr dauern. „Das ist eine langwierige Sache“, meint dazu Hauptamtsleiter Michael Heinrich und erläutert: „Da muss erst mal ein geeigneter Platz gefunden werden: verkehrstechnisch, anschlusstechnisch und nicht zuletzt pädagogisch betrachtet.“ Geeignete Räumlichkeiten müssten erstellt werden und das Ganze müsse allerlei Genehmigungsverfahren durchlaufen. „Und falls es dann auf den Winter erst fertig ist, fängt man den Betrieb doch lieber erst an, wenn es ins Frühjahr hinein geht.“ Also vermutlich erst 2024.
Froh ist man daher, dass man mit dem Bartenbacher Schulhaus ein Gebäude besitzt, in dem sich jetzt mit wenig Aufwand und vor allem mit ganz wenig Bürokratie eine Kindergartengruppe für 20 Kinder einrichten lässt. „Wir haben im April angefangen und schon nächsten Monat soll eingeweiht werden“, freut sich Gemeinderätin Edelgard Löffler. Die Treffen der Landfrauen finden fortan im Schlössle statt, für künftige Wahlen steht der Raum weiterhin zur Verfügung – schließlich finden diese ja immer sonntags statt.
Klettergerüst steht und Grube für den Sandkasten ist ausgehoben
Aktuell werkeln die Handwerker fleißig im früheren Klassenraum, stellen Raumteiler auf und bauen kindergerechte Toiletten ein, es riecht nach Farbe. Im Außenbereich steht bereits ein kleines Klettergerüst und unter einer Schatten spendenden alten Linde ist schon die Grube für den Sandkasten ausgehoben. Und das Ganze – inklusive des gepflasterten Fußwegs entlang der Hauswand – ist umgeben vom Stein des Anstoßes: einem hohen Zaun aus Drahtgitter, die Tore vor und hinter dem Schulhaus vorerst noch geöffnet.
„Das ist ungewöhnlich für Deutschland, dass etwas so schnell durchgeht“, stellt die stellvertretende Bürgermeisterin fest. „Aber hier hat halt vieles schon den Vorschriften entsprochen, zum Beispiel der separate Zugang zu den Wohnungen im Obergeschoss.“ Streng sind die deutschen Vorschriften für die Betriebserlaubnis eines Kindergartens, so müssen Eingangsbereich und Freispielfläche eingezäunt und nicht öffentlich zugänglich sein. Einerseits um zu gewährleisten, dass kein Kind ausbüxt, und andererseits, um die Kinder vor dem Zugriff durch Fremde zu schützen. „Deshalb kann auch der öffentliche Spielplatz nebenan nicht durch den Kindergarten mitgenutzt werden“, erläutert Hauptamtsleiter Heinrich. Und ihn den Kindern aus dem Märchengarten wegnehmen, darf man auch nicht.
Dennoch bietet just jener öffentliche Spielplatz jetzt die Lösung für den Konflikt zwischen Einwohnerschaft und Gemeindeverwaltung. Eben weil er öffentlich ist und bleiben soll: „Wir haben den Einwohnern angeboten, hier einen neuen Durchgang anzulegen“, zeigt sich der Hauptamtsleiter kompromissbereit und konnte damit die Wogen schon ein bisschen glätten. Wäre doch schön, wenn sich hier eine Lösung fände, mit der alle leben können. Und bei der die Bürger in die Planung einbezogen würden.