Was geschah am . . . 28. März 1193?
Englands König Richard Löwenherz wird auf Burg Trifels inhaftiert
Nachdem sich Kaiser Heinrich VI. vertraglich verpflichtet hat, den gefangenen Richard Löwenherz nur gegen Bezahlung von Lösegeld freizulassen, übergibt ihn der österreichische Herzog Leopold V. am 28. März 1193 in Speyer. Der Kaiser überstellt ihn auf Burg Trifels.

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Richard I., König von England, genannt Lionheart – Löwenherz – gilt als gefürchteter Anführer.
Von Markus Brauer/dpa
6. April 1199: Es ist reiner Zufall, dass der Pfeil von Pierre Basile gerade ihn trifft – in einer Gruppe von Reitern vor dem Schloss von Chalus in Südfrankreich. Der Ritter steigt wieder aufs Pferd und mokiert sich über die lächerliche Verletzung bei einer Strafaktion gegen den Herzog von Limoges.
Der eisenharte König stirbt an Wundbrand
Im Vergleich zu allem, was er schon erlebt hat, ist sie geradezu banal. Aber die eiserne Spitze von Basiles Pfeil lässt sich nicht aus der Schulter entfernen, Wundbrand setzte ein. Und so stirbt Richard I., genannt Löwenherz, im Alter von 42 Jahren.
Der König von England ist schon zu Lebzeiten eine Legende, erst recht aber nach seinem Tod.
Eleonore von Aquitanien: Mutter des Königs
Kreuzritter, Poet, grausamer Schlächter, charismatische Persönlichkeit, Verräter seines Vaters: Richard Löwenherz ist all das. Seine Mutter Eleonore von Aquitanien im Süden Frankreichs gilt als die vielleicht herausragendste Königin des europäischen Mittelalters. Der von ihrem Vater, dem Herzog von Aquitanien, geerbte Besitz ist größer als der des Königs von Frankreich.
Von 1137 bis 1152 war Eleonore mit dem französischen König Ludwig VII. verheiratet und begleitete diesen beim zweiten Kreuzzug. Als die Ehe zerbrach, bekam sie ihren Besitz zurück und heiratete nur zwei Monate später den Enkel des englischen Königs Heinrich I. aus dem Hause Plantagenet, der 1154 als Heinrich II. König von England wurde.
Kampf gegen den eigenen Vater, Heinrich II.
Das englische Reich seiner Eltern, in das Richard hineingeboren wird, reicht von der schottischen Grenze bis an die Pyrenäen. Heinrich (der junge) ist nach dem Tod des dreijährigen William der erste überlebende Sohn, gefolgt von Richard, Geoffrey und Johann. Letzterer, lange Zeit als „Johann ohne Land“ bekannt, sollte nach Richards Tod den Thron erben.
Als Richard elf ist, wird er zum Herzog von Aquitanien und damit zum Erbe des mütterlichen Besitzes ausgerufen. Als er 13 ist, lässt sein Vater Thomas Beckett, den Erzbischof von Canterbury, in der Kathedrale ermorden. Im Alter von 16 Jahren (1173), schließt er sich mit seinen Brüdern der Rebellion des jungen Heinrich gegen den Vater an.
Mutter Eleonore, die möglicherweise aus Eifersucht den Aufstand der Söhne gegen den Vater ins Werk gesetzt hat, versucht zu ihrem Ex-Ehemann Ludwig, dem König von Frankreich, zu fliehen, wird jedoch auf dem Weg nach Paris von Heinrich II. verhaftet und bleibt bis zu dessen Tod 1189 die Gefangene ihres Gemahls. Doch nur, um nach der Freilassung eine noch größere Rolle zu spielen.
1189: Richard I. wird in London gekrönt
Die Rebellion der Söhne scheitert. 1183 stirbt der älteste Bruder, der junge Heinrich. Richard richtet sich auf die Thronfolge ein. Ein Jahr später kämpft er gegen seinen jüngsten Bruder Johann, der weiterhin ohne Land bleibt, weil Richard sich weigert, dem Wunsch seines Vaters zu folgen und auf Aquitanien zu verzichten.
1189 tut sich Richard mit dem neuen jungen König Philipp August von Frankreich zusammen, um seinen Vater zu unterwerfen, jagt ihn durch dessen eigenes Königreich bis zum Tode Heinrich II. im Juli 1189. Am 3. September 1189 wird Richard in der Kathedrale von Westminster von Erzbischof Balduin von Canterbury gesalbt und daraufhin gekrönt.
Aufbruch ins Heilige Land
Der neue König von England fühlt sich im Süden Frankreichs daheim, hält sich nur höchst selten in England auf und bricht im Dezember 1189 in Richtung Jerusalem auf, um am dritten Kreuzzug teilzunehmen.
Zu dieser Zeit geht ihm bereits der Ruf eines furchtbaren Kriegers voraus. So hat er im Jahr 1177 als 20-Jähriger nach einem Aufstand im Limousin rund 2500 Männer gefangen genommen: Ein Drittel ließ er köpfen, ein Drittel ertränken und das letzte Drittel wurde geblendet, damit es künftig auf den Straßen des Landes von der Größe des Königs und dessen Gerechtigkeit berichten konnte.
Auf dem Weg ins Heilige Land macht sich Richard zunächst in Sizilien Feinde. Der Deutsche Heinrich VI., ein Sohn Barbarossas, erhebt Anspruch auf Sizilien, doch Richard erkennt im Vertrag von Messina den von den Sizilianern gewählten Einheimischen Tancred von Lecce als König an.
Der entlässt daraufhin Richards Schwester Johanna, die junge Witwe des vorherigen Königs Wilhelm von Sizilien, aus der Geiselhaft. Damit ist Richard zum Feind des deutschen Heinrich VI. geworden, der ebenfalls am Kreuzzug teilnimmt.
Der französische König Philipp verliebt sich auf Sizilien in Johanna. Richard duldet die Verbindung nicht, die wichtige Verbindung mit dem König von Frankreich leidet darunter. Mutter Eleonore, wieder frei, taucht auf Sizilien auf und bringt ihrem Sohn Richard eine Frau mit: Berengeria, Tochter des Königs von Navarra. Richard heiratet sie pflichtgemäß.
Eroberung von Akko und Arsuf
Der dritte Kreuzzug, mit dem die Mächte des christlichen Abendlandes auf die Eroberung Jerusalems durch Sultan Saladin reagieren, leidet unter den englisch-französisch-deutschen Streitereien. Dennoch erobern die Kreuzritter im Juli 1191 unter Richards Kommando die Stadt Akko.
Philipp zieht danach wieder heim und Richard siegt zwei Monate später bei Arsuf, doch scheitern zwei Versuche der Eroberung Jerusalems, obwohl Richard nur wenige Kilometer vor der Stadt steht. Während die Deutschen Konrad von Montferrat als Statthalter Jerusalems einsetzen will, unterstützt Richard seinen eigenen Vasallen Guy de Lusignan.
Streit mit Herzog Leopold V.
Den österreichischen Herzog Leopold V. beleidigt er, als er im Streit dessen Fahne herunterriss. Ende 1192, nachdem er mit Saladin einen dreijährigen Waffenstillstand vereinbart hatte, reist Richard ab.
Er versucht Philipps Frankreich zu meiden, muss mit seinem Schiff bei Venedig landen und wird trotz Verkleidung in Wien verhaftet. Herzog LeopoldV. lässt ihn auf Schloss Dürnstein inhaftieren.
1193: Richard Löwenherz wird auf Burg Trifels gefangengesetzt
Nachdem sich Kaiser Heinrich VI. vertraglich verpflichtet hat, Richard Löwenherz nur gegen Bezahlung von Lösegeld freizulassen, übergibt ihn Herzog Leopold V. am 28. März 1193 in Speyer dem Kaiser. Der überstellt den Engländer auf Burg Trifels beim heutigen Annweiler in der Pfalz. Rund 14 Monate verbringt Richard in der Region am Oberrhein in Gefangenschaft.
Mutter Eleonore, die zwischenzeitlich Richards Königreich zusammengehalten hat, verhindert die angedrohte Auslieferung an Philipp, indem sie ein für damalige Verhältnisse gigantisches Lösegeld in Höhe von 150.000 Mark aufbringt. Sie bringt ihren Sohn persönlich nach England zurück.
Richard wird nochmals gekrönt und kehrt sofort wieder in die Normandie zurück, um seine letzten fünf Jahre im Kampf gegen Frankreichs König Philipp zu verbringen. Im Streit gegen den Herzog von Limoges, einen verräterischen Vasallen, trifft ihn der Pfeil von Basile. Seine Mutter ist am Totenbett, als er ihr aufträgt, sein Körper solle in der Kirche von Fontevrault (Anjou) beerdigt werden, sein Herz jedoch in der Kathedrale von Rouen.