Erzbischof attestiert Kirche Versagen bei Missbrauchstaten
dpa/lsw Freiburg. Der jahrzehntelange Missbrauch von Kindern und Jugendlichen setzt die katholische Kirche unter Druck. Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger hat im vergangenen Sommer eine Aufarbeitung angekündigt. Diese wird länger dauern, sagt er in einer ersten Bilanz.
Nach dem jahrzehntelangen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der katholischen Kirche hat der Freiburger Erzbischof Stephan Burger vor einem Nachlassen der Aufarbeitung gewarnt. Die bisherige Bilanz gebe keinen Grund zur Entwarnung, sagte Burger am Mittwoch in Freiburg: „Der ungeschönte Blick zeigt, wie umfassend das Versagen seitens der Institution Kirche war und wie viel Arbeit noch vor uns liegt.“ Missbrauchstaten seien vertuscht, Akten vernichtet worden. Dies zeigten die im vergangenen Sommer begonnenen Überprüfungen. Kirche habe oft im Sinne der Täter gehandelt und sich um Missbrauchsopfer nicht gekümmert.
Dies müsse ein Ende haben, sagte Burger nach Gesprächen mit Missbrauchsopfern. Beim Aufarbeiten des Missbrauchsskandals stehe die Kirche in vielen Bereichen erst am Anfang. Es werde länger dauern, Vergehen aufzuklären und Lehren daraus zu ziehen.
Wichtig sei, dass nicht länger verdrängt werde. „Eine Decke des Schweigens hat auch nach den eigentlichen Übergriffen weiterhin Leid produziert.“ Seien Verdächtige noch am Leben, würden Vorwürfe gegen sie nun erneut überprüft. Zudem werde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Ziel sei es, weitere Übergriffe zu verhindern.
Eine im September 2018 von der Deutschen Bischofskonferenz vorgestellte Studie hatte den massiven sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Kleriker in den vergangenen Jahrzehnten detailliert belegt. Der Freiburger Erzbischof hatte daraufhin eingeräumt, dass es auch in seiner Diözese über Jahrzehnte hinweg Missbrauch und Vertuschung gegeben habe. Von Anfang 1946 bis Ende 2015 wurden den Angaben zufolge im Bereich der Erzdiözese 190 Beschuldigte entdeckt, die meisten von ihnen Priester. Mehr als 30 von ihnen leben noch. Es gebe mindestens 442 Betroffene.
Der Freiburger Erzbischof hatte nach Bekanntwerden der Missbrauchsstudie seine Kirche zur Aufarbeitung aufgerufen und eine Kommission „Macht und Missbrauch“ mit externen Experten eingerichtet.
Deren Arbeit sei „komplexer als anfangs vorherzusehen“, sagte Kommissionsmitglied Magnus Striet. Neben den Taten gehe es auch um veränderte Strukturen. „Es muss endlich im Raum der katholischen Kirche offen über Macht gesprochen werden“, sagte Striet. Die katholische Kirche habe Machtstrukturen, die Missbrauch begünstigten. Kirche müsse transparenter werden, um Täter nicht zu begünstigen.