Erstes Foto vom kranken Papst Franziskus
„Es sieht aus, als sei er in einem Monat um mindestens fünf Jahre gealtert“
Das erste Foto des Papstes seit 14. Februar sorgte zunächst für Erleichterung. Doch inzwischen wird die Aufnahme, die Franziskus versunken sitzend von hinten im Halbprofil zeigt, akribisch analysiert.

© Uncredited/Vatican Press Hall/AP/dpa
Auf diesem von der Presseabteilung des Vatikans via AP veröffentlichten Bild zelebriert Papst Franziskus eine Messe in der Kapelle der Poliklinik Agostino Gemelli in Rom.
Von Markus Brauer/KNA
Das erste Foto von Papst Franziskus nach mehr als vier Wochen hat neue Spekulationen zu seinem Gesundheitszustand ausgelöst. „Es sieht aus, als sei er in einem Monat um mindestens fünf Jahre gealtert“, sagte der Professor für Infektionskrankheiten an der Universität Genua, Matteo Bassetti, der Tageszeitung „Il Messaggero“ am Montag (17. März). Er glaube nicht, dass Franziskus weiter in der Lage sein werde, die Aufgaben eines Papstes in vollem Umfang zu erfüllen, so der in Italien oft zitierte Mediziner.
„Leidender Patient“
Auf dem am Sonntagabend (16. März) vom Vatikan veröffentlichten Foto sieht man den 88-Jährigen von der Seite, leicht eingesunken vor dem Altar in der Kapelle im Privattrakt der Gemelli-Klinik sitzend.
Dort habe er zuvor eine Messe konzelebriert – zum ersten Mal seit seiner Einlieferung am 14. Februar. Franziskus trägt eine Priesterstola, seine Gesichtszüge sind kaum zu erkennen. Auffällig ist seine stark geschwollene rechte Hand.
Das Foto zeige einen „leidenden Patienten“, erläutert Bassetti. Angesichts der multiplen Infektion der Atemwege sei es ein Wunder, dass der Papst überhaupt noch lebe.
Entscheidend sei nun, wie stark er von medizinischer Sauerstoffzufuhr abhängig sei. Die Infektionen, die er überstanden habe, hinterließen in der Regel „Verwüstungen in der Atmung“.
„Anzeichen der Besserung“
Dagegen sprach der Präsident der Italienischen Gesellschaft für Innere Medizin, Nicola Montano, von einem „insgesamt nicht negativen“ Gesamtbild und „Anzeichen einer Besserung“.
Immerhin scheine der Pontifex einer Tätigkeit nachzugehen, wenn auch im Sitzen, erklärte der Experte. Die geschwollene Hand deute auf eine Wassereinlagerung hin, möglicherweise eine Folge der langen intravenösen Flüssigkeitszufuhr.
Für Vermutungen über einen Entlassungstermin sei es noch zu früh, betonte Montano. Vor allem müsse der Papst dafür wieder selbstständiger atmen können. Zuletzt hieß es im Vatikan, der Papst erhalte tagsüber hoch dosierten Sauerstoff durch Nasenkanülen; der nächtliche Einsatz der Atemmaske, die die Lunge komplett entlastet, sei allerdings reduziert worden.
Info: Kirchenrecht regelt Verfahren bei Krankheit oder Tod eines Papstes
Was passiert, wenn ein Papst längere Zeit im Krankenhaus liegt und sein Amt nicht wie gewohnt ausüben kann? Ein Papst hat keinen Stellvertreter. Bestimmte Aufgaben sind nicht delegierbar. Dazu gehören so genannte Unfehlbare Lehrentscheidungen, Heilig- und Seligsprechungen, Dispens (Auflösung) von Eheschließungen oder Zölibatsversprechen, also die genehmigte Entlassung von Priestern aus dem Dienst. Die Veröffentlichung päpstlicher Dokumente wie Enzykliken oder der Erlass päpstlicher Gesetze ist zwangsläufig nicht möglich. Die römische Kurie mit ihren verschiedenen Kongregationen ist in ihrer Arbeit aber nicht beschnitten.
Was passiert, wenn ein Papst zurücktritt? In der Apostolischen Konstitution „Universi Dominici Gregis“ aus dem Jahr 1996 hat Papst Johannes Paul II. verbindlich geregelt, was im Fall der Vakanz des Papststuhls zu tun ist und welche Rechte die Kurie und das Kardinalskollegium haben. Das Dokument geht nur von der Vakanz aus, unterscheidet also nicht zwischen einem Rücktritt eines Pontifex und dem Todesfall. Nach dem geltenden Kirchenrecht kann ein Papst jederzeit seinen Rücktritt erklären. Er wäre dann praktisch – wie Benedikt XVI. – der Alt-Bischof der Diözese Rom und hätte keinerlei Amtsgewalt mehr. Bestimmte Verhaltensregeln wie etwa der Rückzug aus der Öffentlichkeit sind allerdings nicht konkret festgelegt.
Was geschieht, wenn ein Papst stirbt? Wie bei einem Rücktritt wäre die katholische Kirche auch im Todesfall bis zur Wahl eines neuen Papstes ohne Oberhirten. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes muss der Camerlengo (der Kardinalskämmerer) Arbeitszimmer und Privatgemächer des verstorbenen Papstes versiegeln. Der Leichnam des verstorbenen Pontifex darf nicht fotografiert werden, wenn dieser nicht mit seinen Pontifikalgewändern bekleidet ist. Die hohen Kirchenvertreter – der Kardinalstaatssekretär und die Kardinalpräfekten – treten zurück. Das Kardinalskollegium übernimmt gemeinsam die kirchlichen Amtsgeschäfte. Doch das Kollegium hat lediglich Vollmacht die laufenden Geschäfte zu führen, die Trauerfeiern und die Beisetzung des verstorbenen Papstes vorzubereiten sowie die Wahl des neuen Mannes an der Spitze der katholischen Kirche zu organisieren. Besondere Bedeutung kommt dem Kardinaldekan zu, der alle Fäden in der Hand hält.
Wie wird die Trauerfeier gestaltet? Als wichtigste Amtshandlung muss das Kardinalskollegium den Tag, die Stunde sowie die Art und Weise bestimmen, wie der Leichnam des Papstes in die Vatikanische Basilika zu überführen ist, um dort zur Verwehrung durch die Gläubigen aufgebahrt zu werden. Die Trauerfeiern sollen während neun aufeinander folgenden Tagen gehalten werden. Die Bestattung ist vier bis sechs Tage nach dem Tod vorgesehen. Es ist aber nicht vorgeschrieben, dass der tote Papst – wie in der neueren Geschichte üblich – unbedingt im Petersdom sein Grab findet.
Wann tritt das Konklave der Kardinäle zusammen? Frühestens 15, spätestens 20 Tage nach dem Tod des Papstes müssen die Kardinäle, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, zum Konklave in der Sixtinischen Kapelle im Vatikanstaat zusammenkommen, um das neue Oberhaupt der katholischen Kirche zu wählen.