Umwelt-Studie

Feinstaub ist noch schädlicher als bisher angenommen

Basler Wissenschaftler warnen vor Feinstaub. Neue Analysen zeigten, dass er mehr gesundheitsgefährdende Stoffe enthält als gedacht. Und besonders aggressiv Entzündungen auslösen kann.

Feinstaub besteht  aus einem Gemisch fester und flüssiger Partikel und entsteht etwa durch den Betrieb von Autos, Heizungen in Wohnhäusern oder der Industrie, etwa bei der Metall- und Stahlerzeugung.

© dpa/Armin Weigel

Feinstaub besteht aus einem Gemisch fester und flüssiger Partikel und entsteht etwa durch den Betrieb von Autos, Heizungen in Wohnhäusern oder der Industrie, etwa bei der Metall- und Stahlerzeugung.

Von Markus Brauer/KNA

Feinstaub könnte noch gefährlicher sein als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Montag (31. März) in Basel veröffentlichte Untersuchung von Umweltwissenschaftlern.

Der Grund seien die in Feinstaub enthaltenen Stoffe, die schnell und auf verschiedene Weise mit Körperzellen reagieren und Entzündungen auslösen können. Diese sogenannten Sauerstoffradikale könnten für chronische Atemwegsprobleme, Herz-Kreislauferkrankungen bis hin zu Diabetes und Demenz mitverantwortlich sein, betonen die Basler Wissenschaftler.

Messungen in Echtzeit

Der neue Ansatz der Studie bestand darin, die Mengen dieser hochreaktiven Moleküle in Echtzeit messen zu können. Dabei stellten die Forscher nach eigenen Angaben fest, dass sich der Großteil dieser gesundheitsgefährdenden Stoffe innerhalb von Minuten oder Stunden abbaut. Und somit bei herkömmlichen Untersuchungen, bei denen über eine lange Zeit Feinstaub in Filtern gesammelt wird, kaum entdeckt oder die Menge als zu gering eingestuft wird.

„Weil diese Sauerstoffradikale so schnell mit anderen Molekülen reagieren, müsste man sie aber ohne Verzögerung messen“, sagt der Studienleiter und Atmosphärenwissenschaftler Markus Kalberer. Dazu hat das Basler Team Vorschläge erarbeitet.

Zellen in der Lunge betroffen

Die Wissenschaftler führten in ihrer Studie auch aus, dass die flüchtigen Verbindungen auf andere Weise den menschlichen Körper schädigen können als die Stoffe, die in bisherigen Feinstaubanalysen als besonders schädlich identifiziert wurden. So hätten die kurzlebigen hochreaktiven Bestandteile des Feinstaubs im Labor an Lungenzellen stärkere Entzündungsreaktionen ausgelöst.

Was ist Feinstaub?

Feinstaub besteht laut Umweltbundesamt aus einem Gemisch fester und flüssiger Partikel und entsteht etwa durch den Betrieb von Autos, Heizungen in Wohnhäusern oder der Industrie, etwa bei der Metall- und Stahlerzeugung. Auch in der Landwirtschaft entsteht Feinstaub, etwa Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung.

Diese winzigen Teilchen können tief in die Atemwege eindringen und etwa die Lunge nachhaltig schädigen. Studien zufolge kann eine hohe Feinstaubbelastung einen vorzeitigen Tod verursachen, beispielsweise infolge von Herz- und Atemwegserkrankungen, Lungenkrebs und Infektionen der unteren Atemwege.

Feinstaub ist ein globales Problem

Etwa 2,5 Milliarden Menschen in Städten weltweit sind laut einer Studie einer Feinstaubbelastung ausgesetzt, die über den von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Grenzwerten liegt. Das sind rund 86 Prozent aller in Städten lebenden Menschen, heißt es in der Studie.

Neben Feinstaub bleiben auch Stickstoffdioxid und bodennahes Ozon in der Luft ein großes Problem: Rund 50.000 Todesfälle in der EU sind nach der EEA-Analyse einer erhöhten Belastung durch Stickstoffdioxid zuzuordnen, mehr als 20.000 der Ozon-Belastung.

Stickstoffdioxid entsteht bei Verbrennungsprozessen, etwa in Motoren, hohe Konzentrationen werden an viel befahrenen Straßen erreicht.

Ziel der EU ist, die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Feinstaub-Belastung bis 2030 um 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu reduzieren. Zwischen 2005 und 2021 ist die Zahl der Todesfälle laut EEA bereits um 41 Prozent zurückgegangen.

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Erstellt:
31. März 2025, 13:30 Uhr
Aktualisiert:
31. März 2025, 13:44 Uhr

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