Pulse Day 2025

Felix Magath ruft zum Puls-Messen auf

Herzrhythmusstörungen sind eine Volkskrankheit. Um mehr Bundesbürger aufzuklären, starten Herzexperten und Profisportler eine Kampagne.

Der 71-jährige Felix Magath ist   Schirmherr einer Kampagne der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die sich „Pulseday“ nennt

© dpa/Andreas Gora

Der 71-jährige Felix Magath ist Schirmherr einer Kampagne der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die sich „Pulseday“ nennt

Von Regine Warth

Vor 40 Jahren dachten Profifußballer noch, sie könnten nahezu alles aushalten: „Da bin ich mit Fieber auf den Platz gegangen und habe gespielt“, sagt der frühere Nationalspieler und spätere Trainer des VfB Stuttgart, Felix Magath, unserer Zeitung. Um die eigene Gesundheit hat man sich damals wenig gesorgt.

Vieles hat sich geändert; heute werden die Profisportler vor dem Saisonstart gründlichst durchgecheckt. Und doch wird manches übersehen: Das Kammerflimmern des dänischen Nationalspielers Christian Eriksen etwa, dem nach dem Zusammenbruch bei der EM 2021 ein Defibrillator implantiert wurde. Oder die Herzmuskelentzündung des italienischen Fußballprofis Edoardo Bove, der im vorigen Dezember aufgrund von Herzrhythmusstörungen im Spiel zusammengebrochen ist.

Zum Pulsmessen braucht es nicht unbedingt eine Smartwatch

Es sind nicht zuletzt Fälle wie diese, die Magath dazu bewogen haben, nicht nur Fußballern vor Augen zu halten, wie wichtig es ist, die eigene Gesundheit im Blick zu haben – sondern möglichst der ganzen Gesellschaft. Der 71-Jährige ist daher Schirmherr einer Kampagne der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), die sich „Pulseday“ nennt (www.herzstiftung.de/pulseday). Sie hat es sich zum Ziel gemacht, mehr Bewusstsein für die Puls-Selbstmessung zu schaffen – und zwar immer am 1. März. Das Datum ist bewusst gewählt: Mindestens einer von drei Menschen in Europa entwickelt im Laufe seines Lebens Herzrhythmusstörungen.

„Regelmäßig den eigenen Puls zu fühlen und zu messen, ist eine einfache Möglichkeit, zu überprüfen, wie es um die eigene Herzgesundheit steht“, sagt Magath. Dazu braucht es nicht mal eine Smartwatch: Um den Puls am Handgelenk zu fühlen, sollte man sich fünf Minuten hinsetzen. Dann den Zeige- und Mittelfinger knapp unter dem Daumen an die innere Seite des Handgelenks legen, bis ein Pochen zu erspüren ist. Um die Herzfrequenz zu ermitteln, sollte man für 30 Sekunden den Herzschlag zählen und den Wert verdoppeln. Ein Wert von 60 bis 80 Schlägen pro Minute gilt als normal.

Bei vielen gerät der Herzschlag aus dem Takt

Zeigt der Puls Auffälligkeiten, sollte man sie mit dem Arzt besprechen, rät der Kardiologe Julian Chun von der Deutschen Herzstiftung, der den Pulseday zusammen mit Kollegen ins Leben gerufen hat. Die Gründe für einen gestörten Pulsschlag könnten vielseitig sein, sagt der Chefarzt der Kardiologie am Agaplesion Markus Krankenhaus Frankfurt/Main. Nicht jeder Stolperer sei Grund zur Besorgnis: zusätzliche Herzschläge, Extrasystolen genannt, sind ungefährlich, wenn das Herz ansonsten gesund ist.

Anders sieht es bei angeborenen Herzrhythmusstörungen aus – und bei solchen, die aufgrund einer Erkrankung entstanden sind: etwa einer Verengung der Herzkranzgefäße, einem Klappenfehler oder einer Herzschwäche. Nicht zuletzt steigert ein ungesunder Lebensstil das Risiko für eine Herzrhythmusstörung. Denn dieser begünstigt hohen Blutdruck, Diabetes mellitus, Schlafapnoe oder Gefäßerkrankungen.

Ärzte rufen alle auf, ihren Puls zu messen

Hinzu kommt das Alter: So steigt das Risiko für Herzrhythmusstörungen ab 55 Jahren. Das Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Es schränkt die körperliche Belastbarkeit ein und mindert die Lebensqualität. Schlimmstenfalls kann es lebensgefährliche Folgen haben – etwa den Schlaganfall. Derzeit seien etwa zwei Millionen Bundesbürger an Vorhofflimmern erkrankt, sagt Chun. Je älter die Gesellschaft wird, desto häufiger tritt diese Form der Herzrhythmusstörung auf: So wird es in drei Jahrzehnten rund doppelt so viele Vorhofflimmerpatienten wie heute geben.

Es braucht also mehr Prävention, fordern die Gründer des Pulsedays. Sie sind vor allem in den Sozialen Medien aktiv: Bei der #feelthepulse-Challenge etwa, die zur Puls-Selbstmessung aufruft. Wie hoch ist der eigene Puls bei bestimmten Aktivitäten wie Joggen, Musikhören oder Arbeiten? Gibt es Situationen, die den Puls in die Höhe treiben? Und wie lässt sich der Puls beruhigen? „Je besser wir unseren Puls kennen, umso eher fallen uns mögliche Veränderungen und eventuelle Herzrhythmusstörungen auf“, erklärt Holger Thiele, Präsident der DGK, die den Pulseday unterstützt. Teilnehmen kann jeder noch bis zum 1. März.

Felix Magath kennt seinen Puls sehr genau: „Bei mir ist der Ruhepuls insbesondere morgens sehr niedrig, weshalb ich da schon schauen muss, dass ich mich in Schwung bringe“, sagt der 71-Jährige. Mit Joggen und Radfahren etwa – und dem wöchentlichen Spiel als Hobbykicker. „Zu hoch wird mein Puls allerdings auch dabei nicht“, sagt Magath. „Dafür bin ich berufsbedingt zu sehr stresserprobt.“

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Erstellt:
26. Februar 2025, 13:08 Uhr

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