Schmetterlingshaus auf der Insel Mainau
Flatterhafte Glücksmomente
Im Schmetterlingshaus auf der Insel Mainau erwartet die Besucher eine tropische Welt, voller bunter Falter und blühender Pflanzen.

© Annette Frühauf/Annette Frühauf
Labsal an Orangenscheibe
Von Annette Frühauf
Ein dichter Vorhang an den Zugängen des Gewächshauses verhindert, dass die Falter ins Freie gelangen. Wer ihn passiert, findet sich in einem kleinen Paradies wieder. Im zweitgrößten Schmetterlingshaus Deutschlands, das seit 29 Jahren ein Hot-Spot der Insel ist, leben die Saison über mehr als 1000 Falter. Die rund 120 Arten stammen von Zuchtbetrieben aus tropischen Regionen. Im Wechsel kommen die Puppen aus Süd- und Mittelamerika, Afrika und Asien. „So gibt es übers Jahr viel Abwechslung für die Besucher“, sagt Stefan Reisch, Leiter der Orchideensammlung und des Schmetterlingshauses auf der Mainau.
Meister der Mimikry
Die flatternden Insekten entlocken vielen Besuchern ein Lächeln. Vor allem, wenn sich eines von ihnen auf einem Arm, dem Kopf oder die Brille niederlässt. Das passiert allerdings weniger aus Interesse, sondern, um Mineralien aufzunehmen, die etwa beim Schwitzen entstehen. 25 Grad beträgt die Temperatur im Glashaus, bei Sonne mehr.
Die Falter, die hier herumschwirren, sind nicht ohne Grund so unterschiedlich. Dunkle Farben helfen den Schmetterlingen beispielsweise, die Wärme der Sonnenstrahlen zu speichern. Fast durchsichtige Flügel, wie beim Glasflügler, helfen den Tieren, sich besser vor Vögeln und anderen Fressfeinden zu verstecken. Falter sind wahre Meister in Sachen Tarnung, Täuschung und Warnung. Manche Falter signalisieren ihren Feinden mit ihren leuchtenden Farben, dass sie giftig sind, so wie der Monarchfalter. Andere Arten tarnen sich hingegen, indem ihre Flügel-Muster an die Umgebung angepasst sind. Wieder andere ahmen das Aussehen von giftigen Faltern nach, um von ihren Feinden nicht gefressen zu werden. Dieses Phänomen nennt man Mimikry.
Auf dem Rundgang durch die Anlage sollte man nicht nur nach oben schauen, sondern auch auf den Boden achten. Gerade sitzt ein Exemplar auf den feuchten Steinen des Weges und bewegt seine zarten, gelblich schimmernden Flügel auf und ab. Der kleinere Teil der Insekten, die hier herumfliegen, vermehrt sich selbstständig. Dazu legen die weiblichen Falter ihre Eier an den Pflanzen ab. Je nach Art bevorzugen die geschlüpften Larven ganz bestimmte Pflanzen in ausreichenden Mengen – denn eine Raupe ist ja bekanntlich „nimmersatt“.
Metamorphosen beobachten
Zur Metamorphose der Falter gehört, dass sich die Raupen verpuppen. In diesem Stadium sind sie ihren Fressfeinden schutzlos ausgeliefert. Im Inneren der Puppe findet dann eine komplette Umwandlung statt – von der Raupe bis zum flugfähigen Schmetterling. Ganz unterschiedliche Puppen, die alle in diesem Stadion von den Zuchtstationen kommen, hängen aufgefädelt an einer Wand des Schmetterlingshauses. Mit etwas Geduld und Glück kann man das Schlüpfen eines Falters beobachten. Die meisten Falter haben eine Lebensdauer von bis zu vier Wochen, nur wenige können doppelt so lange herumflattern.
Immer wieder sieht man, dass sich Schmetterlinge verfolgen. „Das sind Balzflüge“, erklärt Stefan Reisch. Beliebt bei den Insekten sind die aufgehängten Orangenscheiben und Bananenstücke, vor allem im Winter, wenn auch im Schmetterlingshaus weniger Blüten locken. An den Futterstationen sammeln sie sich, um mit ihren Rüsseln Flüssigkeit aus dem Obst zu saugen. Ein größerer Falter hat dabei seine filigranen Flügel zusammengeklappt. Plötzlich öffnen sie sich, die orangefarbene Zeichnung entfaltet sich in ihrer ganzen Pracht. „Oh, wie schön!“, kommt es von den umstehenden Besuchern, die den Abflug gebannt verfolgen.
Das Schmetterlingshaus ist ganzjährig geöffnet. Mehr zu Veranstaltungen rund um das Thema sowie zum Blumenjahr der Insel Mainau, das am 21. März beginnt, gibt es unter www.mainau.de