Was geschah am . . . 8. Februar 1925?

Friedrich Ebert: Deutschlands erster demokratische Präsident ist tot

Er war „ein Mann aus dem Volk“ und wurde 1919 zum ersten demokratischen Staatsoberhaupt Deutschlands gewählt. Vor 100 Jahren, am 28. Februar 1925, starb Reichspräsident Friedrich Ebert völlig überraschend im Alter von 54 Jahren.

Vom Sattler zum Präsidenten: Vor 100 Jahren, am 28. Februar 1925, stirbt Reichspräsident Friedrich Ebert.

© Imago/Imagebroker

Vom Sattler zum Präsidenten: Vor 100 Jahren, am 28. Februar 1925, stirbt Reichspräsident Friedrich Ebert.

Von Markus Brauer/KNA

Friedrich Ebert wird am 4. Februar 1871 als siebtes von neun Kindern des Schneiders Karl Ebert in der Heidelberger Altstadt geboren. Er wächst im Milieu der Kleinhandwerker, Arbeiter und Tagelöhner auf. Ebert absolviert eine Lehre als Sattler und geht anschließend auf Wanderschaft. Er schließt sich der Gewerkschaft und der SPD an und steht damit auf der „schwarzen Liste“ der Polizei. Deshalb muss er ständig seinen Wohnort wechseln.

Mehr soziale Gerechtigkeit als Ziel

Von Bremen aus startet der SPD-Mann seine politische Karriere. 1893 arbeitet er als Redakteur bei der „Bremer Bürger-Zeitung“. 1899 wird er in die Bremer Bürgerschaft gewählt und übernimmt das Amt des Fraktionsvorsitzenden. Hier erwirbt Ebert sein politisches Rüstzeug.

1905 wird er als hervorragender Organisator und Netzwerker in den SPD-Parteivorstand gewählt und geht nach Berlin. Hier bewährt er sich als Vermittler zwischen den auseinanderdriftenden Parteiflügeln. Seit 1912 Mitglied des Reichstags, wird er 1913 nach dem Tod August Bebels zusammen mit Hugo Haase zu neuen SPD-Parteivorsitzenden gewählt.

Schlüsselfigur deutscher Geschichte

Im Herbst 1918 wird der Schneidersohn zur Schlüsselfigur der deutschen Geschichte: Er kämpft für einen allmählichen Übergang zur Demokratie und war gegen eine Revolution.

Ebert sei „weder ein Ideologe, noch ein Mann kühner Visionen“ gewesen, schreibt der Historiker Heinrich August Winkler. Er sei zu der Einsicht gelangt, dass Deutschland am Ende eines verheerenden Krieges eine Katastrophe drohe, wenn sich die gemäßigten Kräfte der Arbeiterbewegung und das Bürgertum nicht verständigen könnten.

Eine parlamentarische Monarchie hätte Ebert akzeptiert, allerdings nicht mit dem abgewirtschafteten Kaiser Wilhelm II. Noch Ende Oktober 1918 ist er der Ansicht: „Deutschland ist nicht reif für die Republik.“ Als kurzzeitiger Reichskanzler der am 10. November 1918 aus SPD und USPD gebildeten Revolutionsregierung drängt Ebert darauf, auch Bürgertum, Richter, Beamte und Offiziere für die neue Staatsform zu gewinnen.

Vertreter des ganzen Volkes

Am 11. Februar 1919 wählt die in Weimar tagende Nationalversammlung den in der Wolle gefärbten Sozialdemokraten zum Reichspräsidenten. Ebert versichert: „Ich will und werde als der Beauftragte des ganzen deutschen Volkes handeln, nicht als Vormann einer einzigen Partei.“

Die Parteizeitung „Vorwärts“ bringt es auf den Punkt: „Der Sattler Fritz Ebert ist Reichspräsident.“ Und Harry Graf Kessler schreibt in seinem Tagebuch skeptisch vom „gekrönten Sattlermeister“.

In den stürmischen Anfangsjahren der Weimarer Republik kämpft Ebert für die Stabilisierung der Demokratie. Sein Ziel: den wirtschaftlichen Wiederaufbau voranzutreiben und den Sozialstaat auszubauen. Mehrfach setzt der Präsident Entscheidungen mit Hilfe des Notstandsparagrafen Artikel 48 gegen die Mehrheit des Reichstags durch. Allein 1923 waren es 42 Notverordnungen, mit er die Republik durch die Krise führt, aber die Stellung des Parlaments indirekt untergräbt.

Bündnis mit den Nationalen gegen die Kommunisten

Im Oktober 1923 geht er sogar ein Bündnis mit nationalen Kreisen ein und lässt die Reichswehr in Sachsen und Thüringen einmarschieren, um einen kommunistischen Aufstand zu verhindern. Ebert wird dafür von seiner eigenen Partei heftig kritisiert, besonders, weil er gleichzeitig nicht gegen die reaktionäre Regierung Bayerns vorgeht.

Von Rechts ist Ebert verleumderischen Hetzkampagnen ausgesetzt. Berühmt wird etwa ein Foto aus dem Sommer 1919, das ihn in kurzer Badehose zeigt – damals ein Skandal. In über 170 Prozessen versucht der Präsident, seine persönliche Ehre und die Würde des Amtes zu verteidigen.

Tödliche Folgen eines Blinddarmdurchbruchs

Ein Magdeburger Gericht urteilt im Dezember 1924, dass er sich durch seine Teilnahme am „Januarstreik“ 1918 des Landesverrats schuldig gemacht hätte. Den Präsidenten trifft dieses Urteil tief, auch weil zwei seiner Söhne im Krieg gefallen waren.

Um in Revision zu gehen, verschiebt Ebert eine Blinddarmoperation. Er stirbt am 28. Februar 1925 an den Folgen eines Blinddarmdurchbruchs. Hunderttausende nehmen am Staatsakt in Berlin und an der Beerdigung in Heidelberg teil und machen die Trauerfeiern zu einer Demonstration für die Demokratie.

Zum Nachfolger wählen die Deutschen Paul von Hindenburg, einen Militär und Antirepublikaner. Er wird im Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler ernennen und damit das endgültige der ersten Demokratie auf deutschem Boden besiegeln.

Zum Artikel

Erstellt:
26. Februar 2025, 17:54 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen