Für Familien: Der Wandkalender ist besser als jede App

Während geschäftliche Termine vorwiegend digital organisiert werden, setzen Familien beim Koordinieren von Musikunterricht, Fußballtraining und Geburtstagsfeiern eher auf den guten alten Wandkalender.

Für jedes Familienmitglied eine Spalte und für jeden Monat ein Blatt, dann klappt das mit der Übersicht. Auch dann wenn Sabrina und Alexander Sturm selbst und ihre Kinder Luca (8), Jonas (5) und Lina (2) jede Menge Termine haben. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Für jedes Familienmitglied eine Spalte und für jeden Monat ein Blatt, dann klappt das mit der Übersicht. Auch dann wenn Sabrina und Alexander Sturm selbst und ihre Kinder Luca (8), Jonas (5) und Lina (2) jede Menge Termine haben. Foto: Alexander Becher

Von Annette Hohnerlein

Burgstetten/Sulzbach an der Murr. Wer macht bei Familie Sturm die Termine? „Das macht die Mama“, antwortet der achtjährige Luca. Seine Mutter Sabrina zeigt auf den großen Familienkalender. „So ein Kalender hängt bei uns seit Jahren in der Küche. Jedes Familienmitglied hat seine eigene Spalte, jeder Monat hat eine Seite.“ Eine solche Übersicht im Großformat kann keine Handy-App bieten. Und der althergebrachte Planer aus Papier hat noch einen weiteren Vorteil für die Familie aus Erbstetten: Jeder kann im Vorbeigehen darauf schauen, zum Beispiel auch die Großeltern, wenn sie ihre Enkel betreuen.

Das wird vor allem dann wichtig werden, wenn Sabrina Sturm, die im Moment noch in Elternzeit ist, wieder anfängt zu arbeiten. Dann gehen auch mal Oma oder Opa mit Luca zum Fußballtraining, mit dem fünfjährigen Jonas zur Musikschule oder mit der zweijährigen Lina zum Kinderturnen. Die Sturms sind eine aktive Familie; wenn nicht gerade Ferien sind, kommen locker 15 bis 20 Termine in der Woche zusammen. Zu den regelmäßigen Aktivitäten kommen noch Geburtstagsfeiern, Arzttermine sowie Schul- und Vereinsveranstaltungen dazu.

Im beruflichen Bereich haben die digitalen Terminkalender Vorteile

Alexander Sturm, der als Informatiker bei einer Softwarefirma arbeitet, verwaltet seine beruflichen Termine natürlich digital. „Bei Geschäftsterminen, die viele sehen müssen, ist das sinnvoll“, erklärt er. Auch seine Frau führt bei ihrer Arbeit als Regionalverkaufsleiterin eines Discounters einen digitalen Terminkalender. Damit die handschriftlich festgehaltenen privaten und die digital verwalteten geschäftlichen Termine nicht miteinander kollidieren, stimmt sich das Ehepaar per WhatsApp ab. Trotzdem: „Es kommt schon vor, dass ich mal einen privaten Termin versemmele“, gibt Alexander Sturm zu. Was die beiden jedoch gemeinsam digital organisieren, ist die Einkaufsliste, erzählt Sabrina Sturm. Jeder trägt seine Wünsche in eine App auf dem Smartphone ein.

Offenbar halten es viele Familien so wie die Sturms: Sie setzen neue Technik im Beruf ein, im Privatleben hat sich das Althergebrachte bewährt. So auch bei Familie Will aus Sulzbach an der Murr, wo der große Familienmonatsplaner im Badezimmer hängt, weil dort morgens jeder mal vorbeikommt. In der Familie leben drei Kinder im Alter von drei, neun und elf Jahren, da ist jeden Tag mindestens ein Termin eingetragen. Karl Will erzählt, dass er zur besseren Abstimmung auch größere Dienstreisen in diesen Wandkalender einträgt, umgekehrt vermerkt er im Firmenhandy auch teilweise private Termine. Im Übrigen ist er ein Verfechter der persönlichen Absprache. „Meine Frau und ich setzen uns abends hin und besprechen die Termine“, erklärt er. Auch im Geschäftsleben fände er ein solches Vorgehen besser als die oft übliche Praxis, einfach Termine in den Kalender eines Mitarbeiters einzutragen, wenn dort gerade eine Lücke ist. „Man sollte darüber reden und nicht nur digital eintragen“, findet Will.

Der selbst entworfene Kalender

Auch Sindy Horn setzt auf das Familienmanagement in Papierform, allerdings im Großformat. Die Grafikerin hat einen selbst entworfenen Familienkalender in DIN-A0-Format, auf dem sie sechs Monate überblicken kann. Er ist auch deshalb so groß, weil sie das Terminraster in der Mitte mit lauter persönlichen Fotos des vergangenen Jahres umrahmt hat: Feste, Ausflüge, Geburtstage, Weihnachten. „Das ist schon das vierte oder fünfte Jahr, in dem ich einen solchen Kalender am Rechner gestalte“, verrät die Mutter zweier Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren. „Die abgelaufenen Kalender werden nach Gebrauch zusammengerollt und auf der Bühne aufgehoben.“

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Erstellt:
10. November 2022, 11:30 Uhr

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