Hohe Preise und unsichere Konjunktur: Würth plant vorsichtig

dpa/lsw Künzelsau. Nach einem Rekordjahr 2018 wollte Würth in diesem Jahr noch einmal einen draufsetzen. Beim Umsatz liegt der Werkzeug-Handelskonzern nach sechs Monaten auch weitgehend im Plan. Beim Gewinn müssen aber erste Abstriche gemacht werden.

Das Logo der Würth-Gruppe ist an der Fassade eines Firmengebäudes zu sehen. Foto: Sebastian Kahnert/Archivbild

Das Logo der Würth-Gruppe ist an der Fassade eines Firmengebäudes zu sehen. Foto: Sebastian Kahnert/Archivbild

Steigende Materialpreise und eine schwächelnde Konjunktur machen sich auch beim Werkzeug-Handelskonzern Würth bemerkbar. Zwar legte die Unternehmensgruppe aus Künzelsau beim Umsatz im ersten Halbjahr 2019 weiter zu. Der Gewinn aus dem operativen Geschäft ging allerdings spürbar zurück - auch weil weiter sehr viel Geld unter anderem in digitale Projekte und den Ausbau des Vertriebsnetzes gesteckt werde, wie Würth-Chef Robert Friedmann am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur sagte. „Das kostet natürlich Rendite“, betonte er. Mit der Umsatzentwicklung - ein Plus von 5,2 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro - könne man aber zufrieden sein.

Mit einem Betriebsergebnis von 340 Millionen Euro lag Würth 60 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert. Noch im Mai hatte sich Friedmann überzeugt gezeigt, das Rekordergebnis von 870 Millionen Euro aus 2018 in diesem Jahr noch weiter steigern zu können. Die Monate seither hätten sich dann aber als sehr schwierig erwiesen. Zumindest das Niveau des Vorjahres werde man trotzdem wieder erreichen, betonte der Würth-Chef.

Friedmann zufolge investiert die Unternehmensgruppe in diesem Jahr rund 650 Millionen Euro. Unter anderem sollen bis zu 1000 neue Verkäufer für den Außendienst eingestellt werden.

Ein Umsatzwachstum von fünf bis sieben Prozent in diesem Jahr hält Friedmann weiter für möglich, wenngleich es derzeit sehr schwierig sei, Vorhersagen zur konjunkturellen Entwicklung zu treffen. Je nachdem, wie der Handelsstreit zwischen den USA und China letztlich ende und unter welchen Bedingungen der Brexit vollzogen werde, könne das Jahr noch deutlich besser als gedacht werden - oder aber auch noch deutlich schlechter.

Schwer abzuschätzen sei auch, worauf die Zurückhaltung vieler Kunden zurückzuführen sei - ob wirklich der Bedarf gesunken sei oder ob viele in den zurückliegenden Monaten lediglich ihre Lagerbestände abgebaut hätten. „Wir glauben, dass nicht alles zurückgehender Bedarf ist“, sagte Friedmann.

Ein Umsatztreiber war in diesem Jahr bislang erneut der Elektro-Bereich, allerdings auch aufgrund von Zukäufen, wie Würth mitteilte. Noch nicht eingerechnet ist die Übernahme des spanischen Elektrogroßhändlers Grupo Electro Stocks aus dem Juni.

Früher auf Schrauben spezialisiert, bietet Würth inzwischen auch Werkzeuge, Elektronik-Bauteile und Elektrogeräte oder chemische Produkte an. Weltweit arbeiten gut 77 000 Menschen für den Konzern, rund 24 000 davon in Deutschland.

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Erstellt:
17. Juli 2019, 16:26 Uhr

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