Online-Handel mit Reliquien
„Influencer Gottes“: Haare vom bald Heiligen im Internet versteigert
Da hat der Teufel seine Hände im Spiel, glaubt Bischof Domenico Sorrentino in Assisi. Im Internet wurden Haare des „Influencers Gottes“, Carlo Acutis, angeboten. Nun ergriff der Bischof drastische Maßnahmen.

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Andenken wie diese Plastikfiguren des seligen und bald heiligen Carlo Acutis werden überall in Italien wie hier in Florenz feilgeboten.
Von Markus Brauer/KNA
[Der Bischof von Assisi, Domenico Sorrentino, hat Anzeige erstattet, weil angebliche Reliquien des „Influencers Gottes“, Carlo Acutis, im Internet versteigert wurden. Wie das Bistum mitteilt, hat der Bischof um Beschlagnahmung der angebotenen Stücke gebeten.
Verletzung religiöser Gefühle
„Nachdem wir die Internet-Auktion überprüft haben“, sagt Sorrentino, „haben wir beschlossen, eine Beschwerde einzureichen. Ich fürchte, dass der Teufel seine Hand im Spiel hat.“ Italienische Medien berichteten am Donnerstag (27. März) über den Vorgang.
Unter anderem wurden demnach Haare des 2006 verstorbenen Jugendlichen Acutis online angeboten. „Wir wissen nicht, ob die Reliquien echt oder gefälscht sind“, erklärt der Bischof. „Aber wenn alles erfunden wäre, wenn es eine Täuschung gäbe, dann läge nicht nur Betrug vor, sondern auch eine Verletzung religiöser Gefühle.“
Katholische Erinnerungskultur
Reliquien sind eine besondere Art der Erinnerungskultur in der katholischen Tradition. Körperteile wie Knochen, Haare oder Kleidungsstücke von Menschen, die durch ihr Leben und Wirken besondere Verehrung in der Kirche erfahren, werden in besonderen Gefäßen - meist in Kirchen ausgestellt – und sollen Gläubigen eine Nähe zu den verehrten Personen ermöglichen.
Sorrentino kritisiert, dass es im Internet einen Markt für Reliquien gebe. Das sei unakzeptabel. Der Handel und Verkauf von Reliquien ist nach katholischem Kirchenrecht verboten.
„Cyber-Apostel“ und „Internet-Patron“
Carlo Acutis starb mit 15 Jahren an Leukämie. Er ist in Assisi begraben. Acutis erlangte weltweite Bekanntheit als „Cyber-Apostel“, „Internet-Patron“ oder „Influencer Gottes“. Ende 2020 wurde er seliggesprochen.
Carlo Acutis half zu Lebzeiten Priestern dabei, Websites für ihre Pfarreien einzurichten. Er baute eine Internet-Datenbank über religiöse Wunder auf und warb im Netz für seinen Glauben. Seine Sammlung von „Wundern“ ist bis heute im Internet zugänglich.
Nach der Selig- folgt im April die Heiligsprechung
Der Seligsprechung im Jahr 2020 und der nun im kommenden April anstehenden Heiligsprechung ging ein jahrelanges Engagement seiner Eltern und hochrangiger Kirchenmänner voraus.
Die katholische Kirche will vor allem für junge Leute attraktiver werden und sucht daher neue Glaubensvorbilder. Carlo Acutis hat weltweit viele Anhänger. Seine Grabstelle im umbrischen Assisi ist mittlerweile ein beliebtes Ziel für katholische Pilger.
Im April 2025 soll er in Rom von Papst Franziskus heiliggesprochen werden. Die Anerkennung zweier Wunder „auf seine Fürsprache bei Gott“ wurde inzwischen bestätigt. Zwei Menschen wurden laut Gutachtern auf medizinisch unerklärliche Weise durch göttliches Eingreifen geheilt, nachdem Angehörige der Kranken Acutis um Hilfe gebeten hatten.