Fachkräftemangel
Kliniken im Südwesten finden kein Personal
Obwohl die Krankenhäuser in Baden-Württemberg ihren Angestellten einiges bieten, fehlt es an Fachkräften. Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse können nur 50 Prozent aller Kliniken im Land alle offenen ärztlichen Stellen besetzen.

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In den Kliniken im Südwesten fehlen ärztliche und pflegerische Fachkräfte.
Von Bettina Hartmann
Personalapartments, Diensträder, Job-Tickets, flexible Arbeitszeitmodelle, Kinderbetreuungsangebote – Krankenhäusern haben ihrem Personal durchaus etwas zu bieten. Trotzdem kann derzeit nur die Hälfte der Kliniken in Baden-Württemberg ausreichend ärztliche Fachkräfte rekrutieren, um alle offenen Stellen zu besetzen. Das hat eine Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK), die unserer Zeitung exklusiv vorliegt, unter den Kliniken im Südwesten ergeben. Im Bereich Pflege haben demnach sogar 70 Prozent der Kliniken ernsthafte Probleme, Personal zu finden.
„Wir müssen Strukturen schaffen, in denen die Beschäftigten so effizient und bedarfsgerecht wie möglich eingesetzt werden“, kommentiert Nadia Mussa, Leiterin der TK-Landesvertretung, den Notstand. Gute Ideen sind somit gefragt. Etwa zwei Drittel der Krankenhäuser haben daher laut der TK-Umfrage in den vergangenen zwei Jahren besondere Maßnahmen entwickelt, um unter anderem ältere Beschäftigte in der Klinik zu halten. Dazu zählen etwa Qualifizierungsmaßnahmen für Aufgaben in anderen Tätigkeitsfeldern, Angebote zur individuellen Planung von Arbeitszeiten sowie die Möglichkeit, nach der Rente weiterzuarbeiten.
Aus Sicht der Landesgruppe Baden-Württemberg des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD) reicht jedoch wegen des demografischen Wandels eine kreative Personalgewinnung nicht aus. Das Problem: Um die steigende Zahl pflegebedürftiger Menschen entsprechend zu umsorgen, bräuchte Baden-Württemberg bis zum Jahr 2040 laut einer Studie der „Initiative für eine nachhaltige und generationengerechte Pflegereform“ bis zu 25 000 zusätzliche Pflegefachkräfte in Vollzeit. Das sind rund 35 Prozent mehr Pflegerinnen und Pfleger als aktuell. Das Interesse an dem Beruf ist laut Zahlen des Statistischen Landesamts allerdings verhalten. Die Landesregierung setzt daher auch auf die Rekrutierung aus dem Ausland.
Laut VKD müssten sich aber zudem die Strukturen ändern: „Die Krankenhäuser müssen von den kleinteiligen Vorschriften befreit werden, die den Einsatz von hoch qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am richtigen Ort verhindern“, betont Matthias Geiser, Vorsitzender der VKD-Landesgruppe. „Pflegekräfte und Ärzte, die einen großen Teil ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation und Bürokratie verbringen, können wir uns nicht leisten.“