Lebertran für die Langsamen: Stocherkahnrennen in Tübingen
dpa/lsw Tübingen. An Fronleichnam geht es in Tübingen traditionell rund auf dem Wasser. Das Stocherkahnrennen auf dem Neckar sehen jährlich Tausende Besucher an.

Ein Stocherkahnrennen auf dem Neckar. Foto: Sebastian Gollnow/Archivbild
In Tübingen stechen beim traditionellen Stocherkahnrennen heute zu Fronleichnam wieder rund 60 Mannschaften in den Neckar. In Holzkähnen müssen die Besatzungen jeweils eine Runde um eine Insel im Fluss drehen. Das Spektakel lockt jährlich mehrere Tausend Schaulustige in die Uni-Stadt.
Bei einer Kostümparade wetteifern die Bootsbesatzungen zunächst um die Gunst einer Jury. Während des Rennens gilt das sogenannte Nadelöhr als Knackpunkt und Hauptattraktion für die Zuschauer: Die Engstelle zwischen Brückenpfeiler und Inselufer müssen die Kähne zwei Mal aus verschiedenen Richtungen durchfahren. Dabei kommt es regelmäßig zu Kollisionen. Auch gebrochene Rippen haben Teilnehmer dabei schon erlitten, wie ein Sprecher des Vereins Deutscher Studenten zu Tübingen mitteilte.
Die Verbindung muss als Letztplatzierte aus dem Vorjahr das Stocherkahnrennen 2019 ausrichten. Außerdem müssen die Mitfahrer des langsamsten Kahns direkt nach dem Rennen jeweils einen halben Liter Lebertran trinken. Das Gewinnerteam bekommt einen Pokal und ein Fass Bier.
Stocherkähne werden von einem „Stocherer“ mit einer langen Holzstange angetrieben und gesteuert. Die anderen Besatzungsmitglieder paddeln mit den Händen. Den Tübinger Wettstreit gibt es schon seit Jahrzehnten. Aus einem spontanen Rennen mit sieben Mannschaften im Jahr 1956 wurde im Lauf der Zeit ein Riesenspektakel.