Roter Planet

Mars hatte einst Küsten, Strände und Meere

Ein chinesischer Rover hat die Küste eines alten Ozeans auf dem Roten Planeten untersucht. Er fand sandige Ablagerungen, die denen an irdischen Küsten stark ähneln.

Ein hypothetisches Bild des Mars vor 3,6 Milliarden Jahren, als ein Ozean fast die Hälfte des Planeten bedeckt haben könnte. Die blauen Bereiche zeigen die Tiefe des Ozeans, der bis zum Niveau der Küstenlinie des alten, heute verschwundenen Meeres, genannt Deuteronilus, gefüllt war. Der orangefarbene Stern stellt die Landestelle des chinesischen Rovers Zhurong dar. Der gelbe Stern ist die Landestelle des NASA-Rovers Perseverance, der einige Monate vor Zhurong gelandet ist.

© dpa/Robert Citron

Ein hypothetisches Bild des Mars vor 3,6 Milliarden Jahren, als ein Ozean fast die Hälfte des Planeten bedeckt haben könnte. Die blauen Bereiche zeigen die Tiefe des Ozeans, der bis zum Niveau der Küstenlinie des alten, heute verschwundenen Meeres, genannt Deuteronilus, gefüllt war. Der orangefarbene Stern stellt die Landestelle des chinesischen Rovers Zhurong dar. Der gelbe Stern ist die Landestelle des NASA-Rovers Perseverance, der einige Monate vor Zhurong gelandet ist.

Von Rainer Kayser (dpa)/Markus Brauer

Auf dem Mars gab es vor etwa vier Milliarden Jahren einen großen Ozean mit sandigen Stränden. Das zeigen Radar-Messungen des chinesischen Rovers Zhurong, über die ein internationales Forschungsteam jetzt im Fachblatt „Proceedings“ der US-amerikanischen Akademie der Wissenschaften (PNAS) berichtet. Damit bestätigen die Forschenden die bislang umstrittene Hypothese eines Ozeans, der einst nahezu die ganze Nordhalbkugel des Roten Planeten bedeckte.

Zhurong rover on Mars finds evidence of a past ocean, hinting at potential habitability. Rover traveled 1.9 km since May 2021, uncovering sediment layers like Earth's beaches in Utopia Planitia. Study in PNAS sheds light on Mars' watery history. Source:https://t.co/hLCXyNHuoFpic.twitter.com/EKjwVKOZ9p — CNSA Watcher (@CNSAWatcher) February 26, 2025

Chinesische Mars-Mission Tianwen-1

„Das ist auch ein starkes Argument dafür, dass diese Region auf dem Mars einst lebensfreundlich war“, erläutert Hai Lu von der Universität Guangzhou in China.

Lu ist leitender Wissenschaftler im Team der chinesischen Mars-Mission Tianwen-1, die sich im Juli 2020 auf den Weg zum äußeren Nachbarplaneten der Erde gemacht hat.

Mit an Bord: Das Robotfahrzeug Zhurong, das von Mai 2021 bis Mai 2022 die Umgebung seiner Landestelle am südlichen Rand der Tiefebene Utopia Planitia untersucht hat.

Der Mars war nicht immer so lebensfeindlich

Zwar präsentiert sich der Mars heute als lebensfeindlicher, staubtrockener Wüstenplanet. Doch zahlreiche Anzeichen deuten darauf hin, dass der Mars nicht immer so trocken war.

So zeigen die Aufnahmen zahlreicher Raumsonden, die den Roten Planeten bereits besucht haben, mäandernden Flussläufe mit ausgedehnten Mündungsdeltas sowie Strukturen, die den Küstenlinien eines ausgetrockneten Meeres ähneln.

In seiner Frühzeit vor vier Milliarden Jahren besaß der Mars also vermutlich eine dichtere Atmosphäre, ein wärmeres Klima und damit auch offenes Wasser auf seiner Oberfläche.

Gab es Ozeane mit Küsten?

Die Existenz eines großen Ozeans blieb allerdings umstritten, da seine vermeintliche Küstenlinie eine Reihe von Problemen aufwirft. So schwankt ihre Höhe beispielsweise um mehrere Kilometer.

Um Klarheit zu bekommen, hat das Team der Mission Tianwen-1 den Rover über eine Strecke von 1,9 Kilometer quer über die vermutete Küstenlinie fahren lassen. Dabei hat das Fahrzeug mit einem Bodenradar den Untergrund bis in eine Tiefe von 80 Metern untersucht.

Die Forscher stießen auf sandige Ablagerungen, die sich unter einem Winkel von 15 Grad absenken – nahezu identisch Ablagerungen an irdischen Küsten. Die Ablagerungen haben eine Dicke von 10 bis 35 Metern.

Über einen langen Zeitraum hydrologisch aktiv

Auf der Erde würde es mehrere Millionen Jahre dauern, um so viel Sand an der Meeresküste abzulagern, schreiben die Wissenschaftler. Es müsse auf dem Mars also lange genug flüssiges Wasser gegeben haben: Flüsse, die den Sand ins Meer transportiert und Wellen, die den Sand an die Küste gespült haben.

„Diese Ablagerungen zeigen, dass zumindest ein großer Teil des Planeten über einen langen Zeitraum hydrologisch aktiv gewesen sein muss“, betont Benjamin Cardenas von der Pennsylvania State University in den USA. Nur ein Wasserkreislauf – ähnlich wie wir ihn auf der Erde kennen – könne die Küste des Ozeans mit Sedimenten versorgt haben. U

nd vielleicht auch mit Nährstoffen, spekuliert Cardenas: „Solche Küsten sind eine die besten Regionen, um nach Beweisen für früheres Leben zu suchen. Möglicherweise entwickelten sich die ersten Lebensformen auch auf der Erde in Gebieten wie diesen.“

Warum verläuft die Küstenlinie nicht gleichmäßig?

Bleibt die Frage, warum die Küstenlinie der Ozeans nicht in gleichmäßiger Höhe verläuft. Daran könnten, so argumentiert Michael Manga von der University of California, der Vulkanismus auf dem Roten Planeten schuld sein.

Vor 3,7 Milliarden Jahren entstand auf dem Mars die Tharsis-Region mit den größten bekannten Vulkanen im Sonnensystem. Diese Vulkane sind so gewaltig, dass sie die Rotation des ganzen Planeten und auch seine Form verändert haben. „Weil sich die Rotationsachse des Mars geändert hat, hat sich auch seine Form verändert“, so Manga. „Und dadurch sind Regionen, die zuvor flach waren, nun nicht mehr flach.“

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Erstellt:
26. Februar 2025, 12:00 Uhr

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