Plötzlich zappelt ein Fisch an der Angel
Angel-AG der Conrad-Weiser-Schule kooperiert mit der Fischereivereinigung Aspach – Leidenschaft fürs Hobby entdeckt – Großer Fang: Ein Karpfen
„Petri Heil“ hieß es für sechs Schüler beim gemeinsamen Fischfang am Fritz-Abele-See bei Rietenau. In der Angel-AG der Conrad-Weiser-Schule hatten sie gelernt, wie man mit Angelrute, Rolle, Schwimmer, Haken und Köder umgeht. Am Abend konnte einer von ihnen einen Karpfen mit nach Hause nehmen.

© Pressefotografie Alexander Beche
Einige Schüler der Angel-AG der Conrad-Weiser-Schule versuchen ihr Glück, einen Fisch an den Haken zu bekommen. Foto: A. Becher
Von Annette Hohnerlein
ASPACH. Jürgen Fritz hat wenig Hoffnung, dass den Jugendlichen heute das Anglerglück lacht. „Ich glaube nicht, dass sie heute etwas fangen. Bei dieser Hitze fahren die Fische ihren Stoffwechsel herunter“, erklärt der Vorsitzende der Fischereivereinigung Aspach. Doch kurz nachdem alle ihre Angeln zusammengesteckt und ausgeworfen haben, ruft der elfjährige Timon Rayer aufgeregt: „Ich hab einen Fisch!“ Tatsächlich biegt sich die Angelrute, am Haken hängt ein Karpfen und zappelt heftig.
Jetzt muss es schnell gehen. Jan Fritz, der Sohn des Vereinsvorsitzenden, eilt herbei und holt den Fang mit einem Kescher aus dem Wasser, sein Vater entfernt den Haken aus dem Maul. Dann hat Timon die Aufgabe, das Tier zu töten. Mit einem Schlag auf den Kopf mit einem Holzstock betäubt er den Karpfen, dann setzt er mit einem spitzen Messer den Herzstich. „Volltreffer“, lobt Jürgen Fritz. Er hängt den Fisch an die mitgebrachte Waage: Etwas über drei Kilo wiegt das Prachtexemplar. „Der Karpfen hat eine Wunde an der Seite. Ich vermute, dass er von einem Kormoran angepickt wurde“, erläutert Fritz und fügt ironisch hinzu: „Der Kormoran ist Fischers Freund“.
Obwohl das Tier immer noch zuckt, ist es nach dem Herzstich auf jeden Fall tot, versichert Claudia Häring, die die Angel-AG an der Conrad-Weiser-Schule leitet und selbst vor zwei Jahren den Fischereischein gemacht hat. Sie hilft ihren Schülern, die sich am Ufer des idyllisch gelegenen Sees im Halbschatten verteilt haben, beim Zusammenbauen der Angeln. Die Geschwister Valentin und Rebecca Schick mühen sich mit der langen Rute ab: „Wie war das noch mal?“ Als der 16-Jährige dann die Angel auswerfen will, verfängt sich der Haken in den Haaren von Claudia Häring. „Jetzt hast du einen großen Hering an der Angel“, so der launige Kommentar der Lehrerin. Überhaupt, das Auswerfen ist gar nicht so einfach, das muss auch Ron Stadler erfahren. Bei seinem ersten Versuch bleibt der Haken in einem Baum hängen. „Willst du Eichhörnchen fangen?“, lacht Jürgen Fritz und löst die Schnur aus den Ästen.
„Mein Opa war Profiangler“, erzählt Ron auf die Frage, warum er sich für die Angel-AG entschieden hat. „Und ich finde es cool, wenn man Fische fangen und dann essen kann.“ Sein Mitangler Luan Prushi hatte vorher noch keine Erfahrung mit der Fischerei gemacht, war aber neugierig: „Ich wollte mal was Neues ausprobieren.“
Es war für die Jungen und Mädchen kein Sprung ins kalte Wasser, obwohl der an diesem heißen Freitagnachmittag bestimmt gutgetan hätte. Die sechs Schüler zwischen 11 und 16 Jahren waren gut vorbereitet. Über die Wintermonate hatten sie einiges rund um die Fischerei erfahren. Fischkunde, Gewässerökologie und Umweltschutz waren Themen im AG-Unterricht, genauso wie die Fragen „Welche Fische sind in Baden-Württemberg heimisch?“ und „Wie töte ich waidgerecht?“. Jürgen Fritz hatte verschiedene Angeltechniken vorgestellt und mit den Schülern Gewässergüteuntersuchungen gemacht.
Zeit investieren, um Nachwuchs für Verein zu gewinnen
Die Jugendlichen waren auch dabei, als Vereinsmitglieder eine Bachforellenbrut in den Klöpferbach aussetzten. „Das ist eine richtig gute Sache geworden“, freut sich Claudia Häring. Sie betont aber auch: „Das ist keine Spaßveranstaltung. Ich möchte bei den Schülern Respekt und Verständnis wecken. Man tötet, um sich davon zu ernähren“. Begeistert erzählt sie vom ersten Ausflug an den See vor ein paar Wochen, bei dem die Nachwuchsangler an einem einzigen Nachmittag fünf Fische aus dem See gezogen haben. „Das war unglaublich. Die Schüler waren total elektrisiert, die hat das Jagdfieber gepackt. Sie haben diskutiert, wo die besten Stellen im See sind.“
Einer der Jugendlichen aus der Angel-AG, Eddy Hustan, war von dem neu entdeckten Hobby so fasziniert, dass er es jetzt auf eigene Faust betreiben will. „Da ist das Feuer entfacht“, meint Häring. „Er ist inzwischen in den Verein eingetreten.“ Ein schöner Erfolg auch für den Vorsitzenden Fritz, der viel Zeit investiert, um Nachwuchs für seinen Verein zu gewinnen.
Und wie hat Timon den Nachmittag erlebt? War es sehr schwer für ihn, den Karpfen zu töten? „Ich hab das noch nie gemacht, aber das hat jetzt nicht so viel Überwindung gekostet“, sagt er. Auf jeden Fall hat er einiges zu erzählen, wenn er nach Hause kommt. „Und was zu essen“, ergänzt er schmunzelnd.