Raumfahrt
Rabea Rogge soll die erste deutsche Frau im Weltall werden
Als Teil einer Forschungsmission dürfte Rabea Rogge bald Geschichte schreiben. Dass die Berlinerin aller Voraussicht nach ins Weltall fliegt, hat sie einer Bekanntschaft im Arktischen Ozean zu verdanken.

© melter.ch/Peter Balicki
Die Wissenschaftlerin Rabea Rogge fliegt wohl bald ins All.
Von Valentin Schwarz
Eine Pionierin der Raumfahrt: Rabea Rogge soll als erste deutsche Frau ins Weltall fliegen. Die Berlinerin nimmt als wissenschaftliche Spezialistin an der Forschungsmission Fram2 teil. Wenn alles nach Plan verläuft, startet sie in der Nacht von Montag auf Dienstag mit einer Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in den USA. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) waren bislang zwölf deutsche Männer im All, aber noch keine Frau.
„Die Vorfreude steigt schon erheblich“, sagte Rogge vor dem Abflug gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Zwar wurde die 29-Jährige nie von einer Weltraumorganisation als Astronautin ausgebildet. Dafür kann sie wissenschaftliche Fachkenntnisse vorweisen. Rogge hat an der ETH Zürich Elektrotechnik studiert und dort an einem Mini-Satelliten mitgebaut. Aktuell arbeitet sie an ihrer Doktorarbeit zu autonom fahrenden Booten im Arktischen Ozean.
Krypto-Investor beauftragt SpaceX
Während der viertägigen Mission Fram2 soll sie nun auf einer neuen Umlaufbahn über die Polarregionen der Erde fliegen. Als Raumschiff dient dabei eine wiederverwendbare „Dragon“-Kapsel der Firma SpaceX. Das Unternehmen von Skandal-Milliardär Elon Musk ist auch für die Falcon-9-Rakete, die die Crew ins All bringen soll, verantwortlich.
Den Auftrag dazu hat SpaceX von Chun Wang erhalten. Der chinesische Staatsbürger ist durch Investitionen in die Kryptowährung Bitcoin reich geworden, lebt heute auf Malta und gilt als Raumfahrt-Fanatiker. Bei „Fram2“ fungiert er nicht nur als Geldgeber – der 43-Jährige fliegt als Missionsleiter selbst mit.
Chun Wang lädt Rabea Rogge zu Raumfahrt-Mission ein
Wang und Rogge kennen sich seit einem gemeinsamen Expeditionstraining auf der Inselgruppe Spitzbergen im Nordpolarmeer. Dort hätten sie sich über den Kosmos unterhalten, erzählte Rogge der dpa. Einige Monate später kam die Anfrage, ob sie an „Fram2“ teilnehmen wolle. Rogge sagte zu und durchlief anschließend in den USA ein Trainingsprogramm für den Flug.
„Fram2“ ist nach einem norwegischen Polarforschungsschiff aus dem 19. Jahrhundert benannt. Zu den Zielen der Mission zählt, aus einer Höhe von 425 bis 450 Kilometern Himmelsleuchten zu untersuchen. Außerdem sollen verschiedene Experimente zeigen, wie der menschliche Körper auf die Verhältnisse im All regiert, etwa bei Fitnessübungen. Mit an Bord sind neben Rogge und Wang auch die Filmemacherin Jannicke Mikkelsen aus Norwegen sowie der Polarforscher Eric Philips aus Australien.
Rogge will Politik und Raumfahrt trennen
Dass eine private, nicht-staatliche Weltraummission stattfindet, ist – anders als Rogges Teilnahme – keine Premiere. SpaceX hat sich längst zu einem der wichtigsten Akteure der Raumfahrt entwickelt und bereits mehrere Aufträge von Privatpersonen umgesetzt. Firmengründer Elon Musk, ein Unterstützer und Berater von US-Präsident Donald Trump, steht indes wegen seiner politischen Äußerungen und Handlungen in der Kritik.
Rogge hält jedoch nichts davon, Politik und Raumfahrt zu vermischen. „Meiner Meinung nach sollte die Raumfahrt nicht in ein politisches Lager gesteckt werden – es ist ein Traum, der allen Menschen gehört“, sagte die 29-Jährige der dpa. Ob ihr persönlicher Traum tatsächlich bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag in Erfüllung geht, steht indes noch in den Sternen. Der Start von „Fram2“ könnte sich aus verschiedenen Gründen auch kurzfristig noch verschieben.